USA

Kevin Roche im Haus des Fotografen Balthazar Korab in Birmingham/Michigan (Bild: Balthazar Korab, Balthazar Korab Archive/Library of Congress, PD)

Der Pritzker-Preisträger Kevin Roche ist tot

Im Alter von 96 Jahren ist vor zwei Tagen eine der schillerndsten Architektenpersönlichkeiten der Vereinigten Staaten gestorben: Kevin Roche. Der in Dublin geborene Ire kam in den 1950ern über den großen Teich. Nach dem Abschluss bei Mies van der Rohe am IIT, gelangte er in das Büro von Eero Saarinen, wo er schnell zum Partner aufstieg. Nach dem frühen Tod Saarinens 1961 übernahm Roche die nicht vollendeten Projekte. So wurden der St. Louis Gateway Arch oder das TWA-Terminal des JFK-Flughafens in New York unter seiner Federführung fertiggestellt.

Doch auch das Werk nach der Selbstständigkeit offenbart Roches Experimentierfreude. So lassen sich etwa die Spiegelglasfassade und der Einsatz von Cortenstahl in der Architektur auf ihn zurückverfolgen. Die meist großzügigen Auftraggeber aus Wirtschaft und Kultur, darunter das Metropolitan Museum of Art, ließen ihm freie Hand. So verband er gewagte Großformen mit kapriziösen Details und Raumkompositionen. Für sein architektonisches Werk erhielt Roche 1982 einen der ersten Pritzker-Preise, 2018 erschien das Kino-Porträt „Der Stille Architekt“. (jm, 3.3.19)

oben: Kevin Roche im Haus des Fotografen Balthazar Korab in Birmingham/Michigan, wohl um 1950 (Bild: Balthazar Korab, Balthazar Korab Archive/Library of Congress, wohl PD); unten: New York, JFK-Flughafen, TWA-Terminal (Saarinen/Roche/Dinkeloo, 1962) (Bild: pheezy, via Twitter, CC BY 2.0, 2006)

Florence Knoll Bassett (Bilder: Knoll Archive)

Die Designikone Florence Knoll Bassett ist tot

Aus Übersee erreichten uns traurige Nachrichten. Im Alter von 101 Jahren verstarb am 25. Januar in Coral Gables in Florida Florence Knoll Bassett. Die Pionierin des amerikanischen Designs galt als die letzte Vertreterin des Kreises um Eero Saarinen, Charles und Ray Eames und Harry Bertoia, der Mitte des letzten Jahrhunderts einen Klassiker nach dem anderen hervorbrachte. Die junge Florence lernte bei Eliel Saarinen, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe. In den 1940er Jahren heiratete die Architektin den aus Stuttgart stammenden Möbelfabrikanten Hans Knoll. Nicht nur im Privaten ein Glückstreffer. Er als begabter Geschäftsmann, sie als kreativer Kopf der Designabteilung, machten aus dem kleinen Betrieb „Hans G. Knoll Furniture Company“ eine Weltmarke.

Nach seinem Unfalltod im Jahr 1955 leitete sie die Geschicke des Unternehmens und erfand, ganz nebenbei, den modernen, bis heute gültigen Bürotypus. Zu ihrem Freundeskreis zählten Größen wie Le Corbusier, Frank Lloyd Wright und Walter Gropius. An Florence Knoll kam in jenen Jahren keiner vorbei, der sich mit Gestaltung beschäftigte. Dies hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Spätestens mit Serien wie „Mad Men“ avancierte ihr minimalistisch sleeker Stil wieder zum State of the Art. (kb, 30.1.19)

Florence Knoll Bassett (Bilder: Knoll Archive)

Silverdome (Bild: Dave Hogg from Royal Oak, MI, USA, CC by SA 2.0)

Der resistente Dome

Die Sprengung von Großbauten, bevorzugt der Nachkriegsmoderne, lockt immer wieder tausende Schaulustige an den Ort des Geschehens. Auf Videoplattformen erzielen entsprechende Aufnahmen verlässlich hohe Klickzahlen. Wenn wir uns für gewöhlich auch von diesem Katastrophentourismus distanzieren, empfehlen wir dieses Video von der Sprengung des Silverdome-Stadions in Pontiac, Michigan, ausdrücklich.

Der Silverdome schert sich dabei nämlich kein bisschen um die Sehgewohnheiten des einsturzharrenden Publikums. Auf die Sprengung, die ihn in die Knie zwingen sollte, reagiert er unbeeindruckt. Aufgrund von Kabelproblemen kamen nur 90 % des Sprengstoffs zur Explosion – zu wenig für die soliden Stahlträger des Stadions. Der 1975 eröffnete Bau diente verschiedenen Sportmannschaften als Heimspielstätte, war Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft sowie des Super Bowl und bot 1987 einer Messe des Papstes Raum. Seit 2011 stand der Bau jedoch leer und verfiel zuhends. 2015 entschied man, dass er einer neuen Bebauung zu weichen habe. Seine Widerstandskraft hat dieses Schicksal leider nur hinausgezögert: eine zweite Sprengung am Folgetag verlief erfolgreich. Aber solche Videos zeigen wir hier natürlich nicht. (jr, 10.12.17)

Silverdome Pontiac, Michigan (Bild: Dave Hogg from Royal Oak, MI, USA, CC BY SA 2.0)

LBS-Werbung der 1970er Jahre (Bild: youtube Still)

„Eigenheimzulage“ auf Englisch?

