Taunus

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

von Karin Berkemann (Heft 14/1)

Königstein/Taunus, Kurbad, Treppenturm (Bild: K. Berkemann)
Kommunale Bäder – hier Königstein – gehörten nach dem Krieg zur „Grundausstattung“ (Bild: K. Berkemann)

Es macht wenig Sinn, einen Artikel über Hallenbäder mit einer Tennishalle zu beginnen – wären da nicht ein futuristischer Entwurf und ein eigensinniger Architekt gewesen. Als das Taunusstädtchen Idstein 1970 endlich ein neues Hallenbad bekommen sollte, lobte man einen Wettbewerb aus und wählte die zwei besten Einsendungen aus. Nach lokalen Ränkespielen jedoch zog der Idsteiner Architekt Richard Bauer seinen Vorschlag zurück. Dabei hatte er das Ganze so schön geplant: eine moderne weitgespannte Betonschalen-Konstruktion. Kurzerhand verdoppelte Bauer die Grundfläche, errichtete seinen Entwurf 1973 auf eigene Kosten am Stadtrand, benannte das Ergebnis nach seiner Frau und bewirtschaftete es über Jahrzehnte als Tennis- und Veranstaltungshalle. Aber dazu später mehr …

 

Die neue Lust am Baden

Königstein, Kurbad (Bild: K. Berkemann)
Bis in die Nachkriegszeit stand bei vielen Hallenbädern die Idee von Sport und Gesundheit im Vordergrund (Bild: K. Berkemann)

Um 1970 rüsteten viele Kleinstädte ihre Infrastruktur auf, um einladender, unterhaltsamer, urbaner zu wirken. Neben die Umgehungsstraße und die Gesamtschule traten vielerorts das Theater und das Hallenbad. Noch um 1900 diente die öffentliche Badeanstalt vor allem der großstädtischen Gesundheit. Mit den Jahren etablierten sich auch auf dem Land Natur- und Freibäder und nach 1945 wollte man schließlich flächendeckend sportliche Schwimmstätten einrichten. Doch noch immer standen Gesundheit und Hygiene im Vordergrund, dabei hatte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine andere, lustvolle Badekultur entwickelt: Im Kur-(Hallen-)Bad sollte sich der Gast körperlich wie seelisch erholen.

Im besten Fall verband man das Gute aus beiden Strömungen: die Breitenwirksamkeit der Sportbäder mit der Erholungsqualität der Kurbäder. Denn mit dem Wohlstand wuchs nach dem Krieg auch die Sehnsucht nach den kleinen Fluchten. Immer mehr Freizeit wollte immer anspruchsvoller gefüllt werden – und dafür stand den Badegästen immer mehr Geld zu Verfügung. Neue Großprojekte nutzten diesen Trend, so z. B. das Alpamare (1970) im traditionsreichen Kurort Bad Tölz. Für das erste deutsche Wellenbrandungsbad wurde mit Urlaubsflair geworben: Baden unter Palmen. Und wo es in Kleinstädten nicht für tropische Gewächse reichte, mussten zumindest Riesenrutsche und Pommesbude her.

 

Eine Wahrzeichen für Königstein

Königstein, Villa Borgnis (Bild: K. Berkemann)
Die Königsteiner Villa Borgnis wurde 1927 zum Kurhaus umgewidmet (Bild: K. Berkemann)

Die Taunusstadt Königstein hatte ein geschütztes, fast mediterranes Klima, nur keine eigene Heilquelle. Doch dem Arzt Georg Pingler (1815-92) genügte für seine – an Sebastian Kneipp erinnernde – Kur „normales“ kaltes Wasser. In das 1851 begründete Prießnitz-Bad kamen rasch illustre Patienten wie der nassauische Herzog Adolph. Das wachsende Königstein konnte für seine Bürger 1924 das Freibad im Woogtal eröffnen und für seine Gäste 1927 die malerische Villa Borgnis (1860) zum Kurhaus umwidmen. Was zum „vollgültigen“ Kurort noch fehlte, war ein repräsentatives Kurmittelhaus.

