Offenbach: City-Center wird aufgehübscht

Berichteten wir noch 2015 von der Revitalisierung des Offenbacher City-Centers durch die Initiative “Upper City Center”, so sieht es heute für das ehemalige Einkaufszentrum schon wieder ganz anders aus. Die Investoren Michael Dietrich und René Rudolph, die der WasE-Firmengruppe angehören, wollen das City-Center kernsanieren, um zwei Etagen aufstocken und die Fassade erneuern. Auch die B-Ebene, eine hochgelegte Fußgängerzone, die im zweiten Geschoss an das City-Center anschließt und 2004 bereits teilweise abgerissen wurde, soll nun vollends verschwinden.

Das City-Center entstand in den 1970er Jahren im Zuge der Entwicklung des Offenbacher Marktplatzes durch Investor Karl-Heinz Reese. Mit den vier “hohen C” sollte er Offenbach zu Ansehen verhelfen: Offenbach-Center, Berlin-Center, Park-Center (zuletzt als Toys-R-Us bekannt) und City-Center. Doch die Gebäude konnten nie die hohen Erwartungen erfüllen. Das Offenbach-Center wurde bereits Anfang der 2000er Jahre durch den City-Tower ersetzt, das Berlin-Center im gleichen Zeitraum grunderneuert. Rund 20 Jahre später sind nun auch die letzten beiden “C” an der Reihe. Der Abbruch des “größten Balkons Offenbachs” hat bereits begonnen. (re, 12.7.21)

Offenbach, City-Center 2015 (Bild: Daniel Bartetzko)

Lust auf Wabe

Mit “Lust for life” bringen die Meisten wohl den bekannten Song des Proto-Punks Iggy Pop in Verbindung. Doch unter diesem Namen hat die ins Schlingern geratene Galeria-Kaufhof-Gruppe 1998 eine Tochtermarke für ein jugendliches Publikum gegründet. In Aachen und Hamburg wurden Kaufhof-Häuser umgewidmet, um “Trendiges flippig” (O-Ton) anzubieten. In Hamburg war nach zwei Jahren wieder Schluss, Aachen hielt 19 Jahre durch, ehe das “Lust for Life” 2017 sein Domizil räumen musste und in die Kaufhof-Filliale in der Adalbertstraße integriert wurde. Das bisherige Gebäude in der Komphausbadstraße hatte man bereits 2014 verkauft. Besitzer ist seiher der Investor Landmarken AG, der von Anfang an einen Umbau für neue Nutzer plante. Diese zu finden, war nicht so einfach, die Textilkette Sinn hatte zwischenzeitich eine Absage erteilt, ebenso jüngst ein ungenannter Ankermieter, der mehrere Etagen beziehen wollte. Dennoch ergreift die Landmarken AG nun nach Zwischennutzungen die Initiative und startet mit dem Umbau des über 60 Jahre alten Bestandsgebäudes.

Hierbei wird eine der frühen, selten gewordenen Horten-Wabenfassaden im Schutt landen. Und zwar nicht die typische, auf Egon Eiermann zurückgehende “Kachel” , sondern die 1958 etablierte Urform von Harald Loebermann und Helmut Rhode, die erstmals in Duisburg am Merkur/Horten-Kaufhaus zum Einsatz kam (die Horten-Häuser wurden 1994 von Kaufhof übernommen, so kam es zum doppelten Standort in Aachen). Nach einer Sanierung 1998 blieb das Gebäude von 1957 noch weitgehend erkennbar, dieses Mal wird es sich ändern: Das beauftragte Büro kadawittfeldarchitektur plant eine loftartige Umgestaltung in Retro-Anmutung. Ein Detail, das weit älter als der Kaufhausbau ist, bleibt indes bestehen: Im Keller ist die denkmalgeschützte Rosenquelle verborgen. Sie war ab 1632 für das historische Stadtbad genutzt worden und versorgt heute die Carolus-Thermen mit 45 Grad warmen Wasser. Die Architekten des “Lust-for-Life”-Umbaus überlegen jetzt, wie man den Energieüberschuss der Quelle fürs hauseigene Klimasystem nutzen kann. (db, 18.5.21)

Köln: Wohnen in der Mühle

Der Deutzer Hafen ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Köln. Teil der Umgestaltung zum Wohngebiet ist die Ellmühle, an der weithin sichtbar der berühmte “Aurorastern” prangt. Die Produktion hat das Unternehmen mittlerweile nach Neuss verlagert. Der mächtige Altbau, eine der größten Getreidemühlen Europas, wird nun bald Wohnungen und Büros beherbergen. Hierzu sollen in die Silosgebäude Fenster eingebaut werden. Nun hat der Kölner Stadtkonservator das Mühlengebäude allerdings vor einiger Zeit größtenteils unter Denkmalschutz gestellt. Hiergegen hatte der neue Besitzer, die “moderne stadt“, bereits geklagt. Pikant dabei: Die moderne Stadt ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln … Der WDR meldete nun, dass man sich außergerichtlich geeinigt habe: Sechs der elf Silos bleiben erhalten, und die zukünftigen Bewohner dürfen sich dann auch über Fenster freuen.

Neben der Umgestaltung der Bestandsgebäude sind mehrere Neubauten rund um das Hafenbecken geplant, den Masterplan hierfür lieferte das Büro COBE aus Kopenhagen. Die Geschichte der Deutzer Mühle ist lang. 1909 entstanden zunächst zwei Bauten: zum einen die Auer-Mühle, die nach Kriegsschäden 1950 wieder aufgebaut wurde, sowie die in Backstein ausgeführte Walzmühle der Firma Leysieffer & Lietzmann. Sie wurde 1964 in Ellmühle umbenannt. 1975 verschmolzen beide Firmen zur Kampffmeyer-Gruppe, die auch die Auer-Marke “Aurora” weiterführt. (db, 13.1.21)

Köln, Ellmühle 2019 (Bild: Franz-Josef Knöchel/LVR, CC-BY)