Welterbe kompakt: Le Corbusier

Was haben der Speyerer Dom, die Essener Zeche Zollverein und das Doppelhaus von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gemeinsam? mR-Lesende kombinieren schnell: Es geht selbstverständlich um die Einstufung als UNESCO-Welterbestätte. Ein kürzlich im Verlag avedition erschienener Sammelband präsentiert nun erstmals die 17 Bauten Le Corbusiers, die 2016 als Denkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Die Publikation gliedert sich in einen Textteil und einen Katalogteil. Während im Katalogteil die einzelnen Gebäude mit umfangreicher Bebilderung vorgestellt werden, kommen im Textteil Experten verschiedener Disziplinen zu Wort, die sich auch mit der Gegenwart und Zukunft der Wohnmaschinen auseinandersetzen. So schlägt ein Beitrag die Brücke zwischen der Weißenhofsiedlung und der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Außerdem geht es um den langen Prozess bis zum Welterbe und um einen möglichen Kandidaten für eine Erweiterung der Welterbestätte. (mk, 22.2.20)

Gschwind, Friedemann (Hg.), Le Corbusier. Sein internationales Werk im Welterbe der UNESCO, Stuttgart 2020, avedition Verlag, 144 Seiten, Hardcover, ca. 150 Abbildungen, ISBN 978-3-89986-317-8.

Poissy, Villa Savoye (Bild: LStrike, CC BY-SA 3.0)

Moderne neu denken

Eine Verfolgungsjagd, ein Spion in Kofferraum und eine Geliebte auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs – aus den Zeiten des Kalten Krieges ist uns die ein oder andere unsterbliche kulturelle Chiffre geblieben. In Architektur und Städtebau wurde ebenso mit ideologisch aufgeladenen Stereotypen gekämpft. Der Westen propagierte den klaren Funktionalismus, der Osten – zumindest für einige Jahre – den Rückgriff auf traditionelle Formen. Vor 60 Jahren, zur „Internationalen Bauausstellung Interbau Berlin 1957“ war die geteilte Stadt Schauplatz diesen stilistischen Wettrüstens. Der als Stalinallee begonnenen Karl-Marx-Allee im Osten Berlins wurden die westlich geprägten Interbau-Projekte entgegengestellt. Mit dem Weiterbau der Karl-Marx-Allee bis 1964 entwickelte der Osten dann nochmals eine neue Auffassung von Moderne.

Dieses einmalige Gegenüber von so viel bewegter Architektur- und Städtebaugeschichte veranlasste das Land Berlin, 2013 einen Antrag auf Aufnahme in die Vorschlagliste für das UNESCO-Weltkulturerbe zu stellen. Vom 10. bis zum 12. September 2017 laden die Akademie der Künste Berlin, die dortige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Landesdenkmalamt sowie ICOMOS Deutschland nun zur Internationalen Konferenz nach Berlin – eine Veranstaltung zum 60. Interbau-Jubiläum und im Rahmen ist das European Cultural Heritage Year (ECHY) 2018. Unter dem Titel „Rethinking Modernity | Moderne neu denken“ soll das Berliner Beispiel um internationale Vergleiche erweitert werden. (kb, 2.8.17)

Titelbild: Plakatmotiv, Fotos: Wolfgang Bittner/Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt

Bauhaus-Welterbe jetzt auch in Bernau

Schon über 20 Jahre gehört das Bauhaus in Dessau und Weimar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nun wurden zwei weitere Gebäudeensemble der Kunstschule in diesem Status gehoben: Seit dem 9. Juli 2017 gehören auch die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau dazu. Architekt der hinzugenommenen Stätten ist jeweils der Schweizer Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete – und der in der Rückschau zwischen den Lichtgestalten-Direktoren Walter Gropius (1919-28) und Ludwig Mies van der Rohe (1930-32) oft verblasste, was sich nun ändern könnte.

„Das ist der lang ersehnte Lohn der Tüchtigen“, sagte der Bernauer Bürgermeister André Stahl (Linke) der Presse. Der Welterbestatus werde ganz sicher dazu beitragen, diesen weitestgehend noch immer verborgenen „Schatz vor den Toren der Hauptstadt“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Brandenburgs Kulturministerin Münch (SPD) nannte die Entscheidung „einen großen Glücksfall für das Bundesland“. Die UNESCO-Tagung in Krakau brachte mit den Eiszeit-Höhlen bei Blaubeuren eine weitere deutsche Neuaufnahme in die Weltkulturerbe-Liste. Erneut gescheitert ist die Bewerbung aus Sachsen-Anhalt: Der Naumburger Dom wurde zum zweiten Mal zurückgestellt mit der Bitte um Überarbeitung des Antrags. (db, 10.7.17)

Bernau, ADGB-Schule (Bild: Dabbelju, CC BY 2.5)