Plastique, mon amour

Plastik ist der Werkstoff des 20. Jahrhunderts. Die Technopolymere haben den menschlichen Alltag weltweit verändert: Möbel, Kleidung, Spielzeuge, Kfz-Karosserien, Verpackungen, Architektur im Modell und in Realität – all dies und noch viel mehr ist entstanden aus dem Material der unbegrenzten Möglichkeiten. Gleichwohl ist es längst Symbol für ebenso unbegrenzte Umweltbelastung und die weltweite Wegwerfgesellschaft. In der Ausstellung „Plastik. Die Welt neu denken“ beschäftigt sich das Vitra Design Museum in Weil am Rhein ab dem 26.3. mit der Geschichte, dem heutigen Stellenwert und der Zukunft des kontroversen Materials – das in der Vitra-Produktion selbst eine wichtige Rolle spielt.

Empfangen werden die Besucher:innen mit einer großformatigen Filminstallation, welche Szenen urwüchsiger Natur der Kunststoffproduktion gegenüberstellt und so Konflikte der Herstellung und Nutzung von Plastik veranschaulicht. Dann wird ein Blick auf die Geschichte der Kunststoffe von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute geworfen. Dabei thematisiert die Schau die politischen und gesellschaftlichen Einflüsse auf die Produktion, die stetig zunehmende Nutzung von Plastik sowie die Entwicklung der Eigenschaften des Materials. Damit, wie die Plastikmüllkrise zu bewältigen ist, und ob es Alternativen gibt, befasst sich der zukunftszugewandte Teil der Ausstellung. Hier wird eine Reihe von Projekten präsentiert, die versuchen, Kunststoffe ohne Kohle und Erdöl zu produzieren. Die Schau läuft bis zum zum 26. September. (db, 24.3.22)

Faller-Modell “Geschäftshausblock Helvetia” (Bild: Hagen Stier)

Ron Arad bei Vitra

Angeblich ist Ron Arad eines Tages nach der Mittagspause nicht mehr an seinen Arbeitsplatz in einem Architekturbüro zurückgekehrt. Er habe sich dort gelangweilt. Ruhe scheint nicht das Lebensziel des 1951 in Tel Aviv geborenen Künstlers, Designers und Architekten zu sein. Sich sebst bezeichnet er als “Flipperkugel”: Er stoße auf interessante Dinge, springe von einem zum anderen, lasse sich gern ablenken, arbeite an vielen Themen gleichzeitig. Sein Studium begann Arad an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem, setzte es fort an der Architectural Association in London. 1981 eröffnete er dort mit Caroline Thorman sein Designbüro “One Off Ltd.”, 1989 das Studio Ron Arad Associates Ltd., London, in dem viele seiner grandios skurrilen Entwürfe entstanden.

Bereits seit den 1980ern entwirft Arad auch für Vitra, und nun widmet ihm das Vitra Design Museum in Weil am Rhein folgerichtig bis zum 14. Oktober die Schau “Ron Arad: Yes to the Uncommon!”. Vor allem frühe (Möbel-) Werke sind im Schaudepot zu sehen, dazu die Installation “Sticks and Stones” (1987), Stühle und Metallobjekte als gepresste Würfel entlässt – Dekonstruktion in Reinkultur. Zu den bekanntesten Werken des Architekten Arad zählen das Design-Museum Holon (2006-10) und die Innenausstattung des Watergate-Hotels in Washington (2012-16). (db, 8.8.18)

Holon, Design Museum (Bild:צילום:ד”ר אבישי טייכר , CC BY SA 2.5)