Thüringen

Weimar, Haus am Horn (bild: Most Curious, CC BY SA 3.0, 2009)

Bauhaus reloaded

Noch nicht genug Bauhaus bekommen dieses Jahr? Wer sein Wissen weiter vertiefen möchte, kann dies bald direkt am Ursprung der Schule in Weimar tun. Dort wo das Bauhaus 1919 gegründet und alsbald verdrängt wurde, stellen Mark Escherich, Elke Dallmann, Susanne Knorr und UIrich Wieler am 14. März 2019 um 17 Uhr im „Bauhaus.Atelier“ (Geschwister-Scholl-Straße 8 (hinter dem Hauptgebäude der Universität), 99423 Weimar) in Weimar die erweiterte Neuauflage ihres Buchs „Bauhaus Koordinaten. Wege des Bauhauses in Weimar und Thüringen“ vor. Es sind keine Anmeldungen erforderlich, der Eintritt ist frei

Die Publikation begibt sich auf die zahlreichen Spuren, welche die Institution in ihren sechs Weimarer Jahren in der Umgebung hinterlassen hat. Oftmals sind es kleine, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Wirkungstätten im ländlichen Raum, in denen Kunst von Weltrang entstand. Darüber hinaus widmeten sich die Autoren auch bilslang unbekannten biografischen Verflechtungen der Bauhausakteure. (jm, 7.3.19)

Titelmotiv: Weimar, Haus am Horn, 1923 (Bild: Most Curious, CC BY SA 3.0, 2009)

Mark Escherich, Mark/Dallmann, Elke/Knorr, Susanne Knorr/Wieler, Ulrich, Bauhaus Koordinaten. Wege des Bauhauses in Weimar und Thüringen, MBooks, Weimar 2019, 104 Seiten, 10,5 x 15,5 cm, 52 Abbildungen, fadengebundene Schweizer Broschur mit Klappe und eingelegter Faltkarte, ISBN 978-3-944425-10-8.

Haifa (Bild: Ausstellung "Erfurt/Haifa" der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Jens Hausprung)

Erfurt/Haifa

Erfurt in Thüringen, Haifa in Israel – die beiden Städte verbindet seit 2000 eine offizielle Partnerschaft und schon sehr viel länger ein architektonisches Band. Beide Städte werden bis heute sichtbar geprägt durch das Neue Bauen, die Moderne der 1920er und 1930er Jahre. Mit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland fand die Architekturmoderne ein abruptes Ende, während sie im Gebiet des sich erst formierenden Staates Israel für eine neue Heimat der von den Nazis Vertriebenen stand.

Dieser baukünstlerischen Brücke widmet sich nun ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Bauhaus-Universität Weimar und Achava-Festspiele, kuratiert von Ines Weizman, Jens Hauspurg und Mark Escherich, co-kuratiert von Waleed Karkabi und Adi Roitenberg. Gezeigt werden forschende Beobachtungen zu Bauten und Stadträumen in Erfurt und Haifa. Architekturen, Themen und Phänomene der Internationalen Moderne werden einander dialogisch gegenübergestellt und in ihren geografischen und historischen Kontext eingeordnet. Die Ausstellung „Erfurt/Haifa. Architektur dialogisch – das gemeinsame Erbe der Moderne in Erfurt und Haifa“ ist vom 20. bis zum 30. September 2018 zu sehen in der Erfurter Peterskirche (Petersberg, 99084 Erfurt). Die Ausstellungseröffnung wird am 20. September um 19 Uhr gefeiert, es gibt am 22. September um 18.15 Uhr eine Kuratorenführung, am 30. September wird um 17 Uhr die Finissage begangen. (kb, 11.9.18)

Blick auf Haifa (Bild: Ausstellung „Erfurt/Haifa“ der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Jens Hausprung)

Telefon "Modell Frankfurt" von Fuld & Co, ausgestellt im Frankfurter Ernst-May-Haus (Bild: Christos Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2011)

