Schlagwort: Unruhe und Architektur

Karl Junker: Entwurf für Lemgo (Bild: Sammlung Prinzhorn)

Unruhe und Architektur

Um 1915 fing der Heidelberger Arzt und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn (1886-1933) an, besonders faszinierende Werke seiner Patienten zu sammeln. Die meisten waren Insassen der Heidelberger „Universitäts-Irrenklinik“, wie sie hieß: Menschen mit Wahnvorstellungen oder Demenz, Traumatisierte, Autisten oder Schizophrene, die ihren Blick auf die Welt illustrierten. Die Sammlung Prinzhorn ist gewachsen, inzwischen zählt sie gut 26.000 Werke der sogenannten Outsider-Art – für die es in Heidelberg ein eigenes Museum gibt. Dort ist nun bis 26. August die Ausstellung „Unruhe und Architektur“ zu sehen, anlässlich der Zwischenpräsentation der Internationalen Bauausstellung Heidelberg (IBA), entstanden in Zusammenarbeit der Sammlung Prinzhorn mit Stephen Craig und Carl Zillich.

Wie Architektur Leben und Erleben bestimmt, wird besonders Menschen bewusst, die den Großteil ihres Lebens hinter den Mauern der Psychiatrie verbringen. So finden sich in Heidelberg neben Anstalts- und Zellendarstellungen etliche Baumotive – von abstrakten Entwürfen bis zu großformatigen, fantastischen Architekturzeichnungen. Rund 150 Papierarbeiten und Gemälde sind zu sehen. Darunter ist auch ein Entwurf für das „Junkerhaus“ in Lemgo (1889-91). Sein Schöpfer war Karl Junker, Künstler und Architekt. Es gebe keine Belege dafür, dass dieser tatsächlich psychisch krank war, meint Prinzhorn-Leiter Thomas Röske. Doch weil es Gerüchte gab, seien die Entwürfe einst in die Sammlung eingegangen. (db, 10.6.18)

Karl Junker, Entwurf für sein Wohnhaus (um 1888, Sammlung Prinzhorn)