Max Dudler: Geschichte weiterbauen

Vermeintlich geschichtstreue Rekonstruktionen sind en vogue. Gleichzeitig sorgen sie aber auch immer wieder für Kontroversen – man denke an das Berliner Humboldt-Forum oder die Garnisionskirche Potsdam. Dass es auch einen anderen Weg geben kann, beweist der 1949 in der Schweiz geborene Architekt Max Dudler: „Das Baudenkmal führt uns vor Augen, dass wir von der Vergangenheit getrennt sind. Zugleich erinnert es uns daran, dass es unsere Aufgabe ist, eine Beziehung mit der Geschichte aufzunehmen. Darum führt mich gerade das Bauen im Bestand auf die Suche nach einer Architektur, die die Geschichte fortsetzt. Diese Suche nach dem Neuen, das ohne das Alte nicht möglich und denkbar wäre, nenne ich Weiterbauen.“

Zeitgleich nach vorne und zurückblicken – diese Fähigkeit besitzt Max Dudler. Der Architekt entwirft Bauten, die einen deutlichen Anklang an Vergangenes haben, aber trotzdem etwas Neues und Eigenes besitzen. Beispiele wie die Erweiterung des Hambacher Schlosses, das Eisenbahnmuseum Bochum, das Zwillingsprojekt Sparrenburg und Johannisberg oder das Besucherzentrum des Heidelberger Schlosses zeigen, dass ein Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft gelingen kann, ohne schlichtweg zu imitieren. Ausgewählte Werke des Architekten wurden nun im Bildband “Max Dudler: Geschichte weiterbauen” gesammelt. Die gleichnamige Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld kann noch bis zum 9. Januar 2022 besucht werden. (re, 10.11.21)

Bonte, Alexander (Hg.), Max Dudler: Geschichte weiterbauen, Jovis-Verlag, Berlin 2021, Hardcover, 20,5 × 24 cm, 136 Seiten, zahlr. farb. und s/w Abb., Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86859-729-5, 36.00€

Autostädte

Wolfsburg, VW-Hochhaus (Bild: Vanellus Foto)
Wolfsburg, geprägt von einem Automobilhersteller mit zwei großen Buchstaben … (Bild: Vanellus Foto)

Das sollte einmal einem Bahn- oder Fahrradproduzenten passieren … Das Auto jedenfalls war im 20. Jahrhundert stadtbildprägendend und teils stadtgründend unterwegs. Die Herausgeber – Martina Heßler und Günter Riederer – der neuen Publikation “Autostädte im 20. Jahrhundert” sprechen gar von einem eigenen Stadttypus mit “globaler Perspektive”. Daher will das Buch mehr bieten als die übliche Darstellung einer Industriestadt im Aufstieg und Niedergang. Die Autoren interessiert, wie Autostädte mit Krisen und konjunkturell bedingten Unsicherheiten umgingen, wie sie eigene Traditionen ausbildeten und Veränderungen gestalteten.

Betrachtet werden derzeit wirtschaftlich erfolgreiche Städte wie Wolfsburg, Ingolstadt oder Changchun. Diesen werden massiv schrumpfende Standorte wie Flint und Detroit oder krisengeplagte Orte wie Rüsselsheim, Birmingham und das französische Billancourt-Boulogne gegenübergestellt. Und nicht zuletzt kommt Eisenach in den Blick, das seine lange Tradition mit dem Image der modernen Autostadt zu verbinden sucht. (kb, 15.11.14)

Heßler, Martina/Riederer, Günter u. a. (Hg.), Autostädte im 20. Jahrhundert. Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in globaler Perspektive (Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung 16), Franz-Steiner-Verlag, Stuttgart 2014, gebunden, 227 Seiten, rund 60 Abbildungen, ISBN 978-3-515-10692-4.