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Von ICC und Bierpinseln

Das Werk von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte wird erstmals insgesamt gewürdigt - hoffentlich noch rechtzeitig! (Bild: Lukas-Verlag)
Das Werk von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte wird erstmals insgesamt gewürdigt – hoffentlich noch rechtzeitig! (Bild: Lukas Verlag)

Die Bauten von Ralf Schüler (1930-2011) und seiner Frau Ursulina Schüler-Witte (*1933) gehörten zur Vorzeige-Architektur des Westberlins der frühen 1980er Jahre. Heute steht es um einige dieser Projekte nicht gut: Um das seit einem Jahr geschlossene  ICC (1979) wird eine bislang ergebnislose Denkmal-Debatte geführt. Der „Bierpinsel“ (Volksmund)  in Steglitz, Teil des U-Bahnhofs Schlossstraße, steht mit einer kurzen Unterbrechung gar seit 2002 leer; seit Jahren liegt das Turmrestaurant von 1976 wegen eines Wasserschadens brach. Das Ehepaar Schüler-Witte hat jedoch nicht nur diese spektakulären Bauten entworfen – insgesamt haben sie über 100 Projekte geplant, die zum großen Teil auch realisiert wurden.

Ursulina Schüler-Witte berichtet nun über 56 Jahre gemeinsames Leben und Arbeiten: in einer „werkorientierten Biografie“, die noch zu Lebzeiten Ralf Schülers begonnen und nun von ihr vollendet wurde. In diesem Buch wird eine Auswahl von etwa vierzig gebauter wie ungebauter Projekte vorgestellt. Die Autorin beschreibt als Zeitzeugin aus ihrer persönlichen Sicht deren Planungs- und Entstehungsgeschichte mitsamt der sie begleitenden, teilweise dramatischen oder auch merkwürdigen Ereignisse und Probleme. Die sich angesichts des ungewissen Schicksals von ICC und Bierpinsel scheinbar bis heute fortsetzen. (db, 3.10.15)

Schüler-Witte, Ursulina, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC, Lukas-Verlag, Berlin 2015, Festeinband, 250 Seiten, 150 Abbildungen, ISBN 978-3-86732-212-6, (Erscheinungsdatum 1. November 2015).

Ursulina Schüler-Witte beim Zeichnen im Büro von Bernhard Hermkes. Foto 1963 (Foto: 1963, Bildquelle: Schüler-Witte, Ursulina, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC, Berlin 2015, S. 29)

Pop-tech-ture!

Der Berliner Architektin Ursulina Schüler-Witte zum 85. Geburtstag

von Ralf Liptau und Frank Schmitz

Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Auto oder der Bahn am Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin vorbeigefahren? Oder, ebenfalls über eine Stadtautobahn, am Turmrestaurant im Süden Berlins, dem „Bierpinsel“? Wenn Sie dorthin die U-Bahn nehmen, können Sie auch direkt ins Gebäude fahren und steigen sozusagen im Untergeschoss, im U-Bahnhof Schloßstraße, aus. Wer sich in Berlin durch die Stadt bewegt, dem stechen immer wieder die ikonischen Bauten des Architektenpaars Ursulina Witte (später Schüler-Witte) und Ralf Schüler ins Auge. Das West-Berlin der 70er ist Pop! Und daran hatten die beiden erheblichen Anteil: Die Bedeutung von ICC, Bierpinsel und Co für ein „hippes“ Berlin fand zuletzt Eingang in den aktuellen Berlin-Tatort vom vergangenen Dezember, in dem alle drei Bauten prominent auftauchen.