Als 1970 ein Wettbewerb ausgelobt wurde, wünschte man ein Hallenbad mit einem Kurmittelhaus, einer (später nicht umgesetzten) Arztabteilung und Räumen für Friseur, Pediküre, Maniküre, Kiosk … Überzeugen konnte der Entwurf des Stuttgarter Büros Geier + Geier, der die unterschiedlichen Funktionen am Hang geschickt übereinander staffelte. Doch auch die „symbolischen“ Anforderungen an das neue Wahrzeichen waren hoch: Der Bau sollte die Tradition wie die Modernität einer Kurstadt verkörpern, der Gesundheit wie der Freude dienen, die Einheimischen wie die Kurgäste ansprechen.

 

Ein Gesundheitsbad zum Wohlfühlen

Königstein/Taunus, Kurbad, Außenbau (Bild: K. Berkemann)
Weithin sichtbar und gut erreichbar liegt das Kurbad Königstein am Hang über der Bundesstraße 8 (Bild: K. Berkemann)

Auf diesen Anspruch waren Rudolf (1916-2007) und Ingeborg (* 1931) Geier bestens vorbereitet: Er hatte in Karlsruhe u. a. bei Egon Eiermann gelernt und schon beim Kurbad Badenweiler (1954) – mit Otto Linde und Georg Meistermann – erste Erfahrungen gesammelt. Sie hatte in Aachen u. a. bei Hans Schwippert ihre Ausbildung absolviert. Gemeinsam gründeten sie 1963 ihr Büro und konzentrierten sich rasch auf den boomenden Bäderbau. Mit Großprojekten wie Bad Bevensen (bis 1970) konnten sie bereits ihr Gesellenstück vorweisen.

Für Königstein gestalteten Geier + Geier einen plastischen Stahlbetonbau: lagernde schalungsraue Brüstungsfelder, aufstrebende strukturierten Treppentürmen und große Glasflächen. Eine markante Form, die an prominenter Stelle – über der Bundesstraße 8, unter Burg Falkenstein, vor der grünen Taunuslandschaft – gerne mit einem Schiff verglichen wurde. Egal wie, das neue Kurbad war nicht zu übersehen.

 

Der Griff in den Farbtopf

Königstein/Taunus, Kurbad, Foyer (Bild: K. Berkemann)
Im Foyer des Königsteiner Kurbads werden Gäste von leuchtenden Farben willkommen geheißen (Bild: K. Berkemann)

Daran war der Stuttgarter Maler und Bildhauer Otto Herbert Hajek (1927-2005) entscheidend beteiligt. Seine Farbgestaltung tauchte das neue Kurbad 1976/77 in leuchtende Blau- und Orangetöne. Manche sahen darin die traditionellen nassauischen Farben – der Künstler selbst hielt sich von solch vordergründigen Deutungen fern. Er führe nur das Waldgrün und Himmelsblau der malerischen Umgebung mit künstlerischen Mitteln fort. Mit leuchtenden Farben heiße er die Gäste von Weitem willkommen und begleite sie mit immer neuen abstrakten Mustern durch die einzelnen Räume.

Hajek zählte Königstein zu seiner Reihe „Farbwege“, einer Gruppe von Farbgestaltungen im öffentlichen Raum. Durch seine Beiträge zur Kasseler documenta II und III (1959/64) hatte sich Hajek einen Namen gemacht und als Vorsitzender des Künstlerbundes (1972-79) bundesweit Wirkung entfaltet. Seine farbliche Ausgestaltung der Saarbrücker Mensa (bis 1970) schließlich eröffnete die Reihe der „Farbwege“, die Hajek bis nach Königstein führen sollte: häufig Primärfarben, immer zwischen Abstraktion und Zeichen, im besten Fall als Einheit aus bauender und bildender Kunst.

