Millionen für Magdeburg

Über Jahre hinweg gammelte in Magdeburg an der Elbe die Hyparschale vor sich hin. Der Schalenbau wurde 1969 nach Plänen von Ulrich Müther errichtet und gilt als wichtiges Zeugnis der Ostmoderne. 1997 wurde das Kulturdenkmal baupolizeilich gesperrt. Zuletzt musste die Konstruktion mit einem Stützturm vor dem Einsturz gesichert werden.

2017 zeichnete sich dann endlich eine gute Lösung für das ehemalige Messe- und Ausstellungszentrum ab: Die Stadt Magdeburg nahm die Sanierung selbst in die Hand nehmen. Das Innere soll als Mehrzweckhalle hergerichtet werden. Nun gab das Bundesbauministerium bekannt, die Maßnahme mit satten fünf Millionen Euro zu fördern. Die Sanierung soll noch in diesem Jahr starten, mit einer Fertigstellung wird für 2022 gerechnet. (kb, 16.11.19)

Hyparschale, Magdeburg (Bild: Ola2, CC BY SA 3.0)

Der Schwung der Schale

Seit Kurzem rückt das Werk von Ulrich Müther (1934–2007) wieder in den Blick der Öffentlichkeit. Der Bauingenieur und Bauunternehmer machte besonders mit seinen schwungvollen Schalenbauten von sich reden. Mit der Rettungswache in Binz, dem Berliner Ahornblatt und der Magdeburger Hyparschale plante er ikonische Bauten der DDR. In den 1960er Jahren hatte er sich auf diese besondere Bauform spezialisiert. Er folgte damit einem internationalen Trend, dem u. a. Félix Candela in Mexiko, Pier Luigi Nervi in Italien, Eero Saarinen oder Heinz Isler zuzurechnen sind. Müther hinterließ – vor allem in Mecklenburg-Vorpommern – insgesamt rund 70 Solitärbauten.

Im Welt-Erbe-Haus Wismar (Lübsche Straße 23, 23996 Wismar) startet am 28. Mai 2019 um 17 Uhr die Ausstellung „Der Schwung der 60er. Frühe Schalenbauten von Ulrich Müther“, die im Anschluss bis zum 15. Sepember 2019 zu sehen sein wird. Hier dreht sich alles um die Anfänge Müthers im Schalenbau – von seinem ersten umgesetzten Projekt am Ende seines Studiums bis hin zu prominenten Gesellschaftsbauten wie dem „Teepott“ in Warnemünde. Diese Entwicklung wird anhand von Modellen, Zeichnungen, Fotografien und weiteren Zeitdokumenten überwiegend aus dem Müther-Archiv der Hochschule Wismar lebendig. (kb, 11.5.19)

Erich Kaufmann/Ulrich Müther, Messehalle „Bauwesen und Erdöl“ in Rostock-Schutow, 1966 (Bild: © Müther-Archiv, Hochschule Wismar)

Tipps zum TofD: Rostock für Spontane

Sie sitzen an der Ostsee und langweilen sich? Das muss nicht sein! Morgen zeigt sich die Hansestadt Rostock zum Tag des offenen Denkmals mit mehreren Stadttteilrundgängen/-fahrten von ihrer ostmodernen Seite: Um 14.30 Uhr (Treffpunkt: Parkplatz Güstrower Str. 9) gibt es beim Rundgang in Lichtenhagen zu sehen (in dieser Reihenfolge): die Hausgiebelgestaltung „Sonnenblumen“ von Reinhard Dietrich am Hochaus in der Mecklenburger Allee 19, in Lichtenhäger Brink  den „geschützten Hauptgrünraum“ (allein für diesen schönen Begriff sollten Sie hinfahren!) im Wohngebiet Lichtenhagen, die Plastik „Handschuhanziehende“ (Fritz Cremer, 1961), die Bronzeplastik „Der Friede bewahrt das Leben“ (Bernd Goebel, 1980) und die Bronzeplastik „Liegender Knabe“ (Wilfried Fitzenreiter, 1979).

Um 16 Uhr (Treffpunkt: Treffpunkt Rundgang: Rückseite „Am Scharren“ (B.-Brecht-Str. 23)) können Sie teilnehmen am Stadtteilrundgang Evershagen mit Peter Baumbach. Erklärt werden u. a. drei Klinkergiebel (die anderen drei sind auf der Rundfahrt zu sehen) sowie (Treffpunkt) das Wandbild „Von der Verantwortung des Menschen“ (Ronald Paris, 1976). Um 16.30 Uhr (Treffpunkt: Haltestelle Thomas-Morus-Straße, Ecke B.-Brecht-Str. 21) startet die Stadtteilrundfahrt mit historischen Bussen (deren Bauart damals in der Region im Linienverkehr unterwegs war) zur früheren Ostseemesse (Hyperschalenbau von Ulrich Müther) sowie eventuell auch nach Lütten Klein, begleitet von einer Mitarbeitern des Müther-Archiv der Hochschule Wismar. Informationen finden Sie online hier. (kb, 8.9.18)

Rostock, Messehalle (Bild: Müther Archiv)