Moderne Kunsttexte

Die Online-Zeitschrift „Kunstexte“ kann in der Sektion „Architektur Stadt Raum“ aktuell gleich mit zwei lesenswerten Beiträgen zur Architekturmoderne aufwarten: Frank Schmitz schreibt über „Die Angst vor dem Nationaltheater“. Am Beispiel des 1965 eröffneten, heute als Opernhaus genutzten Stadttheaters in Bonn wird besonders deutlich, wie widersprüchlich die Anforderungen an diesen Repräsentationsbau der damals provisorischen Hauptstadt waren – und wie die Aufgabe, mit dem Bühnenbau keinen Anlass zur Kritik zu geben, architektonisch erfolgreich gelöst wurde.

In einem zweiten Beitrag widmen sich Ralf Liptau und Verena Pfeiffer-Kloss dem Thema „Von Stecknadeln und Fäden. U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne unter Wien und Berlin“. Das unterirdische Verkehrsnetz der beiden Metropolen wurde zwischen den späten 1960er Jahren und den 1980er Jahren umfänglich erweitert. An der direkten Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Gestaltungen zeigen sich ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was ein U-Bahnhof zu sein hat. In einem Ausblick werden die Bedeutung dieser Baugattung für die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegsmoderne entfaltet und erste typologische Merkmale hierfür vorgeschlagen. (kb, 24.2.18)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Bewegliche Architekturen

Wie verhalten sich Baukunst, Bewegung, städtischer Raum und der Raum für die darstellenden Künste zueinander? Dieser Frage stellt sich vom 18. bis 20. Januar in Leipzig die Tagung „Bewegliche Architekturen – Architektur und Bewegung“. Nachgezeichnet werden Veränderungen, die im alltäglichen Erleben eines Stadtgefüges, in Entwurfsprozessen und Arbeitsmethoden von Planern entstehen – und wie sie sich auch in der (Selbst-)Darstellung von Aufführungsorten wiederfinden. Für solche Spielstätten der Moderne ist Beweglichkeit zu einem zentralen Gradmesser geworden.

Die Tagung präsentiert aktuelle Theater-Neu- und Umbauprojekte und Entwürfe bzw. Planungen im Zusammenhang mit Entwicklungen seit den 1960er Jahren. Damit will man einen Diskurs über Räume für aktuelle Experimente in den Aufführungskünsten anstoßen. Hierfür kommen Experten aus Architektur, Denkmalpflege, Urbanistik, Design, Szenografie, Kuration, Theater, Tanz- und Kulturwissenschaften zusammen. Die Tagung ist eine Veranstaltung des DFG-Forschungsprojekts „Architektur und Raum für die Aufführungskünste – Entwicklungen seit den 1960er Jahren“ der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Ebenso wie das Thema ist die Tagung selbst dynamisch angelegt und findet an drei Orten in Leipzig statt. Das Projekt kooperiert hierzu mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst und der Residenz Schauspiel Leipzig. Die Teilnahme ist kostenfrei. (kb, 13.1.18)

Berlin, Deutsche Oper (Bild: Uli Borgert)

Düsseldorf: Schauspiel vor Abriss?

Düsseldorf: Schauspiel vor Abriss?

Düsseldorf, Schauspiel (Bild: Sebastian Hoppe, CC BY SA 3.0)
Schön und strittig: das Düsseldorfer Schauspiel (Bild: Sebastian Hoppe, CC BY SA 3.0)

Es sind schlechte Zeiten fürs Theater, zumindest für die stolzen Theaterbauten der Nachkriegsmoderne. Wurde gerade erst diskutiert, ob und wie das Frankfurter Schauspiel zu rekonstruieren sei, geht es nun auch dem Düsseldorfer Schauspiel an den Kragen. Verbal zumindest: Oberbürgermeister Thomas Geisel überraschte jüngst mit der Aussage, dass das Theater nicht notwenig im Schauspiel-Gebäude untergebracht werden müsse. In seinen Worten klang – mal mehr, mal weniger – das Thema Abriss mit.

Der denkmalgeschützte, organisch geschwungene Bau wurde 1965-70 vom Architekten Bernhard Pfau (1902-89) in direkter Nachbarschaft des nicht minder ikonischen Dreischeibenhochhauses gesetzt. Geisel ließ nun verlauten,  er habe nicht zwingend von Abriss gesprochen – vielmehr könne man ja mal darüber nachdenken, ob ein Investor das Schauspiel zum Kongresszentrum umbauen könne. Gegenstimmen kommen, so zitiert der Express, aus der FDP (Manfred Neuenhaus: „eine alberne Idee“) und der CDU (Friedrich C. Conzen: „ganz, ganz schlimm“). Hintergrund der emotional geführten Abriss- oder Umzugsdebatte ist wohl die anstehende Sanierung der strahlend weißen Fassadenverkleidung (Stahlblechpaneelen mit PVC-Plastisol-Beschichtung), deren Kosten auf bis zu 15 Millionen Euro geschätzt werden. (kb, 27.10.16)