Welterbe Olympiapark?

Das Vorhaben der Stadt München, den 1972 fertiggestellten Olympiapark in die UNESCO-Welterbeliste eintragen zu lassen, wird konkreter. Im laufenden Verfahren ist ein Zwischenerfolg erzielt worden: Der Antrag, das von Behnisch und Partner entwickelte Areal mit den sagenhaften Dachlandschaften von Frei Otto in die bayerische Vorschlagsliste aufzunehmen, wurde vom Expertenrat des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst positiv beurteilt. Man kam zum Ergebnis, dass die Olympia-Bauten unter allen eingegangenen Einsendungen des bayernweiten Interessenbekundungsverfahrens „mit Abstand die größten Chancen“ zur Eintragung in die Welterbeliste hätten. Der Rat empfiehlt den Olympiapark „nachdrücklich“. Bereits 2018 hatte der Stadtrat der Aufnahme des formalen Antragsverfahrens zugestimmt und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung unter der Leitung von Wiepke van Aaken mit der Vorbereitung beauftragt. Münchens OB Dieter Reiter (SPD) begrüßt das jetzige Ergebnis: „Die Anerkennung der internationalen Strahlkraft des Olympiaparks ist für die Stadt von besonderer Bedeutung und eine Bestätigung gerade auch des jüngeren kulturellen Erbes des Freistaats. Durch die enge Verbindung von Park und Architektur ist ein Ort der Offenheit, der Teilhabe und des menschlichen Maßstabs entstanden. (…) Das 50-jährige Jubiläum der Olympischen Spiele von 1972 im nächsten Jahr ist ein schöner Anlass, die Bedeutung des Olympiaparks mit einer breiten Beteiligung an Akteuren umfassend zu würdigen.“

Um die Welterbebegründung fachlich abzusichern, hat schon 2019 die internationale Tagung „Das moderne Erbe der Olympischen Spiele. Historische Sportstätten zwischen Konservierung und Konversion“ in Kooperation mit dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Verein „Aktion Welterbe Olympiapark“ stattgefunden. Die Dokumentation dieser Tagung ist nun fertig und kann unter https://www.icomos.de/icomos/pdf/icomos_olympia_2021.pdf abgerufen werden. Weitere Informationen über den Fortlauf der Bewerbung finden sich unter https://t1p.de/Welterbe-Olympiapark. (db, 22.7.21)

München, Olympiagelände (Bild: Mprinke, CC BY-SA 3.0)

Welterbe kompakt: Le Corbusier

Was haben der Speyerer Dom, die Essener Zeche Zollverein und das Doppelhaus von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gemeinsam? mR-Lesende kombinieren schnell: Es geht selbstverständlich um die Einstufung als UNESCO-Welterbestätte. Ein kürzlich im Verlag avedition erschienener Sammelband präsentiert nun erstmals die 17 Bauten Le Corbusiers, die 2016 als Denkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Die Publikation gliedert sich in einen Textteil und einen Katalogteil. Während im Katalogteil die einzelnen Gebäude mit umfangreicher Bebilderung vorgestellt werden, kommen im Textteil Experten verschiedener Disziplinen zu Wort, die sich auch mit der Gegenwart und Zukunft der Wohnmaschinen auseinandersetzen. So schlägt ein Beitrag die Brücke zwischen der Weißenhofsiedlung und der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Außerdem geht es um den langen Prozess bis zum Welterbe und um einen möglichen Kandidaten für eine Erweiterung der Welterbestätte. (mk, 22.2.20)

Gschwind, Friedemann (Hg.), Le Corbusier. Sein internationales Werk im Welterbe der UNESCO, Stuttgart 2020, avedition Verlag, 144 Seiten, Hardcover, ca. 150 Abbildungen, ISBN 978-3-89986-317-8.

Poissy, Villa Savoye (Bild: LStrike, CC BY-SA 3.0)

Moderne neu denken

Eine Verfolgungsjagd, ein Spion in Kofferraum und eine Geliebte auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs – aus den Zeiten des Kalten Krieges ist uns die ein oder andere unsterbliche kulturelle Chiffre geblieben. In Architektur und Städtebau wurde ebenso mit ideologisch aufgeladenen Stereotypen gekämpft. Der Westen propagierte den klaren Funktionalismus, der Osten – zumindest für einige Jahre – den Rückgriff auf traditionelle Formen. Vor 60 Jahren, zur „Internationalen Bauausstellung Interbau Berlin 1957“ war die geteilte Stadt Schauplatz diesen stilistischen Wettrüstens. Der als Stalinallee begonnenen Karl-Marx-Allee im Osten Berlins wurden die westlich geprägten Interbau-Projekte entgegengestellt. Mit dem Weiterbau der Karl-Marx-Allee bis 1964 entwickelte der Osten dann nochmals eine neue Auffassung von Moderne.

Dieses einmalige Gegenüber von so viel bewegter Architektur- und Städtebaugeschichte veranlasste das Land Berlin, 2013 einen Antrag auf Aufnahme in die Vorschlagliste für das UNESCO-Weltkulturerbe zu stellen. Vom 10. bis zum 12. September 2017 laden die Akademie der Künste Berlin, die dortige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Landesdenkmalamt sowie ICOMOS Deutschland nun zur Internationalen Konferenz nach Berlin – eine Veranstaltung zum 60. Interbau-Jubiläum und im Rahmen ist das European Cultural Heritage Year (ECHY) 2018. Unter dem Titel „Rethinking Modernity | Moderne neu denken“ soll das Berliner Beispiel um internationale Vergleiche erweitert werden. (kb, 2.8.17)

Titelbild: Plakatmotiv, Fotos: Wolfgang Bittner/Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt