UNESCO-Welterbe digital

Am 7. Juni ist – wie jedes Jahr – UNESCO-Welterbetag, trotz Corona. Um allen Distanzauflagen gerecht werden zu können, lädt das Landesdenkmalamt Berlin ab 11 Uhr zur virtuellen Erkundung der modernen Seite der Hauptstadt ein. Online werden unter dem Titel „Vielfalt Moderne | Moderne Vielfalt“ sechs Siedlungen diese Stilphase vorgestellt, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Kooperationspartner ist die Triennale der Moderne, ein 2013 in Dessau, Berlin und Weimar gestartetes Format zur Vermittlung dieser Architekturepoche. Mit der Online-Veranstaltung zum internationalen Welterbetag präsentiert sich die Triennale erstmals auch außerhalb des 3-Jahres-Taktes.

Nach Grußworten führen am 7. Juni 2020 Robert K. Huber und Ben Buschfeld durch zehn Vorträge rund um die Architekturmoderne – darunter Otto Bartnings Kirchenbauten. Im Anschluss folgen zwei Film-Premieren, die eigene Einblicke in die zwischen 1913 und 1934 entstandenen Berliner Welterbe-Siedlungen erlauben – beide Filme sind auch nach dem 7. Juni noch einsehbar. Ergänzend bietet eine neu online gestellte Homepage virtuelle Erkundungen durch Berlins Welterbe-Siedlungen an: www.welterbe-siedlungen-berlin.de. (kb, 5.6.20)

Link zum Livestream: 7. Juni 2020, Vorträge ab 11 Uhr, Filme ca. ab 12.45 und 13.30 Uhr: www.youtube.com/watch?v=6L5fgyyVTv4

Berlin, Kirche der Christlichen Wissenschaft (Bild: Wolfgang Bittner)

Welterbe kompakt: Le Corbusier

Was haben der Speyerer Dom, die Essener Zeche Zollverein und das Doppelhaus von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gemeinsam? mR-Lesende kombinieren schnell: Es geht selbstverständlich um die Einstufung als UNESCO-Welterbestätte. Ein kürzlich im Verlag avedition erschienener Sammelband präsentiert nun erstmals die 17 Bauten Le Corbusiers, die 2016 als Denkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Die Publikation gliedert sich in einen Textteil und einen Katalogteil. Während im Katalogteil die einzelnen Gebäude mit umfangreicher Bebilderung vorgestellt werden, kommen im Textteil Experten verschiedener Disziplinen zu Wort, die sich auch mit der Gegenwart und Zukunft der Wohnmaschinen auseinandersetzen. So schlägt ein Beitrag die Brücke zwischen der Weißenhofsiedlung und der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Außerdem geht es um den langen Prozess bis zum Welterbe und um einen möglichen Kandidaten für eine Erweiterung der Welterbestätte. (mk, 22.2.20)

Gschwind, Friedemann (Hg.), Le Corbusier. Sein internationales Werk im Welterbe der UNESCO, Stuttgart 2020, avedition Verlag, 144 Seiten, Hardcover, ca. 150 Abbildungen, ISBN 978-3-89986-317-8.

Poissy, Villa Savoye (Bild: LStrike, CC BY-SA 3.0)

Die Ambivalenz der Berliner Moderne

Die Ambivalenz der Berliner Moderne

Karl-Marx-Allee und Interbau (Bild: Baesslerverlag)
Karl-Marx-Allee und Interbau 1957 (Bild: Baesslerverlag)

In der Nachkriegszeit wurde Berlin nicht nur politisch zum Symbol des Kalten Krieges und des Wettlaufs der Systeme. Auch Bau- und Planungskultur besaßen in der geteilten Stadt hohen Symbolwert, ihre Großprojekte fungierten immer auch als ideologische Repräsentanten. Während die Interbau ihre Besucher von der Modernität des Westens überzeugen wollte, protzte die Karl-Marx-Allee im Osten mit der ganzen Pracht des sozialistischen Klassizismus. Eine neue Publikation stellt die beiden paradigmatischen Projekte nebeneinander.

Der reich bebilderte Band vereint Beiträge einer Fachtagung, die sich bereits 2013 mit dem Themenkomplex befasste. Er könnte ein Schritt auf dem Weg zum gemeinsamen UNESCO-Welterbe sein, das Berlin für die beiden Bauensembles anstrebt. Tatsächlich ist die durch die Berliner Historie bedingte geografische Nähe der ideologisch vereinnahmten Viertel weltweit einzigartig. Auch der Denkmaltag 2017 setzte hier einen inhaltlichen Schwerpunkt. Ein Hindernis für den UNESCO-Titel ist die Tatsache, dass Berlin mit den Siedlungen der Moderne bereits einen Vertreter der architektonischen Moderne mit Welterbestatus besitzt. (jr, 5.4.17)

Karl-Marx-Allee und Interbau 1957. Konfrontation, Konkurrenz und Koevolution der Moderne in Berlin, hg. von Jörg Haspel und Thomas Flierl, Landesdenkmalamt Berlin, Hermann-Henselmann-Stiftung, Baesslerverlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-945880-24-1.