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Borgo San Dalmazzo, Diskothek Flash Back ca. 1972 (Bild: Paolo Mussat Sartor, Vitra-Presse)

Let´s groove tonight

Egal, ob Sie bei „Night Fever“ eher ans Abtanzen mit den Bee Gees denken oder ans Abstürzen mit Iggy Pop: Nachtclubs und Diskotheken sind Epizentren der Popkultur. Seit den 1960ern versammelte sich hier die Avantgarde zum Abhotten, teils auch um gesellschaftliche Normen infrage zu stellen und andere Ebenen des Bewusstseins zu erkunden. Viele Clubs gerieten zu Gesamtkunstwerken, bei denen sich Architektur und Design, Mode und Kunst, Licht und Musik verbanden. Das Vitra Design Museum widmet den Tempeln des Hedonismus nun bis 9. September die Ausstellung „Night Fever“, eine umfassende Schau zur Design- und Kulturgeschichte des Nachtclubs von 1960 bis heute.

Die in Weil am Rhein präsentierten Beispiele reichen von italienischen Clubs der 1960er Jahre, die von Vertretern des Radical Design geschaffen wurden, bis zum legendären Studio 54, in dem Andy Warhol Stammgast war; vom Palladium in New York, das von Arata Isozaki entworfen wurde, bis hin zu den Konzepten von OMA für ein neues Ministry of Sound in London. Neben Filmen und historischen Aufnahmen, Postern und Mode führen Musik, Licht- und Rauminstallationen die Ausstellungsbesucher auf eine bunte Reise durch Subkulturen und Glitzerwelten – auf der Suche nach ewiger Jugend und Glückseligkeit. (db, 3.4.18)

Borgo San Dalmazzo, Diskothek Flash Back, ca. 1972 (Bild: Paolo Mussat Sartor, Vitra-Presse)

Wegner, Pfauenstuhl (Bild: Ramblersen, CC By SA 3.0)

Hans J. Wegner im Vitra Design Museum

Skandinavisches Design ist ein Markenzeichen – Das beschränkt sich nicht auf den multinationalen Möbelkonzern, der seit Jahrzehnten schwedischen Vornamen zu Weltruhm verhilft. Auch abseits davon gelten Objekte und Gestaltung aus Nordeuropa als funktional, langlebig und nüchtern elegant. Einer der Begründer dieses Rufs ist der Däne Hans J. Wegner. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet ihm nun eine eigene Sonderausstellung. Sie ist bis zum 3. Juni 2018 im Schaudepot des Hauses zu sehen.

Der gelernte Tischler Wegner studierte in den späten 1930er Jahren an der Kunstgewerbeschule in Kopenhagen und widmete sich in den folgenden Jahrzehnten dem Entwurf moderner Inneneinrichtung. Berühmt wurde Wegner in erster Linie  wegen seiner Stühle. Trotz seines rationalen, auf Materialeffizienz bedachten Ansatzes setzte er dabei auf geschwungene und aufwändige Formen, die sich häufig an historische Vorbilder anlehnten. Sein „Pfauenstuhl“, der „Ochsensessel“ oder der „runde Stuhl“ verhalfen dem Designer zu Weltruhm und gelten heute als Klassiker skandinavischen Designs. (jr, 11.3.18)

Hans Wegner, Pfauenstuhl (Bild: Ramblersen, CC BY-SA 3.0)

Monobloc (Bild: Jürgen Lindemann, Vitra Design Museum)

Der Welt liebste Sitzgelegenheit

Wo der … nun ja, das Hinterteil der Welt gelegen ist, ist eine oft diskutierte und kaum zu beantwortende Frage. Wo sich das mondiale Gesäß niederlassen würde, scheint dagegen klar. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich mit dem Monobloc der am weitesten verbreiteten Sitzgelegenheit der Welt. Der 1972 von Henry Massonnet 1972 als „Fauteuil 300“ entworfene Plastikstuhl findet sich ebenso in deutschen Kleingartenkolonien wie afrikanischen Straßencafés oder an den Stränden der Ägäis. Als schlichtes und erschwingliches Massenprodukt ist er fest im weltweiten kollektiven Gedächtnis verankert, ohne als Designobjekt besondere Prominenz zu beanspruchen.

Die Idee des Monoblocs, also des aus einem einzigen Stück Material gefertigten Stuhls, faszinierte bereits die Gestalter der 1920er Jahre. Während man seinerzeit noch mit verformbaren Metallblechen oder Schichtholz experimentierte, ermöglichte es die aufkommende Kunststofftechnologie ab den 1950er Jahren, Stühle in Guss- oder Pressverfahren in einem einzigen Produktionsschritt zu fertigen. Neben der Geschichte des Monoblocs widmet sich die Ausstellung auch seiner Rezeption und Weiterentwicklung durch andere Designer  wie Fernando und Humberto Campana oder Martino Gamper. Die Schau ist bis zum 9.7.2017 zu sehen. (jr, 30.4.17)

Monobloc (Bild: Jürgen Lindemann, Vitra Design Museum)

Afrikanische Moderne

Eine Pyramide an der Elfenbeinküste: "La Pyramide" vom italienischen Architekten Rinaldo Olivieri, 1973 (Bild: Iwan Baan)
Ägypten an der Elfenbeinküste? „La Pyramide“ vom Italiener Rinaldo Olivieri (1931-98), Abidjan 1973 (Bild: I. Baan)

Anfang der Siebziger herrschte in Afrika Aufbruchstimmung: Etliche Staaten hatten die Unabhängigkeit erlangt, und der Neubeginn sollte sich auch in der Architektur widerspiegeln. Auf der Suche nach einer neuen nationalen Identität entstanden in der Elfenbeinküste, Kenia, dem Senegal, Sambia und Ghana etliche außergewöhnliche Großbauten. Kurioserweise wurden sie oft genug von europäischen Architekten entworfen, die teils gar aus den ehemaligen Kolonialländern stammten – der Werdegang der Unabhängigkeit verlief nicht ohne Widersprüche. Und nicht überall hat der optimistische Aufbruch zu einem stabilen Staat geführt: Manche dieser Gebäude stehen schon wieder für eine hoffnungsvolle, aber eben vergangene Ära.

Über 50 Bauten der Moderne in Schwarz- und Zentralafrika dokumentiert ab dem 20. Februar 2015 die Ausstellung „Architektur der Unabhängigkeit“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Von Parlamentsgebäuden über Universitäten, von Monumenten bis zu Hotels sind fast alle Gattungen der Repräsentationsarchitektur vertreten. Die Schau – kuratiert vom Kölner Architekten und Autor Manuel Herz, fotografiert vom Niederländer Iwan Baan – ist bis zum 31. Mai 2015 im Vitra Design Museum (Galerie, Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein) zu sehen.
 (db, 16.2.15)