Tipps zum TofD: Moderne in der Mitte

Zum TofD brauchen Sie ein schnelles Auto, eine Klon-Maschine oder hohe Entschlussfreude – hier sind unsere Tipps für die Mitte der Republik: Im Frankfurter Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136, Frankfurt-Heddernheim) von 1927 werden die Ursprünge des sozialen Wohnungsbaus anhand originaler Ausstattungsstücke sichtbar. Am 9. September ist das Haus von 12 bis 17 Uhr geöffnet, eine Führung findet um 15.30 Uhr statt (Kontakt: Christina Treutlein, Ernst-May-Gesellschaft e. V., 069 15343883, post@ernst-may-gesellschaft.de). In Hannover zeigt sich die Nachkriegsmoderne von ihrer eleganten Seite: Das Arne-Jacobsen-Foyer (Herrenhäuser Straße 3 a, Hannover-Herrenhausen) wurde 1966 zum 300-jährigen Bestehen des Großen Gartens von Arne Jacobsen gestaltet und eingerichtet. Am 9. September ist der Bau von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen gibt es um 14, 15 und 16 Uhr (Kontakt: Olaf Höfer, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16846356, olaf.hoefer@hannover-stadt.de; Inga Samii, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16841485, inga.samii@hannover-stadt.de).

Einen tiefen Blick in die andere Seite der Nachkriegsmoderne macht Erfurt möglich: Das Stasi-Unterlagen-Archiv (Petersberg Haus 19, Erfurt) verwahrt auf 4,5 Regalkilometern Akten, etwa 1,7 Millionen Karteikarten, zahlreiche Fotos, Filme, Dias und ca. 250 Säcke Material, das die Stasi zu vernichten versuchte. Am 9. September sind Besucher zwischen 12 und 18 Uhr willkommen, Führungen gibt es stündlich, zudem verschiedene Vorträge rund um das Jahr 1968 (Kontakt: Andreas Bogoslawski, 0361 55194826, Andreas.Bogoslawski@bstu.bund.de; Oliver Parchwitz, 0361 55194806, Oliver.Parchwitz@bstu.bund.de). (kb, 3.9.18)

Telefon „Modell Frankfurt“ von Fuld & Co, ausgestellt im Frankfurter Ernst-May-Haus (Bild: Christos Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2011)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2006)

Tipps zum Tofd: Industrie und Denkmal

Am 9. September lohnt zwischen 11 und 17 Uhr ein Blick in die der Bremer Lloyd-Halle 4 (Richard-Dunkel-Straße 122-124, 28199 Bremen-Neustadt). In der ehemaligen Endmontagehalle (1953/54, R. Lodders) produzierte man Lloyd-Kleinwagen des Borgward-Konzerns. Heute zeigen hier der Freundeskreis VFW 614, der Borgward-Club und Bremer AirBe e. V. historische Verkehrsmittel. (Kontakt: Günter Mail, Freundeskreis VFW 614, Tel.: 0151 58784922, g.mail@freundeskreis-vfw614.de, oder Werner Hilscher, Borgward Club e. V., 0171 1936757, werner-hilscher@t-online.de). Nicht weniger erhellende Erkenntnisse verspricht der Luftschutz-Musterstollenanlage Friesenstraße (Friesenstraße 16, (BVG: U-Bhf. Platz der Luftbrücke), 10965 Berlin Friedrichshain-Kreuzberg Kreuzberg), der am 8. (!) September um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr zu Führungen geöffnet ist (Treffpunkt: vor dem Tor Friesenstraße 16, Eingang Polizeigelände, max. 15 Personen, Anmeldung erforderlich: 4. bis 6. September, 10 bis 14 Uhr, 030 46068009). Auf dem Gelände befand sich in den 1930er Jahren die sog. Reichsanstalt der Luftwaffe für Luftschutz, wo eine Musteranlage aus Luftschutzgängen für die Baubehörden angelegt wurde.