 

15 Studenten, davon zwei Mädchen

Aber erstmal musste Ursulina Witte – 1933 in Berlin geboren – in den 1950er Jahren Architektin werden: Sie studierte an der Technischen Universität Berlin bei Bernhard Hermkes. „Wir waren“, so schreibt sie rückblickend, „in unserem Semester nur fünfzehn Studenten, davon zwei Mädchen. Da ich eigentlich sehr schüchtern war, gab ich mich, um dies zu überspielen, im Seminar immer recht burschikos. Ich ‚kloppte‘ mit meinen Kommilitonen Skat […] und gab mir alle Mühe, als ‚trinkfest‘ zu gelten.“ Als Frau in den Nachkriegsjahren an einer Technischen Hochschule zu studieren – Architektur zu studieren –, das war nicht einfach. Und es war vor allem nichts Selbstverständliches. Trotzdem ging es nach Wittes Diplomprüfung im Jahr 1960 bald los: Sie wurde Mitarbeiterin im Architekturbüro von Hermkes – genau wie ihr späterer Mann Ralf Schüler. Gemeinsam erarbeiteten sich die beiden den ersten eigenen Auftrag für den Entwurf des U-Bahnhofs Schloßstraße und die darüber liegende, mehrspurige Straßenbrücke. Sie erweiterten das komplexe, aus ober- und unterirdischen Teilen bestehende Bauwerk durch einen stadtbildprägenden, knallroten Turmbau mit Restaurant in den oberen Stockwerken („Bierpinsel“), der heute als Wahrzeichen von Steglitz gilt.

 

Ein Stadtbauwerk

Mit dem neuartigen Erscheinungsbild von Bierpinsel und U-Bahnhof verabschiedeten sich die Architekt_innen früh vom (nachkriegs-)modernen Ideal rationalistischer Planungen mit ihren strengen Rasterfassaden. Unter internationalen Einflüssen etwa durch die aufkommende „High-Tech-Architektur“ haben sie ein für die Zeit neuartiges Verständnis von architektonischer Gestaltung aufgegriffen und innovativ mit einem als „Pop-Architektur“ bezeichneten Ansatz verknüpft: Sie zeigten sich offen für die Möglichkeiten neuartiger Baustoffe, etwa als sie für den U-Bahnhof Schloßstraße plastische Schriftelemente aus knallblauem Kunststoff entwarfen und der Station damit ihren unverwechselbaren, spielzeughaften Charakter verliehen. Ziel ihrer Gestaltung war es, die separaten Funktionen von U-Bahnstation, Läden, Brücke und Turm in ein „polyfunktionales, vielen öffentlichen Bedürfnissen dienendes Stadtbauwerk“ umzuwandeln. Tatsächlich ist es Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler gelungen, mit dem 1976 eröffneten Ensemble eine mit der vorhandenen Stadt verflochtene Struktur zu schaffen. Hier vermischen und kreuzen sich eine Vielzahl unterschiedlicher, gebündelter Nutzungen sowohl innerhalb des Bauwerks als auch zwischen Bau und Stadt.

 

Auf allen Ebenen

„Begegnung und Kommunikation auf allen Ebenen“ – so könnte der Slogan für den Steglitzer Bau also heißen. In Wahrheit handelt es sich dabei aber um einen aus dem Jahr 1999 stammenden Werbespruch für das Internationale Congress Centrum. Mit dem ICC, das 1979 neben dem Messegelände und dem Funkturm eröffnet wurde, haben sich Schüler-Witte und Schüler endgültig in das Berliner Stadtbild und in die europäische Architekturgeschichte der Nachkriegszeit eingeschrieben. „Flexibel in Raum und Zeit, Technik und Service“, „Auf Knopfdruck vom Tagungsraum zum Ballsaal“, „Mittendrin in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft“ heißen die anderen beschreibenden Slogans, mit denen das ICC in der Broschüre noch 20 Jahre nach Eröffnung beworben wurde. Natürlich sind dies werbende Formulierungen. Dennoch zeigen sie, dass es auch in den späten 1990er-Jahren noch genau die Stichworte waren, die sich mit dem Konzept des „polyfunktionalen Stadtbauwerks“ zusammenfassen lassen.

