Bauhaus in Tel Aviv

In den 1980ern sind die Bauten der Klassischen Moderne in Tel Aviv wieder in die Aufmerksamkeit gerückt. Die „Weiße Stadt“ wurde dem Bauhaus zugeordnet – als Terminus einer Einordnung. Doch nicht nur ein Baustil wird hier definiert, sondern auch die enge Beziehung zwischen Deutschland und Tel Aviv verdeutlicht. Dies geschah und geschieht, ohne dass es einen architekturgeschichtlich tragbaren Bezug zu der 1919 in Weimar gegründeten und 1925 nach Dessau verlegten Ausbildungsstätte Bauhaus gibt.

Alexandra Klei geht in einem Buch nun der Frage nach, welche Bedeutung eine derartige Zuschreibung innerhalb deutscher Diskurse hat. Dabei wird ein Narrativ offengelegt, bei dem der deutschen Geschichte – hier der Ausgrenzung und Vertreibung der deutschen Jüdinnen und Juden – positive Aspekte abgerungen werden können und zugleich die europäische Dimension der Architekturmoderne ebenso wie die zionistischen Ambitionen, vor allem von Architekt*innen osteuropäischer Herkunft, ausgeklammert werden. Die Analyse dieser Leerstellen stellt einen Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Rezeption des Bauhauses dar. (kb, 25.11.20)

Klei, Alexandra, Wie das Bauhaus nach Tel Aviv kam. Re-Konstruktion einer Idee in Text, Bild und Architektur, 2019, Softcover, 16,5 x 22,5 cm, 160 Seiten, 40 Farb- und 10 Schwarz-Weiß-Abbildungen, ISBN: 978-3-95808-244-1.

Tel Aviv, HaYakon-Straße (Bild: Martin Furtschegger, CC BY SA 3.0, 2013)

Tel Aviv – mehr als Bauhaus

Seit 40 Jahren werden die Städte Frankfurt am Main und Tel Aviv durch eine Städtepartnerschaft verbunden – Grund genug für eine Fotoausstellung, die sich der Weißen Stadt von einer neuen Seite nähert: Gerd Kittel zeigt in seinen 2018 entstandenen Aufnahmen nicht allein die touristengerecht sanierten Ecken der sog. Bauhaus-Architektur. Spätestens, seit dieser Teil Tel Avivs zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, begeben sich kulturfreudige Besucher auch aus Deutschland hier gerne auf Spurensuche. Denn viele der Entwürfe stammen von deutschsprachigen Architekten, die mit den nationalsozialistischen Verfolgungen ins damalige Palästina auswanderten.

Gerd Kittel: Tel Aviv, o. T., 2018 (Copyright: Gerd Kittel)

Für den Fotografen Gerd Kittel gehören Architektur und Gesellschaft im Bild zusammen, so etwa bei seinen Studien über den Amerikanischen Diner und seinem Buch über die Route 66. Zuletzt verwirklichte er verschiedene Buch- und Ausstellungsprojekte auch mit Frankfurter Museen. 2018 schließlich stattete Kittel der Architekturmoderne in Italien und Tel Aviv einen Besuch ab. Hier porträtierte er die lebendigen, die genutzten, die malerisch bröckelnden Bauten. Aus dieser Reihe stammen auch die nun in Frankfurt präsentierten Aufnahmen. „Tel Aviv – Alles Bauhaus? Alles weiß?“ wird im Forum des Deutschen Werkbunds Hessen (Weckmarkt 5, 60311 Frankfurt) bis zum 11. September 2020 gezeigt (Sonderöffnungszeiten zum Saisonstart der Frankfurter Galerien vom 4. bis 6. September 2020). (kb, 4.9.20)

Alle Abbildungen: Gerd Kittel: Tel Aviv, o. T., 2018 (Copyright: Gerd Kittel)

Tel Aviv hoch drei

Heute ist es endlich so weit: Am Ende des Bauhaus-Jahres wird in Tel Aviv das Besucherzentrum der „Weißen Stadt“ im Liebighaus eröffnet. Das Haus wurde 1936 vom Architekten Dorv Karmi für die Eheleute Tony und Max Liebling gestaltet. Künftig werden hier für Besucher hilfreiche Informationen und Touren rund um die 400 Häuser im Stil des Neuen Bauens angeboten. Wer jetzt nicht ganz so weit fahren möchte, dem sei die Ausstellung „All About Tel Aviv-Jaffa. Die Erfindung einer Stadt“ empfohlen, die noch bis zum 6. Oktober 2019 ist im Jüdischen Museum Hohenems zu sehen ist. Hier beleuchtet der in Tel Aviv geborene Fotografen Peter Loewy kritisch das erfolgreiche City Branding als stylische tolerante Party-Metropole.

Als Vorgeschmack auf die nächste Tel-Aviv-Reise ist jetzt druckfrisch bei Dom Publishers der entsprechende Architekturführer erschienen. Das Buch wird heute um 19.30 Uhr in Tel Aviv im Max-Liebling-Haus (Idelson Street 29, Tel Aviv) vorgestellt. Sharon Golan Yaron, die Programmdirektorin des Hauses, erschließt darin die 100 wichtigsten Bauten der Weißen Stadt in vier Touren. (kb, 19.9.19)

Sulzenbacher, Hannes/Loewi, Hanno, All About Tel Aviv-Jaffa. Die Erfindung einer Stadt, Bucher Verlag, München 2019, 464 Seiten, 17 x 23,4 cm, Farbabbildungen, Klappenbroschur, ISBN 978-3-99018-498-1.

Sharon Golan Yaron, Die Weiße Stadt und ihre Bauten der Moderne, Dom Publishers, Berlin 2019, 13 4 × 24,5 cm, 264 Seiten, 250 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-268-4 (deutsch), ISBN 978-3-86922-252-3 (englisch).

Jüdisches Museum Hohenems, Ausstellung „All About Tel Aviv-Jaffa“ (Bild: Dietmar Walser)