Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick

Bereits im Oktober vergangenen Jahres war die Ausstellung „Bauhaus. Shanghai. Stalinallee. Ha-Neu“ über den Architekten Richard Paulick der Hermann-Henselmann-Stiftung in Berlin zu sehen. Nun zieht das Projekt konsequenterweise weiter nach Dessau an das Bauhaus, wo Paulick einst als Assistent von Walter Gropius wirkte. Dort wird die Ausstellung noch bis zum 23. August 2020 zu sehen sein.

In Ergänzung erschien aktuell im Lukas-Verlag ein von Thomas Flierl herausgegebener Band, der sich dem Leben Paulicks widmet: Nach der Zeit am Bauhaus und einer kurzen Selbstständigkeit als Architekt in Berlin emigrierte Paulick nach Shanghai, wo er sich an Planungen „im großen Maßstab“ beteiligte, die ihm für den Wiederaufbau der DDR nach 1949 von Nutzen sein sollten. Hier gestaltete er einen Teil der Stalinallee. Keine Frage: Bauhaus ist anders. Bis in die 1960er Jahre schienen dessen Ansätze für Paulick weniger relevant zu sein, ehe er sich mit der Normierung des Bauens in der DDR wieder vom Zierrat einer vermeintlich nationalen Tradition löste. (mk, 1.7.20)

Flierl, Thomas (Hg.), Bauhaus – Shanghai – Stalinallee – Han-Neu. Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick 1903-1979 (Gegenstand und Raum, Neue Folge 1), Lukas-Verlag, Berlin 2020, 264 Seiten, 200 Abbildungen, 22 x 28 cm, Klappenbroschur, ISBN 978-3-86732-371-0.

Berlin, Richard Paulick 1952 vor dem Modell der Karl-Marx-Allee (Bild: Bundesarchiv Bild 183-17346-0009, Foto: Hans-Günter Quaschinsky, CC BY SA 3.0)

Der letzte Gropius

Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh, der letzte Gropius kommt aus Amberg: Das Amberger Glaswerk – die „Glaskathedrale“ – wurde am 9. Juni 1970 eingeweiht. Walter Gropius, der den Bau gemeinsam mit Alexander Cvijanovic (1923-2019) für die Philip Rosenthal AG plante, starb fast genau ein Jahr zuvor am 5. Juli 1969. Bei der Einweihung war neben Cvijanovic Ilse Gropius als Gast anwesend, die im oberpfälzer Glaswerk ein Vermächtnis ihres Mannes sah. Bis heute ist der Betonbau, der just 50-jähriges Jubiläum feiert, in Betrieb Die aufragende Dachform des Mittelschiffs mit den flankierenden Flachbauten war es auch, die schon kurz nach Baubeginn 1968 die Bezeichnung „Gropius-Zelt“ oder eben Glaskathedrale etablierte.

2019 wurde im Gebäude ein Dokumentationsraum eingerichtet. Nach Voranmeldung im Stadtmuseum Amberg gibt es die Gelegenheit, bei einer multimedialen Führung Entstehungsgeschichte und Architektur der Glaskathedrale zu erkunden. Zahlreiche Aktionen waren anlässlich des Jubiläums geplant. Der Großteil ist auf 2021 verschoben. So die Sonderausstellung „Der Arbeit Paläste bauen: Die erste und die letzte Fabrik von Walter Gropius„, die in Kooperation mit dem Unesco-Welterbe Fagus-Werk entstanden ist, und nun im Juni 2021 eröffnet. Sie beleuchtet in sechs Themenschwerpunkten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden herausragenden Beispiele deutscher Industriearchitektur. Weiterhin sind 2021 ein Symposium zur Glaskathedrale sowie eine Buchpublikation geplant. (db, 29.6.20)

Amberg, Glaswerk 2010 (Bild: Harald909, CC BY-SA 4.0)

Bauhaus zum 101.

Das Jubiläumsjahr ist rum und Sie haben noch keine Bauhaus-Allergie entwickelt? Sehr gut, denn sonst könnte Ihnen noch eine interessante Ausstellung entgehen: Im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) heißt es derzeit nämlich noch „bauhaus.film.expanded“. Filme vom, über und mit dem Bauhaus sind zu sehen: Die Kuratoren Markus Heltschl, Thomas Tode und Peter Weibel zeigen insgesamt 60 Werke von 28 Bauhaus-Protagonisten. Unter ihnen sind Ellen Auerbach, Ella Bergmann-Michel, László Moholy-Nagy und Walter Gropius. Der hoffte 1926/27 mithilfe eines Dutzend Projektoren „einen ganzen Raum unter Film zu setzen“- für Erwin Piscators Totaltheater.

Gropius‘ Vision der virtuellen Realität wird im ZKM neu aufgegriffen und vorgestellt, genauso wie auch die anderen Filme gegenüberstellend aufgegriffen werden und sich so erkennbare (und vielleicht gar neue?) künstlerische Linien ziehen lassen. Aufgeteilt sind die Beiträge in vier Räumen nach cinemtografischen Kategorien (Abstrakte Filme; Politische und experimentelle Filmessays; Reformerische Architekturfilme; Erweiterte Filmformen). Unter dem Material finden sich diverse bislang nie gezeigte Mitschnitte wie auch etliche Wiederentdeckungen. Zu sehen sind sie bis 17. Mai 2020 im ZKM Foyer, Lorenzstraße, 76135 Karlsruhe. (db, 12.2.20)

Bild: bauhaus.film.expanded/ Copyright Ella Bergmann Michel,
Heinrich Brocksieper, Renate Green/ Montage Markus Heltschl 2019/
Courtesy: Utz Brocksieper, Sünke Michel, Manfred Metzner