St. Peter Ording: Moderne Pfahlbauten fallen

Das waren noch Zeiten, als Hardy Krüger und Co. in den 1990ern den Strand überwachten. Schon zur Erstausstrahlung der beliebten Vorabendserie „Gegen den Wind“ galten die hölzernen Pfahlbauten als Wahrzeichen von St. Peter Ording. Sie dienten dem Aufenthalt (und den sanitären Bedürfnissen) der nicht-filmischen, der ganz realen Stranfwächtern. Zu diesem Zweck hatte man sie in den 1960er und 1970er Jahren auf Pfählen ins Meerwasser vorgerückt.

Nun haben die hölzernen Strandwachen ausgedient: Seit der vergangenen Woche laufen die Abrissarbeiten. Der Zahn der Zeit, genauer gesagt das Salzwasser, habe den Pfählen zu stark zugesetzt, um die Konstruktionen retten zu können. Die Ersatzbauten werden weiter zum Strand hin vorgezogen, da der Wasserspiegel in den kommenden Jahren um rund sechs Meter ansteigen soll. (kb, 23.4.19)

St. Peter Ording, Pfahlbau (Bild: pixabay)

„Existenzform der Heimatlosigkeit“

Wenn Ihr letzter Urlaub gefühlt schon wieder ewig her und der nächste noch ewig hin ist, dann haben wir die richtige Lektüre für Sie: ein Buch über das Phänomen „Grandhotel“ als „Sinnbild der Moderne“. Der Autor Habbo Knoch, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Köln, beschreibt das Grandhotel als Erlebnisort, Traumhaus und Medienereignis zugleich. Das Grandhotel stand vom Beginn der Hochmoderne bis über den Ersten Weltkrieg hinaus im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der europäischen und amerikanischen Eliten. Hier trafen sich Mächtige und Aufsteiger, Kaufleute und Reisende, Literaten und Hochstapler.

Schrittmacher dieser kosmopolitischen Hotelkultur waren New York, London und später auch Berlin. Modernste Technik, rationelle Organisation und globaler Austausch machten das moderne Hotel als „Welt in der Stadt“ erst möglich. Mit dem Luxusleben der Grandhotels zeichnet Habbo Knoch ein breites Panorama der weltstädtischen Geselligkeit um 1900 zwischen Fortschrittsglaube und Kulturkritik. (kb, 6.9.17)

Knoch, Habbo, Grandhotels. Luxusräume und Gesellschaftswandel in New York, London und Berlin um 1900, Wallstein Verlag, Göttingen 2016, 495 Seiten, 65 Abbildungen, gebunden, Schutzumschlag, 15,5 x 23,0 cm, ISBN: 978-3-8353-1911-0.

Düsseldorf, Breidenbacher Hof, Durchgangshalle, 1928 (Bild: E. Fahrenkamp u. a., Die Neugestaltung des Palast-Hotels Breidenbacher Hof zu Düsseldorf, Düsseldorf 1928, via wikimedia commons, PD)

Urlaub mit Beton

Urlaub mit Beton

Sanatorium Kurpaty Bild: Diamant, CC-SA 3.0
Übertrumpft jede Sandburg: das Sanatorium Kurpaty (Bild: Diamant, CC SA 3.0)

​Wir planen schon mal unseren Sommerurlaub – in einem brutalistischen Hotel. Und da gibt es (noch oder gerade wieder) eine große Auswahl. Denn als in der Nachkriegsmoderne der Massentourismus aufblühte, schossen in den Urlaubsregionen der Welt die Hotelkomplexe aus dem Boden. Nicht alle waren erholsam – selbst Loriot machte sich über die verbauten Strände lustig.

Doch es entstand auch so manches außergewöhnliche Gebäude. Das gilt besonders für die Urlaubsregionen im ehemaligen Ostblock: Dort galten die gewagten, futuristischen Bauten aus Beton als Prestigeobjekte und als Symbole des geplanten Wohlstands. Einige von ihnen sind noch in Betrieb, wie das Sanatorium Kurpaty in Jalta. Oder das Terminal Neige Totem Hotel. In den 1960er Jahren entstand die Urlaubsregion Flaine in den französischen Alpen, das gesamte Ski-Dorf wurde von Marcel Breuer geplant. Doch nach und nach schlossen die Hotels wieder. Das Totem stand jedoch nur drei Monate leer, bevor es aufwändig saniert und wieder eröffnet wurde. Und in seinen Räumen steht natürlich Breuers „Wassily-Stuhl“. (ps, 21.2.16)