Schlagwort: Tourismus

Pionierlager Artek, Speisesaal Olive, 1964 (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Tourismus nach Plan

Die Konferenz „Tourismus nach Plan“ will vom 8. bis 10. November in Lüneburg den Tourismus in das östliche Europa nach 1945 untersuchen. Aufgrund der politischen Situation im Kalten Krieg kam eine besondere Art des kontrollierten Reisens zustande, die seit den 1950er Jahren eine stetig anwachsende Bedeutung für die Kontakte zwischen Ost- und Westeuropa hatte. Die Tagung will Erfahrungen, Adaptionen und Ordnungen als Themen von Tourismus analysieren und zueinander in Beziehung setzen: Wodurch wurde ihre Erfahrung geprägt? Was war für sie konstitutiv? Und wie wurden sie weitertransportiert, sei es in Form von Erzählungen, Fotoalben oder anderen Sammlungen?

Der „touristischen Blick“ (J. Urry) beeinflusst aber auch die Wahrnehmung des Landes durch seine Einwohner. Lokale Verwaltungen, Fremdenverkehrsämter oder Reiseunternehmen passten sich dem in der Regel an. Dabei wurden bestehende Orte, Landschaften oder Gebäude und in neue Bedeutungskontexte adaptiert. Willkommen sind Themenvorschläge (auf Deutsch oder Englisch) mit einem maximal halbseitigen Abstract und einem kurzen CV bis zum 19. März 2018 unter: PD Dr. David Feest, d.feest@ikgn.de. (kb, 4.2.18)

Pionierlager Artek, Speisesaal Olive, 1964 (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Düsseldorf, Breidenbacher Hof, Durchgangshalle, 1928 (Bild: E. Fahrenkamp u. a.: Die Neugestaltung des Palast-Hotels Breidenbacher Hof zu Düsseldorf, Düsseldorf 1928, via wikimedia commons, PD)

„Existenzform der Heimatlosigkeit“

Wenn Ihr letzter Urlaub gefühlt schon wieder ewig her und der nächste noch ewig hin ist, dann haben wir die richtige Lektüre für Sie: ein Buch über das Phänomen „Grandhotel“ als „Sinnbild der Moderne“. Der Autor Habbo Knoch, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Köln, beschreibt das Grandhotel als Erlebnisort, Traumhaus und Medienereignis zugleich. Das Grandhotel stand vom Beginn der Hochmoderne bis über den Ersten Weltkrieg hinaus im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der europäischen und amerikanischen Eliten. Hier trafen sich Mächtige und Aufsteiger, Kaufleute und Reisende, Literaten und Hochstapler.

Schrittmacher dieser kosmopolitischen Hotelkultur waren New York, London und später auch Berlin. Modernste Technik, rationelle Organisation und globaler Austausch machten das moderne Hotel als „Welt in der Stadt“ erst möglich. Mit dem Luxusleben der Grandhotels zeichnet Habbo Knoch ein breites Panorama der weltstädtischen Geselligkeit um 1900 zwischen Fortschrittsglaube und Kulturkritik. (kb, 6.9.17)

Knoch, Habbo, Grandhotels. Luxusräume und Gesellschaftswandel in New York, London und Berlin um 1900, Wallstein Verlag, Göttingen 2016, 495 Seiten, 65 Abbildungen, gebunden, Schutzumschlag, 15,5 x 23,0 cm, ISBN: 978-3-8353-1911-0.

Düsseldorf, Breidenbacher Hof, Durchgangshalle, 1928 (Bild: E. Fahrenkamp u. a., Die Neugestaltung des Palast-Hotels Breidenbacher Hof zu Düsseldorf, Düsseldorf 1928, via wikimedia commons, PD)

Durch den Eisernen Vorhang

Pendelverkehr zwischen Eisenach und Herleshausen, 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0,, Foto: Heinz Hirndorf)
Als der „kleine Grenzverkehr“ größer wurde: der Pendelverkehr Eisenach-Herleshausen am 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0, Foto: Heinz Hirndorf)

Schon lange wird das Bild des „Eisernen Vorhangs“ kritisiert. Ganz so undurchlässig sei die Ost-West-Grenze nicht gewesen. Dennoch konzentrierten sich jüngste Forschungsprojekte zumeist auf den fachlichen Austausch, z. B. Reisen und Diskurse von Künstlern oder Wissenschaftlern. Der Workshop „Crossing the Iron Curtain. Tourism and Travelling in the Cold War“ in Amsterdam – organisiert von der University of Amsterdam, European Travel Cultures Research Group – will sich dem Thema vom 7. bis 8. April 2017 anders nähern: Es geht um die Bewegung zwischen den Blöcken auf der Suche nach Erholung und Zerstreuung.

