Tegel in Teilen

Am 8. November 2020 endete der Betrieb auf dem Berliner Flughafen Tegel. Nun geht es an die Abwicklung: Auf Anfrage des Senders rbb/24 bestätigte die für die Immobilie zuständige Berliner Flughafengesellschaft (FBB), dass sie plane, das Inventar des Flughafens online zu versteigern. Wo, wie und wann dies stattfinde, werde man über Presse, soziale Medien und die Flughafen-Webseite mitteilen. Was genau angeboten werde – ob Schilder, Lampen oder Mobiliar -, kann die Flughafengesellschaft derzeit noch nicht sagen. Objekte, die unter den seit April 2019 bestehenden Denkmalschutz fallen, sind von der Versteigerung ausgeschlossen. Auch die Bronzeskulptur Otto Lilienthals von Rolf Scholz bleibe erhalten, werde wohl an anderem Ort aufgestellt.

Am 1. November 1974 landete der erste Flieger vorm neuen Terminal, das das Debütprojekt von gmp war. Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg gründeten ihr Architektubüro 1965, die Planung für „TXL“ wurde im selben Jahr eingereicht und ging als Sieger des internationalen Wettbewerbs hervor. Der Rest ist Geschichte: Nicht nur gmp setzten zur Weltkarriere an, auch ihr stylisher „Flughafen der kurzen Wege“ wurde in den 46 Jahren seines Betriebs legendär. Und das nicht nur wegen der unendlichen Pannen-Geschichte seines Nachfolgers BER. Viele Einrichtungsgegenstände und die komplette Signaletik stammen noch aus den 1970er/1980er Jahren. (db, 19.11.20)

Berlin, Flughafen Tegel 2013 (Bild: Nikolai Karaneshev, CC BY 3.0)

Meinhard von Gerkan zum 80.

Berlin, Flughafen Tegel (Bild: Avda, CC BY-SA 4.0)
Berlin, Flughafen Tegel (Bild: Avda, CC BY-SA 4.0)

Endlich ein Grund, etwas Gutes über den Berliner Flughafen zu sagen. Tegel zählt zu den Hauptwerken des Architekten Meinhard von Gerkan (* 1903 in Riga), der in diesen Tagen 80 Jahre alt wurde. Sein junges Büro Gerkan, Marg und Partner (gmp) erstellte die Flughafenanlage in einer Zeitspanne, die uns heute neidisch werden lässt: von 1965 und 1975. Weitere prominente Bauaufgaben reichten vom Flughafen Stuttgart über den Berliner Hauptbahnhof bis zur Neuen Messe Leipzig.

Um die Jahrtausendwende wagte sich Gerkan an Großprojekte im südostasiatischen Raum, darunter die chinesische Planstadt Lingang New City. Neben Hamburg und Berlin verfügt gmp heute über Büros in Aachen, Frankfurt am Main, Peking, Shanghai, Shenzhen, Hanoi, Neu-Delhi, Moskau und Rio de Janeiro. Aufgewachsen in Hamburg, studierte Gerkan in Braunschweig u. a. bei Friedrich Wilhelm Kraemer, dessen Nachfolge er 1974 an der TU übernehmen sollte. Es folgten Auszeichnungen wie der Große Preis des Bundes Deutscher Architekten. Nicht zuletzt verlieh man Gerkan – u. a. für den Expo-Pavillon – den theologischen Ehrendoktor. Und er übernahm den Auftrag für den neuen Berliner Flughafen, der Tegel ablösen soll(te). Aber lassen wir das Thema. (kb, 17.1.15)