 

Ein ikonischer Superbau

Seit seiner vorübergehenden Schließung 2014 und der darauffolgenden Diskussion über Umbau, Erhalt oder gar Abriss ist das ICC immer wieder als ästhetisches und funktionales Gesamtkonzept hoch gelobt worden. Als futuristischer, ikonischer Superbau ist er beschrieben worden, als Meisterwerk eines architektonischen Technizismus, der seine prominenteste Realisierung mit dem – übrigens später entworfenen – Centre Pompidou in Paris gefunden hat. Mit einer teils bis heute einzigartigen Raum- und Bühnentechnik, mit unterschiedlichsten Raumangeboten, mit nutzungsoffenen Lobbybereichen, mit der Einbindung sämtlicher Verkehrs- und Erschließungskanäle in das Gebäude und mit dem gestalterischen Bezug auf den Funkturm erfüllt das ICC genau diejenigen Eigenschaften des „polyfunktionalen Stadtbauwerks“, die Schüler-Witte/Schüler bereits an ihrem Steglitzer Erstlingswerk erprobt hatten.

 

Arbeit im Duo

Die komplexen Lösungen gingen aus der Arbeit im Duo hervor, wie Ursulina Schüler-Witte betont: „Ralf war der geniale, äußerst innovative und kreative Architekt und der detailsichere Konstrukteur, während ich ihn oft mit meinen unkonventionellen und phantasievollen Einfällen überraschte.“ Einfälle, die das Werk des Architekt_innenpaars für Berlin zu dem gemacht haben, was es ist. Und das ist übrigens auch heute wieder gefragt: Über die Zukunft des ICC wird in der Berliner Landesregierung heftig diskutiert, die Unterschutzstellung ist nur eine der dort erwogenen Möglichkeiten. Unterdessen ist der Bierpinsel mitsamt Straßenbrücke und U-Bahnhof Schloßstraße im vergangenen Jahr in die Denkmalliste eingetragen worden. Kurz zuvor hatten die Berliner Verkehrsbetriebe den U-Bahnhof unter Missachtung des Urheberrechts noch weitgehend entkernt, seitdem drücken sie sich vor der geforderten Wiederherstellung. In die Debatte um ihre Bauten hat sich Ursulina Schüler-Witte in den vergangenen Jahren wiederholt eingebracht. Am heutigen 2. Februar feiert sie in Berlin ihren 85. Geburtstag. (2.2.18)

 

Unbedingt Lesenswert

Ursulina Schüler-Witte, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC, Lukas-Verlag, Berlin 2015, 227 Seiten, 175 Farb- und Schwarzweißabbildungen, Hardcover, ISBN 978-3-86732-212-6.

„Wir wünschten eine Stadtmarke“

INTERVIEW: Ursulina Schüler-Witte zum Bierpinsel

 

Ursulina Schüler-Witte, Berlin, Dezember 2015 (Bild: Daniel Bartetzko)
Auf einen Tee mit Ursulina Schüler-Witte: Berlin, Dezember 2015 (Bild: Daniel Bartetzko)

Kaum ein Kind, das im West-Berlin der 1980er nicht staunend vorm Internationalen Congress Centrum (ICC) oder dem „Bierpinsel“ stand. Diese Neubauten, entworfen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, waren expressiver als die gradlinige Moderne des International Style. Farbenfroher als rohe Brutalismus-Burgen. Und nicht so bräsig wie die uniformen Reihenhaussiedlungen, die überall aus dem Boden schossen. Daniel Bartetzko sprach im Dezember 2015 mit Ursulina Schüler-Witte über das Erstlingswerk des Architekten-Ehepaars.

Daniel Bartetzko: Die kürzeste Frage mit der hoffentlich längsten Antwort zum Einstieg: Wie ist es zum Bierpinsel gekommen?

Ursulina Schüler-Witte: Die Planungen zum Turm begannen 1966/67. Mein Mann und ich standen am Beginn unserer selbstständigen Tätigkeit (Anm. d. Red.: Nach Abschluss ihres Studiums an der TU Berlin arbeiteten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte bis 1967 im Büro ihres einstigen Lehrers Bernhard Hermkes.). Wir wurden vom Senat mit der Gestaltung des U-Bahnhofs Schlossstraße beauftragt. Hier sollten zwei Linien übereinander laufen, darüber eine Verteilerebene folgen. Ebenerdig liegt die Schlossstraße, hierüber sollte noch ein Teilstück der Stadtautobahn als Hochstraße entstehen – also ein Treffen von fünf Ebenen. Wir wünschten für diese Superkreuzung auch ein besonderes Bauwerk, eine „Stadtmarke“.