 

Ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk

Königstein/Taunus, Kurbad, Schwimmhalle (Bild: K. Berkemann)
Architektur und Farbe verbinden sich in Königstein zum Gesamtkunstwerk (Bild: K. Berkemann)

Als Hajeks Signalfarben in Königstein 1977 sichtbar wurden, diskutierten die Einheimischen wie die Fachleute leidenschaftlich. War das jetzt erfrischend modern oder unerträglich fremd? In jedem Fall war es mutig, denn allzu lange hatte sich die bildende Kunst im Bäderbau auf dezente Mosaike und dekorative Figürchen reduzieren lassen. Doch um 1970 trat die Farbe immer selbstbewusster neben die Architektur – wie etwa der Grafiker Anton Stankowski in Allendorf an der Eder 1972 das Viessmann-Bad durch seine Entwürfe prägte. In Königstein nutzte man das innovative Gesamtkunstwerk ganz pragmatisch: Die neu gegründete KurGmbH übernahm Hajeks vieldiskutiere Blau-Orange-Kombination kurzerhand als Werbefarben für die ganze Stadt.

In den folgenden Jahren wurde das Kurbad behutsam an die sich wandelnden Bedürfnisse angepasst. Zur Hangseite erweiterte man 1983 und 1994 die Sauna und ergänzte nach Osten 1988 – wieder in Hajek-Farben – ein Freibecken. Damit blieb das Königsteiner Kurbad bemerkenswert unverändert erhalten. Ein seltener Glücksfall, werden kommunale Bäder doch immer öfter „ertüchtigt“ oder gleich ganz eingespart. Die Architekturhistorikerin Iris Meder zählt das Königsteiner Gesamtkunstwerk gar zu den „außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa“. Und auch die Königsteiner hat neue Badelust gepackt, wie am 8. April 2014 die Frankfurter Rundschau meldete: „Das alte Kurbad soll saniert werden“.

 

Freiräume für neue Ideen

Idstein, Lore-Bauer-Halle (Bild: K. Berkemann)
Die Idsteiner Lore-Bauer-Halle (1973) – geplant als Schwimm-, umgesetzt als Tennishalle – steht seit einigen Jahren leer (Bild: K. Berkemann)

Und was wurde aus dem verhinderten Hallenbad von Idstein? Auch das Geld für Tennishallen ist knapp geworden. Seit einigen Jahren steht die Lore-Bauer-Halle leer und wartet auf eine neue Nutzung. Ein Raum, der schon in der Planungsphase einmal leichtfüßig seine Funkion gewechselt hat, lässt dafür viel Freiheit. Viele moderne Freizeitbauten können mehr, als wir uns heute für sie einfallen lassen. Sie können Freiräume werden für kleine Fluchten und große Begegnungen, neue Entdeckungen und erholsame Erlebnisse. In diesem Sinne: Gehen Sie mal wieder schwimmen!

 

Rundgang durch das Kurbad

 

Archive und Literatur

Deutsches Kunstarchiv, Nürnberg; Geier Völlger Architekten [ehem. Geier + Geier], Stuttgart; Kurbad Königstein, Königstein/Taunus; Nachlass Richard Bauer, Idstein; Stadt Königstein, Bauverwaltung, Königstein/Taunus; Stadt Idstein, Bau- und Betriebsamt; Stadtarchiv Idstein; Stadtarchiv Königstein/Taunus; Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau/Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe

Meder, Iris, Badefreuden. Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa, Wien 2011

Großmann-Hofmann, Beate/Köster, Hans-Curt, Königstein im Taunus. Geschichte und Kunst. Mit einem Katalog einiger erhaltenswerter historischer Bauten (Die Blauen Bücher), Königstein/Ts. 2010 (2. Auflage)

Gomringer, Eugen (Hg.), O. H. Hajek, eine Welt der Zeichen, hg. [anlässlich einer dortigen Ausstellung] von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Köln 2000

Hess, Ilse, Die Neuorientierung im Bäderbau 1970 bis 1985 unter besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung, Ahrensburg 1989 [zgl. Diss., Universität, Hamburg, 1988]

 

Nach diesem Beitrag ging es weiter mit …

2014 erschien im Langewiesche-Verlag eine Monographie zum Königsteiner Hallenbad: mit großformatige Abbildungen und Fachbeiträgen.

