Wohnen mit Turm

Die Presse titelt frech, hier ginge es um „Sachsens größtes Einfamilienhaus“. Möglich. In jedem Fall handelt es sich um ein Wohnhaus mit viel Flair und Turm. Gemeint ist die katholische Kirche Maria Frieden in Demitz-Thumitz. Der 1954 geweihte Bau zeigt nach außen ganz traditionell Turm, Satteldach und Naturstein. 2011 wurde die Kirche geschlossen. In der Folge richtete man einen Teil des Schiffs für die neue Wohnnutzung her: mit einer Trennwand, einer Zwischendecke und einer Versetzung der Orgel.

Vor Ort träumte man einige Zeit von einer kulturellen Teilnutzung der Kirche. Doch als zeitgleich von staatlicher Seite das Erlebnismuseums „Alte Steinsäge“ aus der Taufe gehoben wurde, reduzierte sich die künftige Funktion von Maria Frieden auf reines Wohnen. Einige Räume wurden auch als Ferienwohnung angeboten. Nun ziehen die jetzigen Bewohner um – und suchen einen neuen Käufer für die ehemalige Kirche. Der Preis soll sich auf 259.000 Euro für das Gebäude und das 2.630 Quadratmeter große Grundstück belaufen. Die neuen Eigentümer könnten auch die Orgel übernehmen. (kb, 30.4.18)

Demitz-Thumitz, Maria Frieden (Bild: Lydia, CC BY SA 3.0, 2011)

Staatspreis für die Johanneskirche

Am 25. Februar wird im Erbdrostenhof Münster der mit 7.000 Euro dotierte Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege vergeben. Im Frühjahr 2017 hatte das Land Nordrhein-Westfalen den Preis ausgelobt, mit dem es den privaten und ehrenamtlichen Einsatz für gefährdete Baudenkmäler in Westfalen-Lippe auszeichnen möchte. Denkmaleigentümer konnten Bauten einreichen, die sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre vorbildlich instandgesetzt haben. Nach einer Vorauswahl und einer Bereisung sich die Jury entschieden, neben dem dotierten Preis auch fünf undotierte Anerkennungen zu vergeben.

Ausgezeichnet werden: die 1815 erbaute ehemalige Leibzucht des Gräftenhofs Meier zu Heepen in Bielefeld (von den NaturFreunden Bielefeld e.V. als Vereins- und Bootshaus mit Kletterhalle genutzt); die ehemalige Kantorschule im direkten Umfeld der gotischen Dorfkirche in Heiden (zu Wohnzwecken umgebaut); der Hof Grube in Lüdinghausen (erforscht und restauriert); ein Vierständerhallenhaus mit Remise in Marienloh (restauriert); ein Fachwerkbau am Innenstadtrand von Werl (instandgesetzt und umgebaut) – und die Pfarrkirche St. Johannes (1964, L. Tiepelmann) in Telgte. Die moderne Schönheit wurde nach ihrer Profanierung auf Abriss hin diskutiert. Doch Kirche und Kommune fanden eine gute Alternative: Nach einem behutsamen Umbau wird sie nun als Gemeindezentrum und mit für den nahen Kindergarten genutzt. (kb, 16.2.18)

Telgte, St. Johannes (Bild: LWL/Brockmann-Peschel)

Neue Nutzung im Haus für Körperkultur

15 Jahre Leerstand und zunehmender Vandalismus setzten dem einstigen „Haus für Körperkultur“ im Chemnitzer Stadtteil Rabenstein arg zu. Nun werden im denkmalgeschützten Bau Eigentumswohnungen errichtet. Entsprechende Pläne gibt es schon länger, doch langsam scheint Schwung in das Projekt zu kommen: Auf Immobilienseiten sind mittlerweile detaillierte Anzeigen geschaltet, die Straße vorm Portal des Gebäudes ist aufgrund der Baustelle bereits bis voraussichtlich 2018 gesperrt.

Die Neoklassizistische Erholungsanlage am Pelzmühlenteich, bestehend aus dem Kulturpalast und dem Haus der Köperkultur als Gegenstück, wurde 1949 bis 51 auf Initiative der Sowjets und der Wismut AG errichtet. Ausführende Architekten waren Kurt Ritter, Adam Burger und Joachim Rackwitz. Der Kulturpalast in Chemnitz war im Übrigen der erste seiner Art in der DDR. Das Haus für Körperkultur wurde 1967 der Stadt übergeben, die es als „Sport- und Freizeitcenter Siegmar“ bis 2002 nutzte. Sinkende Besucherzahlen und schon damals hoher Sanierungsbedarf waren Anlass für die Schließung. (db, 29.5.17)

Chemnitz, Haus der Körperkultur (Bild: Youtube-Still)