Oslo: Picasso muss weg

Im Oktober 2019 soll der Abriss starten, so der norwegische Regierungsbeschluss vom Anfang diesen Monats: Der Y-Block des Osloer Regierungsviertels wird fallen. Mit dem H-Block von 1958 stellt der Y-Block von 1969, beide errichtet nach Entwürfen des Architekten Erling Viksjø, ein Schlüsselwerk der norwegischen Nachkriegsmoderne dar. Dazu trägt nicht zuletzt das prominent zur Straße weisende Wandbild des Großmeisters Pablo Picasso bei.

Doch nach den terroristischen Anschlägen von 2011 wirkt der Y-Block in den Augen der norwegischen Regierungsvertreter wie ein Sicherheitsrisiko: einfach zu nah an der Straße. In der Folge wurde ein Abriss diskutiert. Noch 2015 hatte die Europa Nostra, der seit 1963 von Den Haag aus operierende Verbund von über 400 NGOs und Privatpersonen aus dem Denkmalschutz, den Bau unter die 14 meistgefährdeten Orte des kulturellen Erbes Europas aufgenommen. Es folgten weitere internationale Proteste, doch auch ein Aufruf der Abrissgegner vom Sommer diesen Jahres blieb offensichtlich ohne Erfolg. (kb, 26.7.19)

Oslo, Regierungsviertel, Y-Block (Bild: Mahlum, PD, 2006)

Plauen: Rathaus-Wandbild gerettet

250 Quadratmeter schönste Ostmoderne: In Plauen schufen die Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht 1975/76 am dortigen Rathaus ein großformatiges Wandbild. Das Ergebnis war für ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zur DDR-Zeit außergewöhnlich: ein Mosaik in patentierter Keramikgranulat-Technik in abstrakter Formensprache. Bei der aktuellen Rathaussanierung und -erweiterung wurde in Plauen leidenschaftlich diskutiert: Sollte das Kunstwerk – ganz oder ein Teil davon – erhalten bzw. wiederhergestellt werden? Die dafür notwendigen Freilegungs- und Sanierungskosten wurden auf 100.000 bis 150.000 Euro geschätzt.

Im Juni diesen Jahres sprach sich der Stadtrat grundsätzlich zugunsten des Wandbilds aus. Heute abend meldet die Freie Presse nun den entscheidenden Schritt zur sicheren Rettung des Kunstwerks: Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, und Ralf Oberdorfer, Oberbürgermeister von Plauen, gaben bekannt, dass die Stiftung die Erhaltung des Wandbilds im Rahmen ihres Denkmalprogramms unterstützen wird. Dies bedeutet konkret, dass die Stadt das Vorhaben in die Rathaussanierung einbezieht. Die Wüstenrot Stiftung wird die Arbeiten am Wandbild fachlich begleiten und die Restaurierungskosten tragen. (kb, 16.7.19)

Plauen, Rathaus-Wandbild (Bild: Martin Maleschka)

Oberflächen des Sozialismus

Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus (Bild: VDG-Verlag)
Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus (Bild: VDG-Verlag)

Zu seinen bekanntesten Arbeiten dürfte das großformatige Mosaik am Berliner Haus des Lehrers gehören: Der „Staatskünstler“ Walter Womacka (1925-2010) prägte viele Bauten der Ost-Moderne durch seine Wandbilder, Glasfenster und Mosaike. Womackas Werk ist der erste Beitrag im neuen Buch von Luise Helas, Wilma Rambow und Felix Rössl gewidmet. Sie werfen einen Blick auf „Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus“. In der staatstragenden Kunst des Sozialismus trugen Wandbilder und Betonformsteine nicht nur zur Dekoration bei, sondern häufig auch eine politische Botschaft.

In der grundlegenden Publikation dreht sich im zweiten Beitrag alles um die denkmalpflegerische Bewertung und Behandlung dieser baubezogenen Kunst. An Beispielen wie den Arbeiten von Josep Renau in Halle werden Ansätze aufgezeigt: zwischen Demontage und Zerstörung, Erhaltung und Restaurierung. Der dritte Beitrag widmet sich dem Werk des Weimarer Bildhauers Hubert Schiefelbein. Seine Betonformsteine folgten dem Ideal der industriellen Fertigung und wurden vom Autor daher als „Ornament des Plattenbaus“ betrachtet. (kb, 4.10.4)

Helas, Luise/Rambow, Wilma/Rössl, Felix, Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus, Wandbilder und Betonformsteine, VDG-Verlag, Weimar 2014, ISBN 978-3-95773-171-5.