Mit dem Mäusebunker nach Venedig

Es sind zwei Berliner Gebäude, die dem Brutalismus zugerechnet werden, die seit einigen Monaten an die ganz großen Fragen rühren: Welchen Wert hat die Architektur der Nachkriegsjahrzehnte? Wie viel Substanz müssen wir erhalten, um weder unser kulturelles Gedächtnis noch unsere Ressourcen zu verlieren? Und wie lassen sich die Ansprüche von (Bau-)Kunst und Nutzungswillen miteinander versöhnen? Das Tierversuchslabor der FU Berlin, liebevoll „Mäusebunker“ genannt, wurde zwischen 1971 und 1981 von Gerd und Maria Hänska errichtet. Der Bau wurde, ebenso wie das Anfang 2021 unter Schutz gestellte Institut für Hygiene und Mikrobiologie (Fehling+Gogel, 1974), lange auf Abriss hin diskutiert. Doch genauso lange wird über Fachkreise hinaus über ihren Wert gesprochen, über die Möglichkeiten ihres Erhalts. Mit der Ausstellung “Mäusebunker & Hygieneinstitut: Experimental Setup BERLIN Architetture di G+M Hänska I Fehling + Gogel”, kuratiert von Ludwig Heimbach, sollen diese Themen nun auch in Venedig in den Mittelpunkt gerückt werden.

Collage: Versuchsanordnung Mäusebunker&Hygieneinstitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Collage: Versuchsanordnung Mäusebunker&Hygieneinstitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Anlässlich der 17. Architekturbiennale in Venedig hat die dortige Universität (IUAV) eine Einladung nach Berlin ausgesprochen: Die bereits im Herbst 2020 in der Hauptstadt gezeigte Ausstellung der dortigen BDA Galerie soll vom 7. September bis zum 7. Oktober 2021 in der “sala espositivo Gino Valle” der IUAV (Cotonificio Veneziano, Dorsoduro 2196 30123 Venezia) zu sehen sein. Dafür wurde die Berliner Präsentation eigens aktualisiert. Neben Plänen und Unterlagen der Bauzeit geht es hier ebenso um die heutige Aneignung der beiden brutalistischen Architekturen in der Popkultur und in der Erhaltungsdebatte. Teil der Schau sind daher auch künstlerische Positionen von Julian Rosefeldt, Lothar Hempel, Kay Fingerle, Tracey Snelling und Andreas Fogarasi sowie Arbeiten von Studierenden des KIT Karlsruhe, der ETH Zürich, der Bauhaus Universität Weimar, der TU Berlin, der Aarhus School of Architecture, der ENSAP Bordeaux und der Estonian Academy of Arts. Die Vernissage ist geplant für den 7. September 2021 um 17:30 Uhr, eine Diskussionsveranstaltung für den 23. September 2021 um 14.30 Uhr, die Finissage für den 7. Oktober 2021 um 17.30 Uhr. (kb, 20.5.21)

Berlin, Experimental Setup einer Ausstellung zum Mäusebunker und zum Hygieneinistitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Berlin, die Ausstellung “Experimental Setup” (Bild: © Ludwig Heimbach)

Titelmotiv: Berlin, Zentrale Tierlaboratorien, 1984 (Bild: © Georg Fischer)

Biennale überwindet Mauern

28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage stand die Berliner Mauer. Seit dem 5. Februar 2018 ist sie länger verschwunden als sie Bestand hatte; der Blick auf sie ist längst historischer Natur. Ein Rest des “Antifaschistischen Schutzwalls”, der Anfang 2018 nahe des S-Bahnhofs Schönholz entdeckt wurde, war dem Land Berlin gar eine Pressemeldung wert, er kommt nun auf die Denkmalliste. Diese düsteren 28 Mauerjahre sind auch die Inspiration für den deutschen Beitrag zur 16. Architektur-Biennale in Venedig, die am 26. Mai öffnet. Unter dem Motto “Unbuilding Walls” werden 28 städtebauliche Projekte aus 28 Jahren seit Überwindung der Trennung Deutschlands präsentiert.

Das dreiköpfige Architekturbüro Graft hat den Pavillon für die 16. Biennale konzipiert – mit Marianne Birthler, der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Gemeinsam wählten sie architektonische Beispiele, die sich mit der deutschen Trennung in Ost und West und deren Nachwirkungen auseinandersetzen. Ein Beispiel sind die Überbleibsel grenznaher Dörfer, die mittlerweile von der Natur verschluckt wurden: Mehr als 11 000 Bewohner dieser Orte siedelte die SED zwangsweise um. Die große Mehrheit der vorgestellten Projekte stammt indes aus Berlin: Das Investoren-Wirrwarr rund um den einstigen Checkpoint Charlie (seit 1990 in wechselnden Dramaturgien) ist ebenso präsent wie die Kapelle der Versöhnung (2009) an der Bernauer Straße. Aber erwarten Sie keine Vollständigkeit! (db, 27.2.18)

Berlin, Mauer um 1990 (Bild: Ralf Roletschek, GFDL 1.2)

Der Vatikan bei der Architektur-Biennale

Es wird das erste Mal sein: Der Vatikan beteiligt sich in diesem Jahr mit dem Projekt einer Waldkapelle an der Architektur-Biennale in Venedig. Rom teilte mit, zehn internationale Architekten hätten Kapellen aus unterschiedlichen Materialien entworfen. Diese werden in Venedig gezeigt im Vatikan-Pavillon, der nicht in den Giardini, sondern in einem Wäldchen auf der Insel San Giorgio Maggiore gegenüber dem Markusplatz liegt.

Der Beitrag des Vatikans wurde inspiriert von einer Waldkapelle, die der schwedische Architekt Gunnar Asplund 1920 für den Stockholmer Friedhof Skogskyrkogården gestaltete. Die gesamte Anlage und mit ihr die programmatisch schlicht und naturverbunden gehaltene Kapelle wurde inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Die Biennale-Kapellen sollen nach der Ausstellung weiterverwendet werden. In Venedig dauert die 16. Architektur-Biennale vom 26. Mai bis zum 25. November 2018. Sie findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Kunst-Biennale statt, an der sich der Vatikan bereits 2013 und 2015 beteiligt hat. (db, 5.2.18)

Rom, Petersdom (Bild: Petar Milosevic, CC BY SA 4.0)