Klempert, Gabriele/Köster, Hans-Curt (Hg.), Hajeks Farb-Bad in Königstein. Eine Symbiose aus Architektur und Kunst von Geier + Geier mit Otto Herbert Hajek am Kurbad in Königstein i. Ts., Langewiesche-Verlag, 2014, gebunden, 101 Seiten, 22,3 x 27 cm (quer), 185 Abbildungen (zumeist farbig), ISBN 978-3-7845-6306-0.

 

Und die Deutsche Bauzeitung nahm sich des Kurbads 2016 mit einem fachkundigen Beitrag von Dr. Chris Gerbing an.

„Und wieder hatte ich Glück …“

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

 

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
Der Braun-Designer Dieter Rams zeigt sein Kronberger Atelier- und Wohnhaus (Bild: K. Berkemann)

Wie wohnt ein Designer, der das Zuhause von zwei Generationen eingerichtet hat? Ganze 40 Jahre war Dieter Rams (* 1932) für den Elektrogerätehersteller Braun kreativ. Viele seiner Entwürfe – wie das Audiomöbel „Phonosuper SK4“, der sog. Schneewittchensarg – sind längst Kult. Ihre klare Formen werden heute von internationalen Marken wie Apple zitiert. Ob Sessel, Regal oder Türklinke, mit renommierten Herstellern wie Vitsoe (+ Zapf) oder FSB entwickelte Rams alles Denkbare für Arbeit und Freizeit. Ein so umfassendes Lebenswerk, dass Rams sein Domizil problemlos mit eigenen Entwürfen ausstatten konnte. An den Hängen der Taunusstadt Kronberg, in der Neubausiedlung Roter Hang, liegt sein modernes Wohn- und Atellierhaus aus dem Jahr 1971. Und mit dessen Gestaltung ist der gelernte Innenarchitekt ebenfalls eng verwoben. Herr Rams, Sie leben inmitten Ihrer eigenen Entwürfe. Haben Sie denn nie frei? Warum sollte ich? Gutes Design umfasst doch das ganze Leben. Darum haben wir damals am Roten Hang zwei Grundstücke bebaut: im Norden das Wohnhaus, am Hang nach Süden das Atelier. Hier richtete ich mir ein Büro und eine Werkstatt ein. Meine Frau – sie ist Fotografin – hatte lange eine Dunkelkammer. Wohn- und Arbeitsbereich sind über einen Flur verbunden. Eine freie Stufe markiert, dass zwei Dinge gleichberechtigt aufeinander treffen. Aber manchmal sitze ich hier einfach auch nur gerne. Und der Pool in Ihrem Garten? Eine Ausnahme in der Siedlung. Für meinen Rücken muss ich viel schwimmen. Und ich schaue gerne vom Büro und Wohnzimmer auf den Pool.

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
Im Wohnzimmer mischt Rams Thonet-Stühle unter eigene Entwürfe (Bild: K. Berkemann)

„Gutes Design ist ästhetisch. … Denn ganz sicher ist es unangenehm und mühsam, Tag für Tag mit Produkten zu tun zu haben, die verwirrend sind, die einem buchstäblich auf die Nerven gehen“. (D. Rams, Zehn Thesen zum Design, 1995)

Angefangen haben Sie mit der Architektur? Den Beschluss fasste ich in der Werkstatt meines Großvaters, in der ich groß geworden bin. Er war Schreiner und Spezialist für Oberflächen. Wenn es ein Klavier zu restaurieren gab, war er der richtige Mann. Nach dem Krieg hatte ich Glück und studierte an der Werkkunstschule Wiesbaden. Vertreten waren alle Richtungen, von der Mode über die Keramik bis zur Gebrauchsgrafik. Wie ein kleines Bauhaus. Und wieder hatte ich Glück und konnte 1953 im Frankfurter Architekturbüro Otto Apel anfangen.

