Oldenburg: Die Zeichen stehen auf Abriss

Bis 2018 gab es an der Avia-Tankstelle in der Oldenburger Kaiserstraße Benzin. Nur Tage nach der Schließung wurden die Tanks demontiert, und ein aufmerksamer Nachbar benachrichtigte die Stadt, dass hier wohl der Abriss vorbereitet werde. Dem hat man schnell einen Riegel vorgeschoben, denn in der Tat war die 1955/56 errichtete Zapfstation mit dem schwungvollen Dach schon im Visier des Denkmalamts. Man betrachte das Gebäude als Baudenkmal, hieß es. Der Investor erklärte, man habe selbstverständlich keinen Abriss geplant, sondern wolle das Gebäude in einen Neubau auf dem Filetgrundstück integrieren. Egal, wie glaubhaft diese Aussage sein mag: Damit war die Station zunächst einmal gerettet. Das Café „Geschmacksträger“ ist als Zwischennutzer eingezogen.

Nun allerdings stehen die Zeichen doch plötzlich auf Abriss – sehr zum Unmut von Oberbürgermeister und Stadtbaurat. Denn die Tankstelle steht doch nicht unter Denkmalschutz: Im April 2019 hat das Landesdenkmalamt den Bau als nicht (mehr) schützenswert eingestuft. Man bedauere zwar den drohenden Verlust, empfehle aber eher die Translozierung in ein Freilichtmuseum, teilte das Amt der Nordwest Zeitung auf Anfrage mit. Und der Investor hat der Stadt bereits erste Skizzen für einen Neubau vorgelegt. Diese möchte indes weiterhin den Abriss verhindern und ersucht um eine neue Überprüfung des Denkmalwerts. (db, 17.5.20)

Oldenburg, Avia-Tankstelle 2018 (Bild: Matti A. Bohm)

Die Tanke ist weg

Ihr Niedergang machte sie erst zur Berühmtheit: Die frühere Tankstelle in der Langenhorner Chaussee in Hamburg war beliebtes Fotoobjekt bei Lost-Places-Fans. Noch zu Beginn der 2010er-Jahre war sie in ordentlichem Zustand und als Werkstatt genutzt. Dann wurde das Areal einschließlich eines Wohnhauses aus den 1930ern und einer Güterhalle geräumt. Planungen für eine Wohnanlage wurden öffentlich und – oh Wunder – das denkmalgeschützte Tankstellengebäude von ca. 1953 wurde im Zeitraffer von Vandalen kurz und klein geschlagen, ging 2016 in Flammen auf. Somit war dem Eigentümer die Instandsetzung wirtschaftlich natürlich nicht mehr zuzumuten. 2017 wurde es aus dem Denkmalschutz entlassen. Nun ist es abgerissen: Vor Ostern kam der Bagger.

Das Zeugnis des automobilen Aufbruchs der 1950er, wohl eine Typtankstelle Shell ODK, wurde vom Architekten Bruno Bleyer ausgeführt. Einzige Abweichung zur Shell-Serie waren die beigen Wandkacheln. Berühmt ist das Modell „Shell ODZ 1“ der Firma Faller im Modellbahn-Maßstab 1:87, das gerade neu aufgelegt worden ist. Doch tatsächlich gab es auch die Hamburger Station als Miniatur: Die Firma Preiser bot sie ab 1960 an. Immerhin, zwei Wirtschaftswunder-Tankstellen dürften in der „Freien und Abrisstadt Hamburg“ überleben: Die Großtankstelle am Brandshof und die Station an den Grindelhochhäusern sind in pflegenden Händen … (db, 13.4.20)

Titelmotiv: Hamburg, Langenhorner Chaussee, 2018 (Bild: Daniel Bartetzko)

Hamburg, Langenhorner Chaussee (Bild: Facebook)

Hamburg, Langenhorner Chaussee (Bild: Facebook)

Museumsreife Tankstelle

Es ist nie erfreulich, wenn ein Relikt des Wirtschaftswunders inklusive eines über 120 Jahre alten Backsteinhauses einer Investoren-Wohnanlage weichen muss. Doch im konkreten Fall gab es zumindest in Teilen eine Rettung: Eine ehemalige Gasolin-Tankstelle aus Stade an der Elbe hat im Freilichtmuseum am Kiekeberg nahe Hamburg ihre neue Heimat gefunden. Die Erben des einstigen Betreibers haben sich mit dem Freilichtmuseum über die Translozierung geeinigt, bevor die Bagger anrückten. Das Gebäude, eine Typtankstelle „T6“ von 1954, gelangte per Tieflader an seinen neuen Standort. Bis Ende der 1960er floss in Stade der Sprit unterm Gasolin-Logo, dann übernahm Aral die Kette. 1984 wurde der Tankstellenbetrieb eingestellt, die zugehörige Werkstatt bis zuletzt untervermietet.

Nun steht die Gasolin-Station in der „Königsberger Straße“: Hier reihen sich Bauwerke des Wirtschaftswunders, darunter eine kleinstädtische Ladenzeile mit sechs Geschäften, ein nachkriegsmoderner Aussiedlerhof und ein „Quelle“-Fertighaus. Die Einweihungsfeier der „Tankstelle Mehrtens“ ist am 15. September. Doch nicht nur das Wirtschaftswunder, auch die gesellschaftliche Entwicklung ist in dieser Museumsstraße Thema: Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und etliche ehemalige Zwangsarbeiter waren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Neubürgern. Der Kreis Harburg nahm überproportional viele von ihnen auf: 1939 lebten dort noch 62.602 Menschen, zehn Jahre später 124.397. Ein vorbildhaftes Verhalten, das nicht in Vergessenheit geraten sollte … (db, 12.8.19)

Freilichtmuseuseum am Kiekeberg, Gasolin-Tankstelle (Bild: Museum)