Durch den Eisernen Vorhang

Durch den Eisernen Vorhang

Pendelverkehr zwischen Eisenach und Herleshausen, 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0,, Foto: Heinz Hirndorf)
Als der “kleine Grenzverkehr” größer wurde: der Pendelverkehr Eisenach-Herleshausen am 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0, Foto: Heinz Hirndorf)

Schon lange wird das Bild des “Eisernen Vorhangs” kritisiert. Ganz so undurchlässig sei die Ost-West-Grenze nicht gewesen. Dennoch konzentrierten sich jüngste Forschungsprojekte zumeist auf den fachlichen Austausch, z. B. Reisen und Diskurse von Künstlern oder Wissenschaftlern. Der Workshop “Crossing the Iron Curtain. Tourism and Travelling in the Cold War” in Amsterdam – organisiert von der University of Amsterdam, European Travel Cultures Research Group – will sich dem Thema vom 7. bis 8. April 2017 anders nähern: Es geht um die Bewegung zwischen den Blöcken auf der Suche nach Erholung und Zerstreuung.

Zu den touristischen Bewegungen zwischen Ost und West von Einzelnen und Gruppen werden noch Themenvorschläge gesucht. Themenvorschläge (abstract of up to 500 words and a short bio (max. 100 words)) sind noch bis zum 15. Dezember 2016 willkommen unter: Sune Bechmann Pedersen, East European Studies, Kloveniersburgwal 48, 1012 CX, Amsterdam, s.b.pedersen@uva.nl. Die ausgewählten Teilnehmer werden bis zum Ende des Jahres benachrichtigt, die abschließenden Workshop-Papers müssen dann bis zum 15. März 2017 fertiggestellt sein. Es wird eine Tagungsgebühr erhoben, in Einzelfällen ist hierfür eine Förderung möglich (den Wunsch nach einer Förderung bitte auf dem Abstract vermerken). (kb, 21.11.16)

Pforzheim ruft!

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Unser Geheimtipp für einen alternativen Osterspaziergang: ein Ausflug ins Pforzheim der Nachkriegsmoderne! Die im Krieg stark zerstörte Stadt wurde beim Wiederaufbau grundlegend umgestaltet und kann daher heute unter anderem mit Bauten von Egon Eiermann und Otto Bartning aufwarten. Das Kulturamt der Stadt hat dieses architektonische Erbe als Teil der städtischen Identität erkannt und einen “Architekturführer Nachkriegsmoderne” herausgegeben. Erst vor kurzem endete eine umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit dem Wiederaufbau der Stadt befasste.

Das Heft präsentiert die baulichen Highlights der 1950er und 1960er Jahre. Es organisiert nachkriegsmoderne Bauten wie den Hauptbahnhof, den Goldnen Adler oder das technische Rathaus zu einem Rundgang durch Pforzheims Innenstadt. Auch Bauten in den Vororten der Stadt werden präsentiert. Der Architekturführer wurde vom städtischen Denkmalpfleger Christoph Timm verfasst und ist in der Reihe “Pforzheimer Stadtrundgänge” erschienen. Wer sich nicht mit den Bauten der Nachkriegsmoderne begnügen möchte, findet hier auch Architekturführer zum Pforzheimer Art déco oder zum Reuchlinghaus. (jr, 3.3.16)

Auf den Spuren der 1950er und 1960er Jahren in Pforzheim (Bild: Kulturamt der Stadt Pforzheim)

Spaziergang zwischen Plattenbauten

Berlin-Friedrichsfelde gilt als Wiege des deutschen Plattenbaus. Die Info-Route “Platte & Co” erschließt nun den Stadtteil und seine berühmt-berüchtigte Architektur: Vom U-Bahnhof Tierpark verläuft sie auf 2,7 km kreuz und quer durch den Kiez, vorbei an allen wichtigen Baureihen wie WHH oder P2 hin zur vorherrschenden WBS-70. Solche Bezeichnungen klingen ähnlich seriell wie der industrielle Wohnungsbau selbst. Und so haftet der Platte ein schlechter Ruf an: effizient, aber monoton.

Werner Schmitz, zwanzig Jahre Stadtplaner des übergeordneten Bezirks, will auf die Schönheit der Platte hinweisen: 15 Tafeln informieren über Baustil und Modelle. Alle namhaften Exemplare sind in Friedrichsfelde vorhanden, denn hier begann auch die Geschichte der deutschen Platte: 1926 entstand die Splanemann-Siedlung als erste Großbausiedlung in Plattenbauweise. Sie liegt ebenso auf der Route wie die wichtigsten Modelle der 1970er Jahre, mit denen die DDR-Regierung dem industriellen Wohnen zum Durchbruch verhalf. Die Inforoute wurde mit Fördermitteln von “Stadtumbau Ost” durch die Planergemeinschaft Kohlbrenner eG umgesetzt. Auch andernorts in Berlin gibt es Touren zur Geschichte des DDR-Plattenbaus, beispielsweise in der Museumswohnung in Hellersdorf oder entlang der prunkvollen Karl-Marx-Allee. Doch in Friedrichsfelde kann man nun die gesamte Bandbreite in nur einem Spaziergang entdecken. (ps, 10.1.16)

Berlin-Friedrichsfelde: Im November 2015 wurde die Inforoute eingeweiht (Bild: Planergemeinschaft Kohlbrenner eG)