Im Gleichschritt ins All

„Nur nach vorne“ – wenn die Moderne eine Handlungsanweisung herausgegeben hat, dann diese: Fortschritt mit allen, auch künstlerischen Mitteln. Diesem Thema hat sich nun auch die gleichnamige Gruppenausstellung in der „Zwitschermaschine“ (Potsdamer Straße 161, 10783 Berlin (U2 Bülowstraße)) in Berlin verschrieben, die dort noch bis zum 8. Dezember besucht werden kann. Die Künstler Evol, Alekos Hofstetter, Aglaia Konrad, Thomas Ravens und Christine Weber nutzen diese Spannung zwischen damals und morgen, zwischen verpönter Vergangenheit und ersehtem Fortschritt. So stellen die präsentierten Werke eine Beziehung her zwischen den architektonischen und städtebaulichen Äußerungen der Nachkriegsjahrzehnte und deren heutiger Wahrnehmung.

Heute, am 28. November 2018 um 19.30 Uhr, schildert der Kunsthistoriker Dr. Peter Müller mit seinem Vortrag „Nach vorne“, wie sich die Vorstellungen von repräsentativer Stadt- und Staatsarchitektur in der Hauptstadt der DDR entwickelt haben. In einem zweiten Vortrag, quasi als Finissage der Ausstellung, spricht der Architekturkritiker Wolfgang Kil am 8. Dezember 2018 um 18 Uhr unter dem Titel „Die Republik der Roten Halstücher“ über das Pionierlager Artek auf der Krim. (kb, 28.11.18)

Alekos Hofstetter, Schwarzes Quadrat über Berlin (Anflug), 2018 (Edition zur Ausstellung „Nur nach vorne“)

Arbeiterschließfächer

Nein, das ist keine Schleichwerbung für ein neues Designerstück, das ist Kunst. Erfreulicherweise Kunst mit Augenzwinkern. EVOL arbeitet mit Fundstücken aus dem öffentlichen Raum und weist ihnen durch kleine Eingriffe eine neue Bedeutung zu. Aus Alltagsgegenständen werden aus dem Maßstab gerückte Architekturen. Bekannt wurde EVOL etwa durch Stromkästen, die er in ostmoderne Systembauten verwandelte. In diesem Fall wird aus Metallschränken mit einem guten Schuss Ironie das sprichwörtliche, nicht immer nur freundlich gemeinte „Arbeiterschließfach“.

Vom 18. August bis zum 21. September sind Werke von EVOL in Dortmund im ehemaligen Robert-Schuman-Kolleg (Sckellstraße 5-7, 44141 Dortmund) zu sehen. Unter dem Titel „Doppelplusmodern“ zeigt die Ausstellung gleichberechtigt Arbeiten von Alekos Hofstetter. Er setzt sich in seinem 2012 begonnen Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit der stetigen Veränderung der Architektur der Epoche von 1950 bis 1980 auseinander. In seinen Zeichnungen und Gemälden stellt er ikonische, emblematische Architekturen und fremdartige, verfremdete Landschaften einander gegenüber. Es handelt sich um eine Ausstellung von Schamp & Schmalöer, BDA Dortmund Unna Hamm im Rahmen von „Big Beautiful Buildings“ (ECHY 2018) – und ist zugleich Teil der Doppelausstellung „Architektur trifft Kunst“, zu der auch „Schwimmen in Geld“ gehört. Die Eröffnung von „Doppelplusmodern“ wird am 17. August um 18 Uhr in der Pausenhalle begangen. (kb, 10.8.18)

EVOL, Arbeiterschließfächer, 2017, Installation (Courtesy: EVOL)

Tannhäuser Tor II

In der Laura Mars Gallery (Bülowstraße 52, 10783 Berlin) ist vom 9. bis zum 22. Dezember die Doppelausstellung „Maarten Janssen. 50 Cent“ und „Alekos Hofstetter. Tannhäuser Tor II“ zu sehen. Der niederländische Künstler Maarten Janssen wird zu diesem Anlass erstmalig seine fünfteilige Serie „alfabetagammadelta“ – eine alphabetische Farbsortierung einsilbiger Farbnamen im Niederländischen – präsentieren. Thema des Werkblocks „Tannhäuser Tor“ von Alekos Hofstetter ist das Verhältnis von Raum, Zeit und Distanz. Im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit dem sich verändernden Blick auf die Nachkriegsmoderne.

In den teilweise gemeinschaftlich mit dem Dresdener Künstler Florian Göpfert geschaffenen Zeichnungen und Gemälden wird ein neues Verhältnis von Architektur und Landschaft konstruiert. Die Baukunst, die uns von Hofstetter in seinen Werken gezeigt wird, ist befreit von jeder Funktionalität und scheint nur in entrückter Ferne sein zu können. Die Eröffnung wird am 8. Dezember um 19 Uhr begangen. Zu diesem Anlass wird auch der Katalog „Tannhäuser Tor II“ vorgestellt, der im Fantôme Verlag mit Texten von Daniel H. Wild (Hg.) und Holm Friebe erscheint. (kb, 5.12.17)

Alekos Hofstetter, Klingt es auch wie eine Sage, kann es doch kein Märchen sein, 2016 (Copyright: Alekos Hofstetter, Courtesy: Laura Mars Gallery, Berlin)