Modernism Rediscovered

Modernism Rediscovered

Modernism Rediscovered, Shulmann (Bild: Taschen Verlag)
Modernism Rediscovered versammelt Anfnahmen Julius Shulmanns (Bild: Taschen Verlag)

Der Fotograf Julius Shulmann (1910-2009) prägte den Blick auf die US-amerikanische Nachkriegsmoderne wesentlich. Er porträtierte architektonische Landmarken bedeutender Architekten der 1950er und 1960er Jahre und fing in seinen Innenaufnahmen Design und Lebensgefühl der Epoche ein. Einen lokalen Schwerpunkt bildete Kalifornien. Im Jahr 2000 warf der Taschenverlag mit dem Bildband “Die wiederentdeckte Moderne” erstmals einen Blick in die Tiefen des Archivs Schulmanns. Nun folgt mit  “Julius Shulmann. Modernism Rediscovered” eine dreibändige Fortsetzung.

Die Bildbände versammeln wie der Vorgänger Aufnahmen von zeittypischer Architektur in Kalifornien und den Vereinigten Staaten, zeigen darüber hinaus aber auch Shulmanns Blick auf Bauten in Mexiko, Israel oder Hongkong. Es handelt sich um eine Auslese aus über 260 000 Fotografien, welche die Herausgeber in den letzten Jahren sichteten. Die Aufnahmen werden durch eine Einleitung des Fotografiekritikers Owen Edwars, eine Biografie des Historikers Philip J. Ethington, ein Zeitporträt der Kunstjournalistin Hunter Drohojowska-Philp sowie das Design erläuternde Bildunterschriften von Peter Loughrey flankiert. (jr, 01.8.16)

Julius Shulmann. Modernism Rediscovered, Taschen Verlag, Köln 2016, 3 Bände in Kassette, ISBN 978-3836539197.

Eero Saarinens Industriebauten

Dass ein stilvoller öffentlicher Auftritt auch in Forschung und Entwicklung eine gewaltige Rolle spielen kann, haben die Amerikaner schon früh entdeckt. Großkonzerne ließen sich Ihre Zentralen und Funktionsbauten gerne von namhaften Architekten entwerfen – und wer besonders großes Augenmerk aufs Image legte, der beauftragte Eero Saarinen. Der gebürtige Finne war einer der renommiertesten Architekten der USA und zeichnete Verantwortlich unter anderem verantwortlich für Gebäude von General Motors in Warren/Michigan (1948-1955) und Deere & Company in Moline/Illinois (1959-63).

Ein neues Buch aus dem Antaeus-Verlag befasst sich nun mit den größten Industrieprojekten Saarinens: Zwischen 1948 und seinem Todesjahr 1961 war er für vier der größten Forschungs- und Entwicklungszentren der USA verantwortlich. Anhand eingehender Analysen und bisher unveröffentlichtem Plan- und Fotomaterial werden in der Publikation “Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel: General Motors, IBM, Bell, Deere”  die Großprojekte als hervorragende baukünstlerische Leistungen gewürdigt. (db, 11.1.16)

Horst E. und Ingelore K. Ehlers, Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel. General Motors, IBM, Bell, Deere, Antaeus-Verlag, Frankfurt am Main 2015, 144 Seiten, 30 x 23,5 cm, Hardcover, ISBN 978-3-9810809-5-7.

Amerika, Du hast es besser: Hier entwarf Eero Saarinen große Forschungs- und Industriezentren (Bild: Antaeus-Verlag)

Karl-Marx-Stadt liegt in Amerika

Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)
Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)

In den 1980er Jahren konzentrierte sich die DDR-Führung bei  der Suche nach Anerkennung für den maroden Arbeiter- und Bauernstaat zunehmend auf das westliche Ausland. Erich Honecker wurde nicht nur von Helmut Kohl und Francois Mitterand, sondern sogar vom Papst empfangen. Ein Wunsch blieb dem Generalsekretär jedoch verwehrt: der Staatsbesuch in den USA. Seit 2002 hat die DDR hier wieder eine ständige Vertretung: Das Wende Museum and Archive of the Cold War zeigt in Culver City bei Los Angeles die wahrscheinlich größte Sammlung ostdeutscher Alltags- und Kunstobjekte außerhalb Deutschlands.

Justinian Jampol, Gründer und Direktor des Museums, grenzt sich im Ansatz von selektiven Methoden historischer Museen oder Archive strikt ab. Der Historiker sammelte vielmehr seit seiner Studentenzeit Alltagsgegenstände ebenso wie Staatskunst, Illustrierte oder Mauersplitter. Wichtigstes Kriterium: DDR-Provenienz.  Das Ergebnis ist eine allumfassende thematische Sammlung, die bis heute ständig erweitert wird. Auch aus diesem Grund soll das mittlerweile fest etablierte Museum nun expandieren: die Stadt stellte hierzu einen ehemaligen Militärkomplex inklusive Atombunker aus dem Jahr 1949 (!) zur Verfügung. (jr, 10.11.2014)