Wankel-Institut verkauft

Mit dem Namen des Technik-Tüftlers Felix Wankel (1902-1988) ist der NSU Ro80 untrennbar verbunden. Das kompromisslos modern geformte „Auto des Jahres 1968“ trug unter der Haube einen von ihm entwickelten Kreiskolbenmotor. Ein Triebwerk, das den Hubkolbenmotor in Rente schicken sollte. Daraus ist nichts geworden, wie man Jahrzehnte später weiß: Der Ro80 blieb ein Liebhaberstück, von dem bis 1977 nur 37.400 Exemplare gebaut wurden. Nachdem sein genialer Motor die Kinderkrankheiten überwunden hatte, blieb ein Problem: Er brauchte viel Sprit und viel Öl – und fabrizierte infolgedessen pestilente Abgase. So gilt der Ro80 bis heute als großer Wurf mit mittelschwerem Handicap. Was uns zum eigentlichen Thema führt. Denn auch ein weiteres Werk von Felix Wankel leidet darunter, toll aber mängelbehaftet zu sein. Es handelt sich um sein 1960 errichtetes „Felix Wankel Forschungsinstitut“ in Lindau am Bodensee, wo auch der Kreiskolbenmotor fertig entwickelt wurde. Der denkmalgeschützte Bau, den die Volkswagen AG 1998 vom Fraunhofer-Institut (zu dem Wankels Forschungsinstitut seit 1962 gehörte) übernommen hatte, gilt als klimatische Katastrophe: Im Sommer glühend heiß, im Winter kaum warm zu kriegen. Und zwar in solchem Maße, dass eine ganzjährige Nutzung kaum möglich ist. Das an einen Schiffsaufbau erinnernde, überwiegend von Wankel selbst gestaltete Gebäude hat Schiebefenster aus Plexiglas, V-Stützen als tragende Elemente, teilverglaste Böden und einen Treppenturm. Die Audi AG, die das Wankel-Institut als Mieter nutzte, hatte sich vor einigen Jahren zurückgezogen, sodass es zuletzt längere Zeit leer stand.

Nun hat der Dornröschenschlaf ein Ende, denn Volkswagen hat das Gebäude an das österreichische Technologie-Unternehmen Obrist Powertrain verkauft. Und damit schließt sich der Kreis, denn auch diese Firma arbeitet an neuen Antriebskonzepten für Automobile. Der Kreiskolben bleibt aber im Museum, jetzt dreht es sich um die Entwicklung eines erschwinglichen Elektrofahrzeugs mit „HyperHybrid“ -Technik. Firmenchef Frank Obrist sagte dem „Wochenblatt“ zum Immobilien-Deal, man wolle „den Spirit dieses Ortes wiederbeleben und durch Innovation, Zukunftsorientierung und neues Denken die Mobilität und den globalen Energieträger der Zukunft vorantreiben.“ Klingt kühn, wäre aber in der Tat ganz im Sinne von Felix Wankel. Zunächst geht es aber an die Umgestaltung seines Instituts am Ufer des Bodensees – in Abstimmung mit Landschafts- und Denkmalbehörden. (db, 27.3.21)

Haus Dahinden im Angebot

Sie haben knapp 3,5 Millionen Euro unterm Kopfkissen und wissen nicht, wohin damit? Hier wäre das Richtige für Sie: eine Sichtbeton-Villa aus den 1970ern nahe Zürich, die deutlich von Frank Lloyd Wrights „Falling Water House“ inspiriert ist. Ruhige Nachbarschaft, viel Grün rundum sowie wahrscheinlich ein Teil der stylishen Einrichtung, die auf den Maklerbildern zu sehen ist, sind verlockend. Dazu gibt es 160 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf fünfeinhalb Zimmer und einen in Waschbeton eingefassten Pool. Natürlich hat die Traumvilla eine Geschichte: Es handelt sich um das ehemalige Wohnhaus des Architekten Justus Dahinden, das dieser 1971/72 für seine Familie gebaut und bis 2017 bewohnt hatte.

Derzeitige Mieter sind der Architekt Marco Bakker und Dorothee Messmer, die Direktorin des Kunstmuseums Olten. Zuletzt war hier das auch Kunstprojekt „Open Curtain“ der in Zürich lebenden Britin Clare Goodwin zu sehen. Und nun wartet man auf zahlungskräftige Architekturliebhaber. Justus Dahinden (*1925), der sein Studium an der ETH Zürich absolvierte und bis 1996 an der TU Wien lehrte, zeichnet unter anderem verantwortlich für das Ferrohaus in Zürich (1970), die Bibliothek der TU Wien (1984) und weltweit etliche Kirchenbauten. In Deutschland entstanden unter anderem die Kirche St. Paulus in Ingelheim (1980/81), in München das ikonische Restaurant „Tantris“ (1971) sowie das Freizeitcenter „Schwabylon“ (1973, abgerissen 1979). (db, 21.11.19)

Zürich, Haus Dahinden (Bild: Marco Bakker)