Klaus Peter Heinrici gestorben

Er ist gebürtiger Frankfurter, allerdings nicht am Main, wohin er 1951 zog, sondern an der Oder. Sein Name taucht selten auf, wenn von den großen Baumeistern der Frankfurter Nachkriegsmoderne die Rede ist. Und viele seiner Entwürfe sind ebenfalls bekannter als ihr Schöpfer: Das 1956 eröffnete Büro von Klaus Peter Heinrici (ab 1978 Heinrici und Geiger) hat unter anderem das Grzimek-Haus im Zoo (1978), den Umbau des Bockenheimer Straßenbahndepots zum Theaterraum (1988) und das postmoderne Wohnhaus Saalgasse 28 realisiert. Auch die neue Kirche der Bethlehem-Gemeinde (1971) im Stadtteil Ginnheim ist ein Werk des Elsaesser-Schülers.

Neben Elsaesser prägte Heinrici in seinen Anfangsjahren ein weiterer Protagonist des „Neuen Frankfurts“: Nach seinem Diplom arbeitete er von 1951 bis 1956 im Hochschulbauamt der Frankfurter Universität unter Ferdinand Kramer. Über 50 Gebäude, die meisten bis heute in Nutzung (das will etwas heißen in Frankfurt/Main!), entwarf Heinrici, seine Gründung HGP Architekten ist noch immer aktiv. Er selbst ging 2000 Ruhestand, zog sich auch aus dem Städtebaubeirat zurück. Bereits am 25. Juni ist der Architekt, der das Bild Frankfurts nachhaltiger prägte, als vielen bewusst ist, gestorben. Klaus Peter Heinrici wurde 89 Jahre alt. (db, 21.7.17)

Frankfurt/Main, Bethlehemkirche (Bild Gaki64, CC BY-SA 3.0)

 

 

Frankfurt: Kramer-Bau als Geldmaschine

Die Immobilienpreise in Frankfurt am Main sind längst von jeglicher Realität abgekoppelt – und selbst die Politik kann nur noch staunend zusehen. Ausgerechnet ein Symbol gegen den hemmungslosen Kommerz ist nun zum Spekulationsobjekt geworden: Das ehemalige „Institut für vergleichende Irrelevanz“ im Kettenhofweg wechselte vermutlich gerade für 2,9 Millionen Euro den Besitzer – nachdem die Universität es 2012 für etwa 1 Million Euro an die Immobilienfirma Franconofurt AG verkaufte. Diese ließ das seit 2003 von einer linken Studentengruppe mit Leben erfüllte Gebäude räumen, da der Umbau zu Wohnzwecken anstünde. Tatsächlich wurde die Immobilie wenige Monate später zum doppelten Preis weiterverkauft an einen Frankfurter „Häusersammler“. Dieser ließ den Bau entkernen – um ihn vor wenigen Wochen auf einem Online-Immobilienportal für besagte 2,9 Millionen Euro feilzubieten. Die Anzeige ist mittlerweile gelöscht, der neue Eigner des längst unbewohnbaren „spannungsreichen Objekts“ und „Stückes Frankfurter Geschichte“ (O-Ton Anzeige) ist unbekannt.

Das ZDF-Nachrichtenmagazin „Frontal 21“ beschäftigt sich heute, am 30. Mai, ab 21 Uhr unter anderem mit diesem klassischen Spekulationsfall – der im Übrigen ein nicht unbedeutendes Baudenkmal betrifft: Im 1953 errichtete „IvI“ befand sich ursprünglich das Englische Seminar/Amerika Institut der Universität Frankfurt. Der Architekt war Universitätsbaumeister Ferdinand Kramer, dessen radikal schlichte Entwürfe bis heute gleichwohl faszinieren wie polarisieren. Der Bau im Kettenhofweg steht seit der Jahrtausendwende unter Denkmalschutz. (db, 30.5.17)

Frankfurt, Institut für vergleichende Irrelevanz 2012 (Bild: Karsten Ratzke)

Kiel: 50 Jahre Sechseckbau

Kiel: 50 Jahre Sechseckbau

Uni Kiel Mensa (Bild: Bjoern Obmann, CC-BY-SA 3.0)
Die Mensa I in Kiel mit dem Sechseckbau (Bild: Bjoern Obmann, CC-BY-SA 3.0)

Der Zweite Weltkrieg traf Kiel schwer. Als wichtiger Marinestützpunkt war die Stadt wiederholt Ziel alliierter Bombardements. Auch die Gebäude der Universität wurden fast vollständig zerstört. Dennoch nahm die Hochschule bereits im November 1945 den Lehrbetrieb wieder auf; die Professoren verlegten ihre Vorlesungen auf Schiffe im Kieler Hafen und bemühten sich um die unzerstörten Bauten der ELAC Werke. Das Firmengelände wurde schließlich zur Keimzelle des heutigen Uniforums.

Eine Fotoausstellung im Sechseckbau („ICKPunkt“) blickt auf die Anfangszeit der Universität und ihre bauliche Entwicklung zurück (zu sehen Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 17.00 Uhr, Freitag von 9.00 bis 15.00 Uhr). Vor 50 Jahren, Im November 1968, wurden mit der Mensa I und dem als Auditorium Maximum fungierenden Sechseckbau zwei konstitutive Bauten des neuen Universitätsforums fertiggestellt. Für die Planungen zeichnete der Architekt Wilhelm Neveling verantwortlich. Im Laufe der Zeit musste nicht nur die Architektur einige Modifikationen hinnehmen: der ursprüngliche Innenhof der Campus-Kantine ist heute mit einem Glasdach versehen und zum Speisesaal umfunktioniert. Ihr Bedienbereich, die sog. „Teppichmensa“ ist nur eine noch anekdotische Erinnerung – wenn auch in der Ausstellung mit Fotos belegt! Letztere ist noch bis zum 20. Januar 2017 zu sehen. (jr, 5.12.16)