Peukert bald weggedämmt?

Im Hanauer Stadtteil Großauheim könnten ein Mosaik und ein Sgraffito August Peukerts aus den 1950er Jahren dank energetischer Sanierung bald unsichtbar sein. Peukert war ein aus Hanau stammender Maler und Glasmaler, der ab den 1930er Jahren an Kunstausstellungen teilnahm. Eine Auswahl seiner Werke ist in einer Abteilung des Museums Großauheim zu sehen. Mosaik und Sgraffito tragen bislang dazu bei, die Giebelflächen zweier schlichter Zeilenbauten aus der Nachkriegszeit ein wenig schmuckvoller aussehen zu lasen. Die Motive beziehen sich dabei auf die Bewohnerschaft der ursprünglichen Arbeitersiedlung: Stilisierte Bauern und Metallarbeiter werden auf dem Acker beziehungsweise in der Werkstatt gezeigt.

Für die Kunst an den Gebäuden im Eigentum einer Genossenschaft gibt es jedoch noch Hoffnung: Wie der Hanauer Anzeiger berichtet, bemüht sich der örtliche Heimat- und Geschichtsverein darum, in einem bereits terminierten Gespräch auf einen Erhalt von Peukerts Werken hinzuwirken. Mittlerweile hat sich auch die SPD Großauheim/Wolfgang für einen Erhalt ausgesprochen. Technisch möglich wäre es, zum Beispiel mit einer Aussparung der Flächen oder gar durch eine Translozierung der Kunstwerke. Doch es dürfte in dem Gespräch vor allem um finanzielle Fragen gehen: Wer trägt die möglichen Kosten für eine Erhaltung? (mk, 31.7.20)

Wo wohnt das Klima?

Gegen „die da oben“, „das System“ oder neuerdings „das Establishment“ oder „den Mainstream“ kann man nichts ausrichten. Obwohl „die“ längst die Quittung für ihr Handeln hätten bekommen müssen. So lautet ein langgehegtes Klischee, mithilfe dessen sich Menschen gerne echauffieren. Oder nichts tun, anstatt gegen gesellschaftliche oder politische Missstände anzugehen. Dass man eben doch etwas ausrichten kann, beweisen längst Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung. Und nun „Extinction Rebellion“ – kannte die vor zwei Monaten irgendwer? Wirklich gehandelt hat die weltweite Politik zwar noch nicht, doch mittlerweile hat man das Anliegen der Klimaschützer vernommen. Und wird in irgendeiner Form reagieren müssen. Das Erdklima ist ein essentieller Grund, auf die Straße zu gehen und ein Eindämmen des menschengemachten Schadstoffausstoßes zu fordern. (Nebenbei: 20 Zentimeter dicke Kunststoffschichten auf Plattenbauten sind dabei keine Hilfe). Werden wir von Hochwasser oder Dürre niedergemetzelt oder verbrutzeln unter der Sonne, ist logischweise auch jeder Protest gegen andere Übel sinnlos. Noch braten wir aber nicht. Gibt es daher also Gründe, alle anderen Probleme hintenanzustellen?

Am 11. Oktober will eine Tagung nachkriegsmoderne Großwohnsiedlung erhalten und zukunftstauglich machen (Bild: Berlin-Spandau, Falkenhagener Feld, Gunnar Klack, CC BY SA 2.0, via flickr.com)