Doch lieber was Süßes? In Thüringen lädt das Museum Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH (Raniser Straße 11, 07381 Pößneck) am 9. September zwischen 11 und 17 Uhr zum Besuch. Die Firmenausstellung zeigt die 140-jährige Firmengeschichte seit 1876: historische Verpackungen, Dosen und Werbematerialien, teilweise noch aus den Gründerjahren um 1880. Zum Tag des offenen Denkmals können werksfrisch hergestellte Süßwaren verkostet und die Ausstellung besichtigt werden. (Kontakt: Lisa Schreck, Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH, Marketing, Tel.: 03647 5378, E-Mail: marketing@heinerle-berggold.de) (kb, 30.8.18)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL/CC BY SA 3.0, 2006)

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Wahrheit oder Pflicht?

Als die Moderne noch an die Zukunft glaubte, wollte sie nicht weniger als die Welt neu gestalten. Entsprechend entstanden in der DDR für Städtebaukonzepte, die einer Utopie, einer sozialistischen Neuordnung sehr nahe kommen sollten. Die breite Spanne – zwischen gewünschten und möglichen, verwirklichten und verfehlten Projekten – zeigt nun eine neue Publikation anhand von vier Beispielen aus Thüringen: Mit Weimar steht Erfurt hier dafür, wie schwierig es war, die ambitionierten Neubaupläne in Städte mit großem kulturhistorischen Erbe einzufügen.

Die Buchvorstellung wird am 14. Juni 2018 um 19.30 Uhr (Einlass: 19.00 Uhr) in Erfurt (Galerie Waidspeicher, Michaelisstraße 10, Erfurt) ergänzt durch den Vortrag „‚Unser Erfurt, einzigartig‘ – Stadtplanung nach 1945“ vom Architekturhistoriker und Denkmalpfleger Dr.-Ing. Mark Escherich. Er rekonstruiert die Erfurter Innenstadtplanung von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1980. In diesen Jahren wandelten sich, nicht nur in Erfurt, die Stadtvorstellungen rasant. Innenbereiche galten als überaltert und erneuerungsbedürftig. Sie lösten heute utopisch anmutende Pläne aus, die seit den 1970er Jahren kritisiert und abgewandelt wurden. (kb, 22.5.18)

Scheithauer, Simon /Escherich, Mark/Nehring, Jens/Spiegel, Daniela/Meier, Hans-Rudolf (Hg.), Utopie und Realität. Planungen zur sozialistischen Umgestaltung der Thüringer Städte Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof (Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR 6), Bauhaus Universitätsverlag Weimar, Weimar 2018, 244 Seiten, 20,3 x 1,5 x 24,9 cm, ISBN 978-3957732446.

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Gotha, Pero-Werk (Bild: Jan Knobel)

Industriekultur in Thüringen

Im Europäischen Kulturerbejahr „Sharing Heritage“ widmet sich das Thüringer Themenjahr „Industrialisierung und soziale Bewegungen“ 2018 – pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx – dem Industriellen Erbe. Zwölf Referenten aus sechs Bundesländern kommen im Vorfeld nach Erfurt und Arnstadt. Das Symposion „Industriekultur in Thüringen“ findet vom 12. bis 13. Juni 2017 im Milchhof Arnstadt (Quenselstraße 16, 99310 Arnstadt) statt. Auf dem Programm stehen geführte Tagestouren ebenso wie Vorträge und Workshops. Die Elemente der Veranstaltung sind teils öffentlich, teils nur gegen Voranmeldung zu besuchen.

Da Symposion will auch für Thüringen eine „Straße der Industriekultur“ in Angriff nehmen und diese in das europäische Netzwerk der „European Route of Industrial Heritage“ einfügen. Zugleich geht es darum, das Bewusstsein um die Bedeutung des baulichen und technischen industriellen Erbes in Thüringen zu schärfen. Geplant sind fünf Themenschwerpunkte: Erfahrungen in anderen europäischen Regionen, die Lebensqualität in den Städte, das urbane Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe, Handel und Erholung, die Einbeziehung der Unternehmen vor Ort sowie die Umlenkung der öffentlichen Mittel weg vom Abriss hin zur Erhalts- bzw. Notsicherung. (kb, 27.5.17)

Gotha, Pero-Werk (Foto: Jan Kobel)