Was nutzt der Urlaub in Gedanken?

Mitten im verschärften Lockdown bieten gleich zwei Neuerscheinungen die willkommene Gelegenheit zu Kopfreisen. Mit dem schönen Begriff „Erholungswesen“ fasste die DDR den institutionalisierten Urlaub. Jedem Werktätigen standen garantiert freie Tage zu, die staatlicherseits organisiert und in bauliche Formen gebracht werden wollten. Bereits vor der Staatsgründung der DDR hatte sich der FDGB 1947 dieser Aufgabe verschrieben. Von Binz bis Oberwiesenthal, von Hiddensee bis Oberhof wurde in großformatige Infrastrukturen investiert. Die Architekturhistorikerin Daniela Spiegel widmet sich in ihrer aktuell bei Wasmuth erschienen Publikation „Urlaubs(t)räume des Sozialismus“ eben jenem Thema.

In der zweiten Neuerscheinung im Kettler-Verlag porträtieren die Fotografen Olaf Unverzart und Sebastian Schels – ergänzt um ein Essay des Architekturhistorikers Dietrich Erben – 33 Ski-Orte in den französischen und italienischen Westalpen, die dafür eigens mit der Plattenkamera dokumentiert wurden. Entstanden sind dabei Aufnahmen der touristischen Bauwerke vor allem der 1960er und 1970er Jahre. Da die Fotografien – titelgerecht – im Sommer entstanden, legen sie den Blick frei auf die kleinen und großen Ferien-Utopien jener Zeit. (kb, 14.12.20)

Spiegel, Daniela, Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR, Wasmuth-Verlag, 2020, 22 x 28 cm, 302 Seiten, Hardcover, ISBN 978 3 8030 2105 2.

Schels, Sebastian/Unverzart, Olaf, Été, mit einem Essay von Dietrich Erben, Kettler-Verlag, Dortmund 2020, 184 Seiten, 20 x 30,5 cm, Leinen, ISBN 978-3-86206-832-6.

Freyung, Gesa-Kurhotel (Bild: historische Postkarte)

Parkhotel Revisited

Bereits 2014 war moderneREGIONAL schon mal zu Gast, nun waren wir nochmal in Vielbrunn und blicken tiefer in die Historie. Die Geschichte des Parkhotels im Odenwald nimmt im Jahr 1963 Fahrt auf: Hans Deitrich übernimmt, dem Wunsch seines Vaters nachkommend, dessen Metzgerei mit angrenzendem Gasthaus, welches im Kern ein Bau aus dem 19. Jahrhundert ist. Gemeinsam mit seiner Frau Ottilie baut Deitrich den Gasthof sukzessive in einen hochmodernen, nach heutigem Terminus wahrscheinlich dann „Designhotel“ genannten Betrieb um. Da er ohnehin lieber Inneneinrichter statt Metzger geworden wäre, kann er hier seiner Leidenschaft nachgehen. Seine Frau ist gelernte Schneiderin und lässt für ihr Engagement im neuen Hotel ein Jobangebot in Paris sausen. Während Hans sich vor allem für die modernsten technischen und gestalterischen Annehmlichkeiten begeistern kann, sind es für Ottilie die Muster, Materialien und Farben im Textilen, denen sie ihre Aufmerksamkeit widmet. Ein kongeniales Zuammenspiel!

Zur Blütezeit verfügt das Hotel über knapp 100 Betten, inklusive der heute sogenannten „James-Last-Suite“, in welcher sich der Musiker in der Tat einmietete, wenn er in der Umgebung Engagements hatte und hernach Ruhe wollte. 1988 gründen die Eheleute Deitrich einen Golfclub im Ort, weshalb sie den Hotelbetrieb zu Beginn der 1990er Jahre einstellen. Die Innen-und Außeneinrichtung des Parkhotels bleiben unverändert. Erst im Jahr 2010 reaktiviert die Enkelin des Betreiberpaars, Ann-Katrin Thimm, den Betrieb wieder. Unter Beibehaltung von fast allem, außer eben solchen Neuerungen, die für die aktuellen Standards notwendig sind – etwa neue Matratzen, moderne Fernseher in den Zimmern oder gastronomisch relevante Technik. Seither ist das Hotel überregional bekannt. Nicht nur für Hotelgäste, sondern auch als Fotolocation für Modeschauen, Events im Stil der 1970er sowie als Kulisse für Musikvideos oder Oldtimertreffen.

Seit 2019 ist Otilia Toma neue Pächterin des Hotels und wohnt mit ihrer Familie im Haus, in dem auch Mitbegründerin Ottilie Deitrich (die Namensähnlichkeit soll hier nicht unbemerkt bleiben) lebt, welche auch in den Jahren zwischen der ersten Schließung und 2010 dafür Sorge getragen hatte, dass das Hotel reaktivierbar bleibt. Otilia Toma möchte das Hotel als historisch authentischen Ort erhalten. Einmal im Monat bietet das Hotel mittlerweile Frühstück für Nicht-Hotelgäste an, abends gibt es Barbetrieb für die, die es sich in den weichen Cordmöbeln unter der Zimmertanne bequem machen und James Last hören möchten – natürlich authentisch aus der originalen Stereoanlage. Es ist eben nichts Retro-Klamauk: Hier ist alles noch da – schon immer! (pl, 3.10.20)

Text und Fotos: Peter Liptau

St. Peter Ording: Moderne Pfahlbauten fallen

Das waren noch Zeiten, als Hardy Krüger und Co. in den 1990ern den Strand überwachten. Schon zur Erstausstrahlung der beliebten Vorabendserie „Gegen den Wind“ galten die hölzernen Pfahlbauten als Wahrzeichen von St. Peter Ording. Sie dienten dem Aufenthalt (und den sanitären Bedürfnissen) der nicht-filmischen, der ganz realen Stranfwächtern. Zu diesem Zweck hatte man sie in den 1960er und 1970er Jahren auf Pfählen ins Meerwasser vorgerückt.

Nun haben die hölzernen Strandwachen ausgedient: Seit der vergangenen Woche laufen die Abrissarbeiten. Der Zahn der Zeit, genauer gesagt das Salzwasser, habe den Pfählen zu stark zugesetzt, um die Konstruktionen retten zu können. Die Ersatzbauten werden weiter zum Strand hin vorgezogen, da der Wasserspiegel in den kommenden Jahren um rund sechs Meter ansteigen soll. (kb, 23.4.19)

St. Peter Ording, Pfahlbau (Bild: pixabay)