Das Statistische Bundesamt hat am 1. Oktober die Ergebnisse einer Mikrozensus-Zusatzerhebung zur Wohnsituation in Deutschland bekanntgegeben. Die Lage auf den Wohnungsmärkten der Metropolen in Deutschland hat dazu geführt, dass Haushalte, die ab 2015 eine Wohnung neu angemietet haben, überdurchschnittlich hohe Mieten zahlen. Das überrascht niemanden. Die tatsächlichen Zahlen knallen dagegen aber noch übler rein als befürchtet: Wie das Statistische Bundesamt (Neudeutsch: „Destatis“) mitteilt, mussten private Haushalte nach eigenen Angaben bundesweit im Schnitt 7,70 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter für eine ab 2015 angemietete Wohnung bezahlen. Damit liegen die Mietkosten um 12 % über der durchschnittlichen Nettokaltmiete in Deutschland (6,90 Euro). Erwartungsgemäß trifft der Preisanstieg in erster Linie die Metropolen: 2018 lag die durchschnittliche Nettokaltmiete je Quadratmeter für Neuanmietungen ab 2015 in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart und Düsseldorf mit 10,80 Euro um gut 21 % über dem allgemeinen Durchschnitt in diesen Städten von 8,90 Euro. Noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: Es geht um einen Zeitraum von drei (!) Jahren …

Geteilte Freude (Bild: Udo, CC BY 2.0, via flickr, 2015)

Der soziale, gesellschaftliche Sprengstoff liegt nicht nur im Klimawandel und wie wir ihn bekämpfen. Geehrte Investoren: How dare you?! Im immer größeren Schlagschatten dieses Protests wird in den Städten weiter Segregation betrieben. Wird gentrifiziert, abgeräumt, gedämmt und luxussaniert. Die Ressourcen – Stichwort: graue Energie! – werden beim flächendeckenden Abriss des gebauten nachkriegsmodernen Erbes munter verschleudert. Und damit die bereits existierende Wohnraumreserve der metropolnahen Klein- und Mittelstädte zugusten neuer flächendeckender, Pappmaché-Wohnparks. In denen die einziehen, die zwar in den Städten arbeiten und recht gut verdienen, sich das Wohnen dort aber nicht mehr leisten können. Und wer in der fernen Provinz wohnt, wird gleich ganz abgehängt. Geringer als im Bundesdurchschnitt war der Unterschied bei den Neuanmietungen zu den jeweiligen Durchschnittsmieten vor allem in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, aber auch im von der Deindustrialisierung betroffenen Nordrhein-Westfalen. Willkommen am Rande. Doch wo bleibt der Massenprotest gegen die gesellschaftliche Spaltung durch die Wohnpreise? Klima gerettet, Gesellschaft im Eimer – das ist keine angenehme Aussicht. Dabei zeigt sich doch gerade, wie schnell Massenbewegungen entstehen. Abgesehen davon ist die kluge Nutzung des Baubestands immer ressourcen- und in Folge klimaschonender als ungebremster Neubau. Sind Nettokaltmieten von 13,20 Euro pro Quadratmeter „Mainstream“? Wer dagegen protestiert, dürfte noch schneller die Mitmenschen für sein Anliegen gewinnen können, als wenn er im Berufsverkehr eine Kreuzung blockiert und ein „Go Vegan“-Pappschild hochhält. Wenn die Miete alles auffrisst, kann man sich sowieso keine fleischfreien Leckerlis mehr leisten … (7.10.19)

Daniel Bartetzko

Titelmotiv: Cottbus, Wärmedämmung im Fortschritt – ein Motiv aus unserem Themenheft „Verdämmt“ (17/2) (Bild: Martin Maleschka, um 2017)

Modell-Sanierung

Kein Geringerer als Sep Ruf, Architekt des Kanzler-Bungalows, entwarf 1955 die Bonner Geschäftsstelle der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Die ehemalige Bayerische Landesvertretung soll nun energetisch saniert werden – als Pilotprojekt der DSD mit dem Fachbereich Bauingenieurwesen der Fachhochschule Potsdam und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Auch andere Baukunstwerke der Nachkriegsmoderne sollen von den modellhaften Bonner Erfahrungen profitieren. In der aktuellen Ausgabe von monumente-online berichtet Julia Richter, wie man das bauzeitliche Konzept von Sep Ruf behutsam mit heutigen Erkenntnissen verbinden will. (31.3.14)

Bauzeitliche Oberflächen (Bild: K. Berkemann)