Berlin, Bierpinsel um 1977, Dia Archiv Schüler-Witte
Farbstark: der Bierpinsel 1976, kurz nach der Eröffnung (Bild: Archiv Schüler-Witte)

DB: Und der Senat ließ sie einfach loslegen?

USW: Nein, man konnte ja nicht mit Luftschlössern auftauchen. Der Turm-Bauplatz lag auf öffentlichem Grund. Als privater Investor eine Genehmigung zu erhalten, schien aussichtslos. Nach langer Suche fand mein Mann aber eine Vorschrift, dass bei einem derartigen Gebäude mit anteiliger öffentlicher Nutzung in 4,5 Meter über und unter dem Straßenniveau keine Bauteile den Straßenverkehr beeinträchtigen dürfen. Wir hatten eine Aufzugsanlage vorgesehen, die auch den U-Bahn-Fahrgästen zur Verfügung stehen sollte. Also war die anteilige öffentliche Nutzung ungehindert möglich und der Weg frei.

DB: Und wie fanden Sie Investoren für ein derart ungewöhnliches Projekt?

USW: Wir gingen mit ersten Skizzen zur Direktion des Kaufhauses Wertheim, das an den U-Bahnhof grenzte. Dort war man schnell begeistert, sprang aber genauso schnell wieder ab. Nachdem wir bei etlichen Brauereien und Gastronomen abgeblitzt waren, fanden sich 1968 zwei westdeutsche Bauunternehmer, die ein Abschreibungsobjekt in Berlin suchten. Ihre Vorgabe: „etwas Besonderes, das wenig kostet“.

DB: Klingt nach Abenteuer. Und nach Diskussionen um Geld und Gestaltung.

USW: Immerhin konnten wir überhaupt bauen. Zunächst beabsichtigten wir, mehrere Kanzeln an den Turm zu hängen, und dieser „Blüten-Entwurf“ wurde auch der Presse vorgestellt. Die Bauherren schätzten die Kosten aber unrealistisch niedrig ein und korrigierten sie immer wieder. Gleichzeitig mussten wir umplanen, um zu sparen. Aus drei getrennt aufgehängten Baukörpern wurde ein einzelner mit drei Etagen. Mit dieser technoiden, an einen Wasserturm erinnernden Kanzel waren wir auch glücklich. Immerhin konnten wir damit absurde Vorschläge interessierter Brauereien wie die Form eines Bierfasses abwenden. Im Mai 1972 war schließlich die Grundsteinlegung.

Berlin, Bierpinsel, Postkarte um1977, Copyright BVG
Eine Stadtmarke, mit der die Berliner Verkehrsbetriebe auf einer Postkarte warben: Schlossstraße um 1977 (Copyright: BVG)

DB: Letztlich wurde der Turm erst 1976 fertig. Was Sie lange nicht beeinflussen konnten.

USW: Die Bauherren litten unter Finanzengpässen: Im Frühjahr 1974 waren erst die Tiefgeschosse und der Turmschaft fertiggestellt, gleichzeitig wurde ein Baustopp verhängt. Dann stiegen die Bauträger wegen Steuerschwierigkeiten ganz aus – für uns eine Katastrophe. Aber auch der Berliner Senat wollte keinen Imageschaden durch eine prominente Bauruine riskieren. Die städtische Wohnbaugesellschaft BEWOGE übernahm das Projekt, und ab Juni 1975 wurde wieder gebaut.

DB: Die BEWOGE wollte nicht ernsthaft in die Gastronomie einsteigen?

USW: Es musste weiter ein Betreiber gesucht werden. Wir entwarfen zum x-ten Mal Interieurs: Mein Mann orientierte sich an Zeppelinkanzeln und Ozeandampfern der 1930er Jahre. Diese museale Ausrichtung, heute würde man es „retro“ nennen, wäre ein reizvoller Kontrast zum gerne als futuristisch bezeichneten Äußeren gewesen.

DB: Ich erinnere mich bei meinen Bierpinsel-Besuchen Ende der Achtziger an Rüschendeckchen und Alt-Berliner Gemütlichkeit à la Heinrich Zille.

