Ungers und das Solarhaus

Ein neues Buch nimmt ein bislang kaum beachtetes und deshalb umso spannenderes Projekt des Architekten Oswald Matthias Ungers in den Blick. In „Negotiating ungers. The aesthetics of sustainability“ widmen sich die Herausgeber Cornelia Escher und Lars Fischer gemeinsam mit weiteren Autoren den Entwürfen für ein Solarhaus, die Ungers zwischen 1979 und 1980 für die rheinland-pfälzische Gemeinde Landstuhl entwickelte. In einem aufwändigen zweistufigen Wettbewerb sollten für ein Neubaugebiet innovative Einfamilienhäuser mit Solartechnik geplant werden. Neben Ungers waren weitere prominente Zeitgenossen wie Erich Schneider-Wessling oder Heinz Mohl im Wettbewerb vertreten.

Anstelle der Gebäudetechnik rückte Ungers das Thema Energie in den Mittelpunkt und versuchte ein neues Formenrepertoire zu entwickeln. Dafür wurde er mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Dennoch verschwanden die Entwürfe in der Schublade und ihre Realisierung lässt bis heute auf sich warten. Im Jahr 2018 veranstaltete das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft in Köln eine Sommerschule, die Ungers‘ Position zur Nachhaltigkeit in der Architektur thematisierte und 2019 in eine Ausstellung im Brüsseler Civa mündete. Das Buch ist ab sofort erhältlich und kann per Email bestellt werden. (mk, 4.11.20)

Escher, Cornelia (Hg.), Negotiating ungers. The aesthetics of sustainability, hg. bei common books, 2020, ISBN: 978-0-9882906-2-4, Bezug via civa oder Email.

"Negotiating Ungers" (Bild: Buchcover, common books)

Titelmotiv: „Negotiating Ungers“ (Bild: Buchcover, common books)

Hauptsache mobil

Der Verkehr prägt die Umwelt – und umgekehrt. Vom 13. bis 14. Februar 2015 widmet sich eine Veranstaltung im Deutsches Museum München (Kerschensteiner Kolleg) diesem Thema unter dem Motto „Mobilität und Umwelt“. Der Workshop des Arbeitskreises Verkehr in der Gesellschaft für Technikgeschichte – in Zusammenarbeit mit dem Rachel Carson Center for Environment and Society – untersucht Aspekte von Transport, Verkehr und Mobilität aus einer historischen Perspektive. Doch nicht nur Historiker, auch Forscher anderer Disziplinen sind angesprochen. Es geht um Verkehrsgeschichte als Politik-, Umwelt, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Technikgeschichte.

Neben Fragen der Ökologie und Ökonomie von Verkehrskonzepten wird ebenso nach alternativen umweltgerechten Konzepten gefragt. In den Referaten zum Themenschwerpunkt „Landschaftsgestaltung durch Verkehr“ geht der Blick in die Geschichte: vom Zugwesen des 19. Jahrhundert bis zu Straße und Landschaft in Zeiten des Nationalsozialismus. Zuletzt wird das Verhältnis von Mobilität und Tourismus beleuchtet – ob die „Reiseherrschaft“ von Leopold III. von Österreich, die spanische Tourismuskritik der Nachkriegsjahrzehnte oder die Auswirkungen des Flughafenbaus im modernen Kanada. Das Programm des Münchener Workshops ist online einsehbar. (kb, 6.2.15)

Der Hamburger U-Bahnhof „Mundsburg“ (1912, saniert 1986) (Bild: K. Berkemann)

Die grüne Nachkriegsmoderne

Ein 41 Meter hohes Turmgewächshaus, acht Restaurants und die Lilliputbahn – den über 2 Milllionen Besuchern des Wiener Donauparks wurde vor 50 Jahren viel geboten. Die WIG 64, die Wiener Internationale Gartenausstellung wetteiferte nicht allein mit Großereignissen wie der BUGA. Zudem sollte für die Bevölkerung dauerhaft viel „soziales Grün“ geschaffen werden. Wie tief sich die WIG 64 in das Gedächtnis eingegraben hat, zeigt bis zum 31. August 2014 die Ausstellung „WIG 64. Die grüne Nachkriegsmoderne“ im Wien Museum. Begleitend ist im Metroverlag ein reich bebilderter Katalog erschienen. Und anschließend kann man die neu gewonnenen Erkenntnisse gleich bei einer Fahrt mit der Lilliputhbahn um den Donauturm vertiefen. (12.4.14)

Postkarte zur WIG 64 (Bild: Wien Museum)