Jenga auf Georgisch

Jenga auf Georgisch

Ehem. Gerorgisches Straßenbauministerium (Bild: Ausstellungszentrum am Ringturm)
Das ehemalige  Georgische Straßenbauministerium (Bild: Ausstellungszentrum am Ringturm)

Der georgische Hauptstadt Tiflis kam traditionell durch ihre geografische Lage eine besondere wirtschaftliche und politische Bedeutung zu. Dies schlug sich auch in Architektur und Planung nieder, die von Baumeistern aus ganz Europa geprägt wurde und verschiedene Baustile rezipierte. Die Ausstellung “Tiflis. Architektur am Schnittpunkt der Kontinente” im Wiener Ringturm (Schottenring 30, 1010 Wien) porträtiert Tiflis noch bis zum 27. April 2016.

Neben den Bauten des 19. Jahrhunderts, die bis heute für die Erscheinung der Stadt konstitutiv sind, widmet sich die Schau auch dem bewegten 20. sowie dem 21. Jahrhundert, die der Stadt mehrere Bebauungspläne und eine heterogene Auswahl an Bauten bescherten. Neben Stalinbarock, Ostmoderne und brandneuer Repräsentationsarchitektur finden sich so skurrile Beispiele wie das ehemalige georgische Ministerium für Straßenbau. Das Gebäude aus dem Jahr 1975 wirkt, als hätten kaukasische Riesen Jenga gespielt und die Lust verloren, bevor der Turm eingestürzte. Das Ergebnis ist ein aufgeständerter Bau in Hanglage, der einen kleinen Bach überspannt und aus mehreren übereinander gestapelten Gebäuderiegel besteht. Der Architekt, George Tschachawa, musste trotz des gewagten Entwurfs nicht mit Gegenwind rechnen: Zum Zeitpunkt des Baus war er praktischerweise Verkehrsminister und somit auch Bauherr. (jr, 24.4.16)