Bis Sie Erwin Braun begegnet sind … Richtig, durch ihn kam ich zum Design. Erwin und Artur Braun bauten damals etwas Neues auf. Die Firma expandierte von Frankfurt nach Kronberg. Mit der Ulmer Hochschule für Gestaltung entwickelten wir moderne Elektrogeräte – von Radio bis zum Rasierapparat.

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
Der heimische Werkstattraum entstanden viele Entwürfe (Bild: K. Berkemann)

„Gutes Design ist unaufdringlich. Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte daher neutral sein“. (D. Rams, Zehn Thesen zum Design, 1995)

Was war Ihr Gestaltungsprinzip? „Less but better.“ Später habe ich für Studenten, aber nicht nur für Studenten, die „Zehn Gebote zum Design“ formuliert. Gutes Design ist ästhetisch, funktional, … Aber es läuft immer wieder auf diesen einfachen Satz hinaus: Weniger, aber besser. Die Firma Braun erwarb von der Stadt Kronberg das Vorkaufsrecht für den Roten Hang. Was sollte hier entstehen? Erwin Braun hatte eine Vision. Schon 1954 gründete er für das Unternehmen einen Gesundheitsdienst mit Gymnastikraum und Diätküche. Am Roten Hang sollte eine Siedlung für Mitarbeiter und Gäste entstehen. Von einer Reise nach Bern brachte ich die Idee der modernen Halensiedlung mit: maßstäbliche Reihenhäuser mit viel Lebensqualität. Als Braun an Gillette verkauft wurde, wurde die Siedlung schließlich durch den Königsteiner Architekten Rudolf Kramer und den Frankfurter Bauträger Polensky & Zöllner umgesetzt.

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
Der Vitsoe-Sessel 620, von Rams 1962 entworfen, in der Selbsterprobung (Bild: K. Berkemann)

„Gutes Design ist innovativ. … darin, dass es im Hinblick auf die Funktionen eines Produkts deutliche Fortschritte erreicht. Die Möglichkeiten dafür sind noch längst nicht ausgeschöpft.“ (D. Rams, Zehn Thesen zum Design, 1995)

Dann wurde es eine Siedlung für Braun-Mitarbeiter? Eingezogen sind nur vier Braun-Mitarbeiter. Zumeist kamen junge Familien. Anfangs gab es Straßenfeste, gemeinsame Fahrdienste für die Kinder … Doch schnell machten viele Karriere, bekamen eine Stelle in Hamburg oder New York und zogen weg. Was wird jetzt aus der damaligen Utopie? Mit meiner Frau habe ich eine Stiftung gegründet, die sich um Forschung und Lehre für gutes Design kümmert. Und für den Roten Hang können wir nur hoffen. Es lässt sich hier sehr gut leben. Aber wir müssen gemeinsam darauf achten, dass die guten Dinge bleiben: die klaren Formen und Farben, die verschlungenen Fußgängerwege ohne störende Autos, die flachen Dächer mit dem weiten Blick ins Grüne.

Das Gespräch führte Karin Berkemann (Heft 14/1).

 

Zur Person Dieter Rams

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
Dieter Rams vor seinem Kronberger Bungalow mit Pool (Bild: K. Berkemann)

Dieter Rams, geboren 1932 in Wiesbaden, gilt als führender Industriedesigner der deutschen Nachkriegsmoderne. Sein Studium an der Werkkunstschule Wiesbaden – unterbrochen durch ein Tischler-Praktikum – schloss er 1953 als Innenarchitekt ab. Nach zwei Jahren beim Frankfurter Architekturbüro Otto Apel wirkte Rams von 1955 bis 1995 als Designer für die Firma Braun und gestaltete Produkte für weitere Markenhersteller. Rams lehrte an der Hamburger Hochschule für bildende Künste und erhielt zahlreiche internationale Ehrungen.

Ein Rundgang durch den Roten Hang