Frankfurt: Städtische Bühnen werden saniert

Im Juni 2016 platzte die Bombe: Auf imposante 860 Millionen Euro schätzten die von der Stadt Frankfurt beauftragten Experten die Sanierungskosten für die Städtischen Bühnen. Ein Neubau würde kaum mehr Geld verschlingen. Der Schock saß tief, doch konnte in der Tat niemand behaupten, die Machbarkeitsstudie habe nötige Investitionen schöngerechnet … Schnell startete eine erbitterte Debatte um die Zukunft des 1963 eingeweihten Baus. Abriss, Sanierung, Umzug: Alle Möglichkeiten kamen aufs Tableau – bis hin zur ernst gemeinten Forderung, das im Krieg ruinierte alte Schauspielhaus von 1903 zu rekonstruieren. Die Grundmauern des historistischen Musentempels stecken nach wie vor in der Doppelbühnen-Anlage (ABB: Otto Apel, Hans Georg Beckert, Gilbert Becker).

Nun sind diese wilden Phantasien offenbar ebenso vom Tisch wie ein Abriss des stadtbildprägenden Ensembles: Die Städtischen Bühnen sollen möglichst günstig saniert werden – im Idealfall bei laufendem Betrieb. Darauf hat sich die regierende Koalition aus CDU, SPD und Grünen verständigt. Mitte März legten die Parteien ihren gemeinsamen Antrag vor, der vor allem ein Prüfauftrag an den Magistrat ist. Dieser soll die akuten Mängel auflisten und eine Prioritätenliste für die Sanierung des Gebäudes erstellen. Sofern die Sanierungskosten unter den Kosten für einen Neubau liegen, hat der Erhalt des Baubestands Vorrang. (db, 21.3.18)

Frankfurt, Schauspiel mit Erweiterung von 1963 (Bild: dontworry, CC BY-SA 3.0)

Moderne Kunsttexte

Die Online-Zeitschrift „Kunstexte“ kann in der Sektion „Architektur Stadt Raum“ aktuell gleich mit zwei lesenswerten Beiträgen zur Architekturmoderne aufwarten: Frank Schmitz schreibt über „Die Angst vor dem Nationaltheater“. Am Beispiel des 1965 eröffneten, heute als Opernhaus genutzten Stadttheaters in Bonn wird besonders deutlich, wie widersprüchlich die Anforderungen an diesen Repräsentationsbau der damals provisorischen Hauptstadt waren – und wie die Aufgabe, mit dem Bühnenbau keinen Anlass zur Kritik zu geben, architektonisch erfolgreich gelöst wurde.

In einem zweiten Beitrag widmen sich Ralf Liptau und Verena Pfeiffer-Kloss dem Thema „Von Stecknadeln und Fäden. U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne unter Wien und Berlin“. Das unterirdische Verkehrsnetz der beiden Metropolen wurde zwischen den späten 1960er Jahren und den 1980er Jahren umfänglich erweitert. An der direkten Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Gestaltungen zeigen sich ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was ein U-Bahnhof zu sein hat. In einem Ausblick werden die Bedeutung dieser Baugattung für die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegsmoderne entfaltet und erste typologische Merkmale hierfür vorgeschlagen. (kb, 24.2.18)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Mannheim: Sanieren oder neu bauen?

Gut, man hätte einen der großen Namen haben können: Ludwig Mies van der Rohe, Rudolf Schwarz und Hans Scharoun nahmen am Wettbewerb um den Mannheimer Theaterneubau teil. Unter dem Vorsitz von Hans Schwippert bat das Preisgericht Mies van der Rohe und Schwarz, ihre Vorschläge zu überarbeiten. Als diese ablehnten, ging der Auftrag an Gerhard Weber. Nach seinen Plänen wurde das Nationaltheater bis 1957 am Goetheplatz umgesetzt. Der markante Bau zeigt seine Schauseite nach Süden als langgestreckten Riegel, während die untergeordnete Westfassade tempelartig ausfiel. Zwei kubische Dachaufbauten markieren die damaligen Funktionen: Oper und Schauspiel (das Jugendtheater kam später hinzu) mit einem gemeinsamen Foyer.

Nun steht die Sanierung an, die – wie schon in anderen Städten zuvor – die Neubaudiskussion nach sich zieht. Die 185 Millionen Euro erwarteten Kosten seien zu hoch, dann könne man doch gleich etwas technisch und ästhetisch Moderneres ins Auge fassen. Andere sehen im nachkriegsmodernen Theater ein funktional gekonntes Zeugnis demokratischer Baukultur. Und ein Neubau werde auf 330 Millionen Euro geschätzt … Das zum Theaterkomplex gehörige Werkhaus der Nachkriegszeit wurde 2008 bereits durch einen Neubau ersetzt. Ob sich die Debatte um ein neues Theater als Sommerlochfüllung entpuppt oder länger andauern wird, bleibt abzuwarten. (kb, 21.8.17)

Mannheim, Nationaltheater, Westseite (Bild: Andreas Praefcke, GFDL oder CC BY SA 3.0)