USW: Die Berliner-Kindl-Brauerei übernahm schließlich den Turm als Pächter. Doch sie bestand darauf, die Einrichtung selbst zu gestalten. So kam es zu Tiffanylampen, Western-Saloon-Einrichtung und weiterem Nippes. Wir haben den Bierpinsel seit der Eröffnung nie wieder betreten. Aus Angst, dass jemand glaubt, wir hätten das entworfen (lacht).

DB: Auch wenn Sie nicht mehr hineingingen – gebaut haben sie weiterhin am Turm.

USW: 1986 planten wir einen neuen Eingang und 1993 eine Mobilfunkanlage auf dem Dach. Trotzdem kam das Gebäude herunter, die BEWOGE investierte nicht in die Instandhaltung. Als der Sanierungsstau drückte, verkaufte sie den Turm 2002 – seitdem steht er fast durchgehend leer. Die jetzigen Eigentümer versuchten, ihn 2009 wiederzubeleben und dafür bunt besprühen zu lassen. Das wollten wir mit Hinweis auf unser Urheberrecht verhindern. Nach monatelanger Funkstille legten die Handwerker unerwartet los: Die Gestaltung sollte ein Jahr bleiben, die Fassade dann wieder rot erstrahlen. Aber der Turm trägt jetzt gut sechs Jahre das schreckliche Graffiti-Kleid und ist immer noch ungenutzt.

Berlin, Bierpinsel, 2012, Bild Alexander Savin, CC BY-SA-3.0
„Ein schreckliches Graffiti-Kleid“: Der Turm, wie er seit 2010 aussieht (Bild: Alexander Savin, CC BY SA 3.0)

DB: Und was zur Bauzeit drohte, scheint Realität geworden zu sein: Der Bierpinsel als prominente Bauruine.

USW: Laut Eigentümerin ist ein Wasserschaden schuld. Sie streite seit 2010 mit der Versicherung. Zuletzt hat das Steglitzer Bezirksamt Mitte 2015 eine Instandsetzung angemahnt, passiert ist nichts. Ich fürchte, dass eine Renovierung nur auf dem Klageweg zu erreichen sein wird.

DB: Unabhängig vom Status Quo: Glauben Sie, dass ein Projekt wie der Bierpinsel heute noch möglich wäre?

USW: Das kann ich nicht sagen. Aber die Suche nach Investoren war schon 1968 nicht leicht, auch die Bauvorschriften sind umfangreicher geworden. Möglich, dass derartige Projekte heute auf einem Amtsschreibtisch enden. Übrigens: Die Bezeichnung „Bierpinsel“ war eine Erfindung der Presse, der wir uns gefügt haben. Diesen eingängigen Namen wäre der Bau ohnehin nie wieder losgeworden.

DB: Hatten Sie eine eigene Idee?

USW: Nein, wir sprachen immer vom Turmrestaurant Steglitz – und ahnten, dass der Berliner Mutterwitz für einen Spitznamen sorgen würde …

 

Rundgang

… rund um Berlins schnittigstes Restaurant.

 

Zur Person

Ursulina Schueler-Witte, Bild D. Bartetzko
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Ursulina Schüler-Witte (*1933) gehört neben ihrem Mann Ralf Schüler (1930-2011) zu den prägenden Architekten West-Berlins. Neben den bekannten Großbauten entwarf das Ehepaar zwischen 1967 und 2004 weitere öffentliche Gebäude und -erweiterungen, Wohnhäuser, Brücken und Museumsausbauten, dazu 1987 die Mahnmale für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Nach dem Tod ihres Mannes zog die Architektin 2011 in ein zum Mietshaus umgenutztes Schwesternwohnheim. Dass sie selbst es 1993 entwarf, merkte sie erst, als sie zur Wohnungsbesichtigung eintraf: In der Zeitung war nur ein einzelner, herausgelöster Grundriss abgebildet. Der sie spontan begeisterte …

 

Unbedingt Lesenswert

Ursulina Schüler-Witte, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC, Lukas-Verlag, Berlin 2015, 227 Seiten, 175 Farb- und Schwarzweißabbildungen, Hardcover, ISBN 978-3-86732-212-6.