Neuer Gropius unter Denkmalschutz

Im niedersächsischen Kirchbrak wurde ein Industriebau frisch unter Denkmalschutz gestellt – und alle freuen sich. Denn es handelt sich beim Entwurfsverfasser um keinen Geringeren als Walter Gropius, der bauhausjahrgedingt gerade wieder hoch im Kurs steht. Das Fabrikgebäude der Holzbearbeitungs-Firma August Müller und Co. (AMCO), das in vielen Details an das ikonische Fagus-Werk erinnert, wurde 1925/26 errichtet und 2017 (vorerst) stillgelegt. Als Bonus gibt es einen weiteren Großmeister obendrauf: Die Bauunterlagen des verglasten Stahlskelettbauwerks wurden von Ernst Neufert unterzeichnet, der damals bei Walter Gropius angestellt war, ehe er 1926 als Professor für Planung an die neue Bauhochschule Weimar wechselte.

Der ortsansässige Ingenieur Günter Staeffler hat das Denkmalamt schon vor Jahren erfolglos auf den Bauhaus-Bau hingewiesen. Ein Beitrag von Wilhelm Klauser in der Bauwelt 16.2018 hat wohl endlich Bewegung in die Sache gebracht, und schließlich berichtete der NDR Ende März 2019 über das erste Gebäude, das das Atelier Gropius nach dem erzwungenen Wegzug aus Weimar realisierte. Bereits im Sommer diesen Jahres hatte die aktuelle Eigentümerin gegenüber der Presse erklärt: Mittelfristig wolle sie verkaufen – aber nur an Menschen, die mit dem Bau Besonderes vor hätten. (Bis dahin hat die 79-Jährige gerade ein neues kleines Unternehmen gegründet.) Nun steht der vergessene Bau unter Schutz und die Kommune geht auf Fördermittelsuche für eine touristische Nutzung. Gegenüber dem NDR zeigte sich der Bürgermeister vor wenigen Tagen optimistisch: „Erste Gespräche dazu seien vielversprechend verlaufen“. (kb, 30.11.20)

Kirchbrak, Amco-Gebäude 2019 (Bild: Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)

Wochenend und Sonnenschein

Der Klassischen Moderne gehört das Wochenende vom 18. bis 20. September im Berliner Südwesten. Der Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Steglitz Zehlendorf widmet sich mehrerer ikonischer Bauten, die zwischen 1910 und 1932 entstanden sind: Von Richard Neutras Villen über Bruno Tauts Siedlung Onkel Toms Hütte bis zu den diversen Reihenhaus-Bauten am Botanischen Garten gibt es am „Wochenende der Moderne“ sechs organisierte Touren, die unterschiedliche Besonderheiten der Moderne aufdecken.

Zum Auftakt wird die Architektin Regine Leibinger am Freitag, 18. September einen Vortrag halten, beschlossen wird das Ganze am Sonntagabend mit einem Abschlusskonzert mit dem KNM Quartett aus Berlin. Beides findet im Haus am Waldsee statt und ist (nach Anmeldung!) kostenlos. Wer an einer der Touren teilnehmen möchte, sollte sich zügig anmelden, denn die Plätze sind jeweils auf 20 Teilnehmer beschränkt. Tickets kosten für jede Tour 12 Euro und sind nur online verfügbar. (db, 9.9.20)

Berlin, Wilskistraße (Bild: Gyxmz, CC BY-SA 3.0)

Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick

Bereits im Oktober vergangenen Jahres war die Ausstellung „Bauhaus. Shanghai. Stalinallee. Ha-Neu“ über den Architekten Richard Paulick der Hermann-Henselmann-Stiftung in Berlin zu sehen. Nun zieht das Projekt konsequenterweise weiter nach Dessau an das Bauhaus, wo Paulick einst als Assistent von Walter Gropius wirkte. Dort wird die Ausstellung noch bis zum 23. August 2020 zu sehen sein.

In Ergänzung erschien aktuell im Lukas-Verlag ein von Thomas Flierl herausgegebener Band, der sich dem Leben Paulicks widmet: Nach der Zeit am Bauhaus und einer kurzen Selbstständigkeit als Architekt in Berlin emigrierte Paulick nach Shanghai, wo er sich an Planungen „im großen Maßstab“ beteiligte, die ihm für den Wiederaufbau der DDR nach 1949 von Nutzen sein sollten. Hier gestaltete er einen Teil der Stalinallee. Keine Frage: Bauhaus ist anders. Bis in die 1960er Jahre schienen dessen Ansätze für Paulick weniger relevant zu sein, ehe er sich mit der Normierung des Bauens in der DDR wieder vom Zierrat einer vermeintlich nationalen Tradition löste. (mk, 1.7.20)

Flierl, Thomas (Hg.), Bauhaus – Shanghai – Stalinallee – Han-Neu. Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick 1903-1979 (Gegenstand und Raum, Neue Folge 1), Lukas-Verlag, Berlin 2020, 264 Seiten, 200 Abbildungen, 22 x 28 cm, Klappenbroschur, ISBN 978-3-86732-371-0.

Berlin, Richard Paulick 1952 vor dem Modell der Karl-Marx-Allee (Bild: Bundesarchiv Bild 183-17346-0009, Foto: Hans-Günter Quaschinsky, CC BY SA 3.0)