Balkone vor Christi Himmelfahrt

Schon seit 2011 wird die Kirche Christi Himmelfahrt in Trier-Ehrang nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt, 2016 erfolgte die offizielle Profanierung. Der 1955 geweihte, römisch-katholische Gottesdienstraum wurde nach Entwürfen des Architekten Fritz Thoma (1904-1994) errichtet. Nach einer Assistententätigkeit beim Baumeister Clemens Holzmeister an der Kunstakademie Düsseldorf und ersten eigenen Projekten vor dem Zweiten Weltkrieg, machte sich Thoma nach 1945 einen Namen vor allem durch Kirchenräume. Christi Himmelfahrt in Trier steht nicht unter Denkmalschutz, nach der Profanierung wurde laut über Abriss nachgedacht. In Anlehnung auf einen ähnlichen Fall in Trier-Quint (Mariä Himmelfahrt, geweiht 1973, umgenutzt 2017) einigte man sich auch in Ehrang auf eine Umnutzung zu Wohnzwecken, hier durch die Projektentwickler Martin Koch und Jan Eitel (Immprinzip GmbH und Co. KG).

Der Turm wurde baulich vom Schiff getrennt, blieb ansonsten weitestgehend unberührt. Das Schiff hingegen wurde im Inneren komplett freigeräumt und horizontal geteilt. Aus dem innenliegenden Treppenhaus ist ein Blick auf den apsisartigen, mit Wandmalereien versehenen, ehemaligen Altarraum möglich, auch wurden farbig verglaste Kirchenfenster ausgebaut und im Inneren des Bauwerks neu sichtbar gemacht. Nach außen zeigen sich die neue Funktion durch seitlich eingebrochene Fensterreihen, durch die zu Rechteckfenstern umgestalteten ehemaligen Rundbogenöffnungen sowie durch die ausgeweitete Dachgaube. In einem letzten Schritt wurden zur Straße und zur Seite hin Balkone vor die Außenmauern gesetzt. Nun ziehen die ersten Mieter:innen in die 17 neuen Wohnungen. Das Projekt wurde gefördert von der Investitions- und Strukturbank (ISB) des Landes Rheinland-Pfalz, die Wohnungen sind auf mehrere Jahre hin mietpreisgebunden. (kb, 14.9.21)

Trier-Ehrang, Christi Himmelfahrt, wohl um 2010 (Bild: Berthold Werner, PD)

Trier-Ehrang, Christi Himmelfahrt (Bild: oben: wohl um 2010, Berthold Werner, PD; unten: Umbau von 2021, via vierviertelprojekte.de)

Berlin: Büros im Gasometer

Der Maler Lyonel Feininger hat dem Berliner Gasometer IV schon vor über 100 Jahren ein Denkmal gesetzt, als er ihn in flammenden Farben verewigte. Errichtet wurde das imposante Gebäude mit dem stählernen Führungsgerüst 1909, bis 1995 blieb es in Betrieb. Nach der Stillegung wurde der Gasbehälter demontiert, das Gerüst samt Kuppel blieb das Wahrzeichen des Stadtteils. Bekannt wurde der seit den 1990ern denkmalgeschützte Gasometer durch den Moderator Günther Jauch: Nach dem Abbau des Gasbehälters wurde eine niedrige Kuppelhalle installiert, in der Jauchs Talkshow lange Zeit fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde. Diese Kuppel wird nun mit einem Kran geborgen und zerlegt, bis sich eine neue Nutzung findet. Denn im Inneren des Industriedenkmals soll nun bis 2023 ein Bürogebäude samt Konferenzzentrum entstehen.

Verantwortlich für den runden Neubau in der historischen Hülle ist der Stadtentwickler Euref, der das Areal bereits 2008 erworben hat. Rund 25.000 Quadratmeter Nutzfläche sollen in einem Meter Respektabstand zum historischen Stahlgerüst entstehen. Rund 200 Millionen Euro sind für das Projekt eingeplant. Die ebenfalls geschützten Backsteinbauten des ehemaligen Gaswerks Schöneberg werden in einen Bürp-Campus einbezogen. Diverse Neubauten sind auf dem Gelände in den vergangenen Jahren schon entstanden. (db, 16.1.21)

Kulturpalast-Countdown

Dass Chemnitz 2025 Europäische Kulturhauptstadt sein wird, hat womöglich als Beschleuniger gewirkt: Die Sanierung des seit zwei Jahrzehnten ungenutzten „Kulturpalast der Bergarbeiter“ (später Rabenstein) am Pelzmühlenteich beginnt 2021. Nach Leerstand, Verfall, Vandalismus, diversen Umnutzungsplänen und sogar (2014 verworfenen) Überlegungen, den Ost-klassizistischen Bau abzureißen, startet jetzt die Umgestaltung zu einer Wohnanlage los. Die Leipziger GRK-Gruppe, die den Palast vor zwei Jahren erworben hat, will hierfür 25 Millionen Euro investieren. Bereits 2023 soll das ambitionierte Projekt fertig sein.

Der 1950 im Auftrag der SAG Wismut nach Sowjet-Vorbild erbaute Kulturpalast Rabenstein war das erste Gebäude dieser Art in der DDR. 1951 wurde es in Anwesenheit von Ministerpräsidenten Otto Grotewohl eingeweiht. Der Kulturpalast beherbergte einen Theatersaal mit etwa 900 Plätzen, einen zweiten Saal für Tanzveranstaltungen, ein Restaurant und ein Café, dazu eine Bibliothek sowie Damen-, Kinder-, Musik- und Billardzimmer. Bereits 1967 wurde die Einrichtung wieder geschlossen. Später wurde das Gebäude vom Fernsehen der DDR als Studio Karl-Marx-Stadt, nach der Wende vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) genutzt. Im Zuge der Fertigstellung des neuen Leipziger Sendezentrums im Jahr 2000 gab der MDR den Kulturpalast als Sendestudio auf. Seitdem waren hier nur noch Tauben, Spinnen und Vandalen zuhause. (db, 9.12.20)

Chemnitz, Kulturpalast Rabenstein 2009 (Bild: Kolossos, CC BY-SA 2.5)