Zu den touristischen Bewegungen zwischen Ost und West von Einzelnen und Gruppen werden noch Themenvorschläge gesucht. Themenvorschläge (abstract of up to 500 words and a short bio (max. 100 words)) sind noch bis zum 15. Dezember 2016 willkommen unter: Sune Bechmann Pedersen, East European Studies, Kloveniersburgwal 48, 1012 CX, Amsterdam, s.b.pedersen@uva.nl. Die ausgewählten Teilnehmer werden bis zum Ende des Jahres benachrichtigt, die abschließenden Workshop-Papers müssen dann bis zum 15. März 2017 fertiggestellt sein. Es wird eine Tagungsgebühr erhoben, in Einzelfällen ist hierfür eine Förderung möglich (den Wunsch nach einer Förderung bitte auf dem Abstract vermerken). (kb, 21.11.16)

Pforzheim ruft!

Pforzheimer Stadtrundgänge, 50er (Bild: Kulturamt Pforzheim)
Auf den Spuren der 1950er und 1960er Jahren in Pforzheim (Bild: Kulturamt der Stadt Pforzheim)

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Unser Geheimtipp für einen alternativen Osterspaziergang: ein Ausflug ins Pforzheim der Nachkriegsmoderne! Die im Krieg stark zerstörte Stadt wurde beim Wiederaufbau grundlegend umgestaltet und kann daher heute unter anderem mit Bauten von Egon Eiermann und Otto Bartning aufwarten. Das Kulturamt der Stadt hat dieses architektonische Erbe als Teil der städtischen Identität erkannt und einen „Architekturführer Nachkriegsmoderne“ herausgegeben. Erst vor kurzem endete eine umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit dem Wiederaufbau der Stadt befasste.

Das Heft präsentiert die baulichen Highlights der 1950er und 1960er Jahre. Es organisiert nachkriegsmoderne Bauten wie den Hauptbahnhof, den Goldnen Adler oder das technische Rathaus zu einem Rundgang durch Pforzheims Innenstadt. Auch Bauten in den Vororten der Stadt werden präsentiert. Der Architekturführer wurde vom städtischen Denkmalpfleger Christoph Timm verfasst und ist in der Reihe „Pforzheimer Stadtrundgänge“ erschienen. Wer sich nicht mit den Bauten der Nachkriegsmoderne begnügen möchte, findet hier auch Architekturführer zum Pforzheimer Art déco oder zum Reuchlinghaus. (jr, 3.3.16)

Spaziergang zwischen Plattenbauten

Eröffnung der Inforoute "Platte & Co"
Berlin-Friedrichsfelde: Im November 2015 wurde die Inforoute eingeweiht (Bild: Planergemeinschaft Kohlbrenner eG)

Berlin-Friedrichsfelde gilt als Wiege des deutschen Plattenbaus. Die Info-Route „Platte & Co“ erschließt nun den Stadtteil und seine berühmt-berüchtigte Architektur: Vom U-Bahnhof Tierpark verläuft sie auf 2,7 km kreuz und quer durch den Kiez, vorbei an allen wichtigen Baureihen wie WHH oder P2 hin zur vorherrschenden WBS-70. Solche Bezeichnungen klingen ähnlich seriell wie der industrielle Wohnungsbau selbst. Und so haftet der Platte ein schlechter Ruf an: effizient, aber monoton.

Werner Schmitz, zwanzig Jahre Stadtplaner des übergeordneten Bezirks, will auf die Schönheit der Platte hinweisen: 15 Tafeln informieren über Baustil und Modelle. Alle namhaften Exemplare sind in Friedrichsfelde vorhanden, denn hier begann auch die Geschichte der deutschen Platte: 1926 entstand die Splanemann-Siedlung als erste Großbausiedlung in Plattenbauweise. Sie liegt ebenso auf der Route wie die wichtigsten Modelle der 1970er Jahre, mit denen die DDR-Regierung dem industriellen Wohnen zum Durchbruch verhalf. Die Inforoute wurde mit Fördermitteln von „Stadtumbau Ost“ durch die Planergemeinschaft Kohlbrenner eG umgesetzt. Auch andernorts in Berlin gibt es Touren zur Geschichte des DDR-Plattenbaus, beispielsweise in der Museumswohnung in Hellersdorf oder entlang der prunkvollen Karl-Marx-Allee. Doch in Friedrichsfelde kann man nun die gesamte Bandbreite in nur einem Spaziergang entdecken. (ps, 10.1.16)