Geschützt residieren

Ein seit je her nicht von allen geliebtes Wahrzeichen von Travemünde steht direkt am Ostseestrand: das 119 Meter hohe Maritim-Hotel, das höchste Gebäude Schleswig-Holsteins. Neben dem Hotel behergergt es auch zahlreiche Appartements. Von ihnen sind etliche in nahezu unberührtem Zustand der Erbauungszeit 1971-74 erhalten. Auf dem Dach befindet sich das höchste Leuchtfeuer Deutschlands – und das angeblich zweithöchste der Welt. Denn das Maritim ersetzte ab 1972 zugleich den klassizistischen alten Leuchtturm, der mittlerweile ein Schiffahrtsmuseum beherbergt. Aller Superlative zum Trotz wird das Maritim-Hochhaus eher widerwillig als Wahrzeichen des Orts wahrgenommen – man mag halt lieber mit Fachwerk als mit Beton identifiziert werden.

Nun ist allerdings gesichert, dass das von der Investoregesellschaft Gomolla/Reinhardt/Sander geplante und vom Hochtief-Konzern errichtete Maritim auch weiterhin die Silhouette Travemündes prägen wird: Seit Mitte Juli steht das zeitgeistige Gebäude als städtebaulich wertvolle Landmarke unter Denkmalschutz. Der Volkszorn macht sich derweil im Internet breit – nachzulesen etwa in der Kommentarspalte der Lübecker Onlinezeitung HL-News. moderneREGIONAL jedenfalls packt schonmal die Badehose ein und freut sich auf einen stylishen Ostseeurlaub … (db, 9.8.19)

Lübeck-Travemünde, Hotel Maritim (Bild: Klaus Bärenwinkel, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2016)

Fassadismus bei Auto-Kittner

Fassadismus bei Auto-Kittner

Nachkriegsmoderne als Spolie? Dem Kittner-Gebäude in Travemünde droht Unschönes (Bild: Wilfried Dechau)
Nachkriegsmoderne als Spolie? Dem Kittner-Gebäude in Travemünde droht Unschönes (Bild: Wilfried Dechau)

Die Kittner-Gruppe war einst Norddeutschlands größte Autohandelskette. 2012 wurde das Unternehmen abgewickelt, viele Autohäuser verkauft und etliche geschlossen. Zu ihnen zählt auch der 1954 eröffnete Autosalon in Lübeck-Travemünde. Der Bau nach Plänen des Architekten Waldemar Hüsing steht unter Denkmalschutz, mehrfach diente er als Kulisse für Berichte in Oldtimer-Zeitschriften. Im Zuge der Neubebauung des Kittner-Areals droht dem geschwungenen Pavillon des einstigen VW-Händlers nun das Schicksal, zur Dekoration degradiert zu werden.

Am 25. Juni hat die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck dem von der Hamburger Investorengemeinschaft Otto Wulff Bauunternehmung und wph Wohnbau und Projektentwicklung Hamburg entwickelten Bebauungsplan für das Areal am Godewindpark zugestimmt. Ab 2016 entstehen auf rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche über 120 Eigentumswohnungen und Ferienappartements inklusive Tiefgaragen-Stellplätze. Der Kittner-Pavillon wird voraussichtlich in ein viergeschossiges Wohngebäude integriert. Wilfried Dechau, Architekt, Lehrer, Fotograf und Publizist, hat sich jüngst mit dem Schicksal des Baus befasst und ist bei seiner Recherche auf keine sehr beruhigenden Fakten gestoßen. Es hilft nur noch Hoffen – möglicherweise auch auf weitere prominente Fürsprecher dieses Zeugen des Automobil-Wirtschaftswunders. (db, 11.7.15)