Die Idee der eigenen vier Wänden hat in Deutschland viele Anhänger. Dazu trugen neben staatlicher Förderung auch die jahrzehntelange Überzeugungsarbeit eines schwäbischen Fuchses oder die werbewirksam beschworenen neue Attraktivität des Spießertums bei. Noch populärer ist die Idee aber in den USA, wo das Eigenheim als elementarer Bestandteil des American Dream gilt. Eine jüngst erschienene Monographie beleuchtet den US-amerikanischen Wohnungsbau im 20. Jahrhundert.

Während im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg der soziale Wohnungsbau mit seinen Großsiedlungen die Stadtränder prägte, galt dies in den USA als sozialistisches Teufelszeug. Die Untersuchung legt ihren Fokus aber nicht nur auf die US-amerikanischen Häuslebauer und die entsprechenden nationalen politischen und wirtschaftlichen Prozesse, sondern nimmt das US-amerikanische Eigenheim auch als kulturelles Exportgut in den Blick. So versuchte die Regierung der USA etwa, durch verschiedene Projekte die Zahl der Hausbesitzer in Taiwan, Burma und Südkorea zu erhöhen. Im Weißen Haus hoffte man auf einen entscheidenden Vorteil im Kalten Krieg, US-amerikanische Investoren witterten große Geschäfte. Und dabei wirkte der Fuchs immer so unpolitisch … (jr, 10.9.17)

Kwak, Nancy H., A World of Homeowners. American Power and the Politics of Housing Aid, University of Chicago Press, London 2015, ISBN 978-0-22628-235-0.

Titelmotiv: LBS-Werbung der 1970er Jahre (Bild: youtube Still)

Modernism Rediscovered

Modernism Rediscovered, Shulmann (Bild: Taschen Verlag)
Modernism Rediscovered versammelt Anfnahmen Julius Shulmanns (Bild: Taschen Verlag)

Der Fotograf Julius Shulmann (1910-2009) prägte den Blick auf die US-amerikanische Nachkriegsmoderne wesentlich. Er porträtierte architektonische Landmarken bedeutender Architekten der 1950er und 1960er Jahre und fing in seinen Innenaufnahmen Design und Lebensgefühl der Epoche ein. Einen lokalen Schwerpunkt bildete Kalifornien. Im Jahr 2000 warf der Taschenverlag mit dem Bildband „Die wiederentdeckte Moderne“ erstmals einen Blick in die Tiefen des Archivs Schulmanns. Nun folgt mit  „Julius Shulmann. Modernism Rediscovered“ eine dreibändige Fortsetzung.

Die Bildbände versammeln wie der Vorgänger Aufnahmen von zeittypischer Architektur in Kalifornien und den Vereinigten Staaten, zeigen darüber hinaus aber auch Shulmanns Blick auf Bauten in Mexiko, Israel oder Hongkong. Es handelt sich um eine Auslese aus über 260 000 Fotografien, welche die Herausgeber in den letzten Jahren sichteten. Die Aufnahmen werden durch eine Einleitung des Fotografiekritikers Owen Edwars, eine Biografie des Historikers Philip J. Ethington, ein Zeitporträt der Kunstjournalistin Hunter Drohojowska-Philp sowie das Design erläuternde Bildunterschriften von Peter Loughrey flankiert. (jr, 01.8.16)

Julius Shulmann. Modernism Rediscovered, Taschen Verlag, Köln 2016, 3 Bände in Kassette, ISBN 978-3836539197.

Eero Saarinens Industriebauten

Amerika, Du hast es besser: Hier entwarf Eero Saarinen große Forschungs- und Industriezentren (Bild: Antaeus-Verlag)
Amerika, Du hast es besser: Hier entwarf Eero Saarinen große Forschungs- und Industriezentren (Bild: Antaeus-Verlag)

Dass ein stilvoller öffentlicher Auftritt auch in Forschung und Entwicklung eine gewaltige Rolle spielen kann, haben die Amerikaner schon früh entdeckt. Großkonzerne ließen sich Ihre Zentralen und Funktionsbauten gerne von namhaften Architekten entwerfen – und wer besonders großes Augenmerk aufs Image legte, der beauftragte Eero Saarinen. Der gebürtige Finne war einer der renommiertesten Architekten der USA und zeichnete Verantwortlich unter anderem verantwortlich für Gebäude von General Motors in Warren/Michigan (1948-1955) und Deere & Company in Moline/Illinois (1959-63).

Ein neues Buch aus dem Antaeus-Verlag befasst sich nun mit den größten Industrieprojekten Saarinens: Zwischen 1948 und seinem Todesjahr 1961 war er für vier der größten Forschungs- und Entwicklungszentren der USA verantwortlich. Anhand eingehender Analysen und bisher unveröffentlichtem Plan- und Fotomaterial werden in der Publikation „Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel: General Motors, IBM, Bell, Deere“  die Großprojekte als hervorragende baukünstlerische Leistungen gewürdigt. (db, 11.1.16)

Horst E. und Ingelore K. Ehlers, Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel. General Motors, IBM, Bell, Deere, Antaeus-Verlag, Frankfurt am Main 2015, 144 Seiten, 30 x 23,5 cm, Hardcover, ISBN 978-3-9810809-5-7.