Die Designikone Florence Knoll Bassett ist tot

Aus Übersee erreichten uns traurige Nachrichten. Im Alter von 101 Jahren verstarb am 25. Januar in Coral Gables in Florida Florence Knoll Bassett. Die Pionierin des amerikanischen Designs galt als die letzte Vertreterin des Kreises um Eero Saarinen, Charles und Ray Eames und Harry Bertoia, der Mitte des letzten Jahrhunderts einen Klassiker nach dem anderen hervorbrachte. Die junge Florence lernte bei Eliel Saarinen, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe. In den 1940er Jahren heiratete die Architektin den aus Stuttgart stammenden Möbelfabrikanten Hans Knoll. Nicht nur im Privaten ein Glückstreffer. Er als begabter Geschäftsmann, sie als kreativer Kopf der Designabteilung, machten aus dem kleinen Betrieb “Hans G. Knoll Furniture Company” eine Weltmarke.

Nach seinem Unfalltod im Jahr 1955 leitete sie die Geschicke des Unternehmens und erfand, ganz nebenbei, den modernen, bis heute gültigen Bürotypus. Zu ihrem Freundeskreis zählten Größen wie Le Corbusier, Frank Lloyd Wright und Walter Gropius. An Florence Knoll kam in jenen Jahren keiner vorbei, der sich mit Gestaltung beschäftigte. Dies hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Spätestens mit Serien wie “Mad Men” avancierte ihr minimalistisch sleeker Stil wieder zum State of the Art. (kb, 30.1.19)

Florence Knoll Bassett (Bilder: Knoll Archive)

Der resistente Dome

Die Sprengung von Großbauten, bevorzugt der Nachkriegsmoderne, lockt immer wieder tausende Schaulustige an den Ort des Geschehens. Auf Videoplattformen erzielen entsprechende Aufnahmen verlässlich hohe Klickzahlen. Wenn wir uns für gewöhlich auch von diesem Katastrophentourismus distanzieren, empfehlen wir dieses Video von der Sprengung des Silverdome-Stadions in Pontiac, Michigan, ausdrücklich.

Der Silverdome schert sich dabei nämlich kein bisschen um die Sehgewohnheiten des einsturzharrenden Publikums. Auf die Sprengung, die ihn in die Knie zwingen sollte, reagiert er unbeeindruckt. Aufgrund von Kabelproblemen kamen nur 90 % des Sprengstoffs zur Explosion – zu wenig für die soliden Stahlträger des Stadions. Der 1975 eröffnete Bau diente verschiedenen Sportmannschaften als Heimspielstätte, war Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft sowie des Super Bowl und bot 1987 einer Messe des Papstes Raum. Seit 2011 stand der Bau jedoch leer und verfiel zuhends. 2015 entschied man, dass er einer neuen Bebauung zu weichen habe. Seine Widerstandskraft hat dieses Schicksal leider nur hinausgezögert: eine zweite Sprengung am Folgetag verlief erfolgreich. Aber solche Videos zeigen wir hier natürlich nicht. (jr, 10.12.17)

Silverdome Pontiac, Michigan (Bild: Dave Hogg from Royal Oak, MI, USA, CC BY SA 2.0)

“Eigenheimzulage” auf Englisch?

Die Idee der eigenen vier Wänden hat in Deutschland viele Anhänger. Dazu trugen neben staatlicher Förderung auch die jahrzehntelange Überzeugungsarbeit eines schwäbischen Fuchses oder die werbewirksam beschworenen neue Attraktivität des Spießertums bei. Noch populärer ist die Idee aber in den USA, wo das Eigenheim als elementarer Bestandteil des American Dream gilt. Eine jüngst erschienene Monographie beleuchtet den US-amerikanischen Wohnungsbau im 20. Jahrhundert.

Während im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg der soziale Wohnungsbau mit seinen Großsiedlungen die Stadtränder prägte, galt dies in den USA als sozialistisches Teufelszeug. Die Untersuchung legt ihren Fokus aber nicht nur auf die US-amerikanischen Häuslebauer und die entsprechenden nationalen politischen und wirtschaftlichen Prozesse, sondern nimmt das US-amerikanische Eigenheim auch als kulturelles Exportgut in den Blick. So versuchte die Regierung der USA etwa, durch verschiedene Projekte die Zahl der Hausbesitzer in Taiwan, Burma und Südkorea zu erhöhen. Im Weißen Haus hoffte man auf einen entscheidenden Vorteil im Kalten Krieg, US-amerikanische Investoren witterten große Geschäfte. Und dabei wirkte der Fuchs immer so unpolitisch … (jr, 10.9.17)

Kwak, Nancy H., A World of Homeowners. American Power and the Politics of Housing Aid, University of Chicago Press, London 2015, ISBN 978-0-22628-235-0.

Titelmotiv: LBS-Werbung der 1970er Jahre (Bild: youtube Still)