Durchbasteln bis Weimar

Sie haben genug vom großen Bauhaus-Jubeljahr? Dann gehen Sie die Sache doch klein an: mit einem Bastelbogen. Damit können Sie sich ein Stück Weimar nach Hause holen. Das dortige Haus am Horn wurde vom Maler Georg Muche 1923 zur ersten großen Bauhaus-Ausstellung errichtet. Für die Inneneinrichtung sorgten auch Weimarer Studierende. Auf einer Grundfläche von 12,7 x 12,7 Metern gruppierte man rund um den überhöhten Wohnraum alle übrigen Funktionen: Küche, Speiseraum, Kinderzimmer, Schlaf-, Arbeits- und Gästeräume. Mit neuesten Baukonstruktionen und Baumaterialien wie dreischaligen Wänden aus großformatigen Leichtbetonsteinen mit dazwischenliegender Torfdämmschicht wurde experimentiert, um Bauaufwand und Heizenergie einzusparen.

Im Miniatur-Pappmodell (für die Fenster werden Transparentfolien beigelegt) sind die Dachflächen abnehmbar, so dass sich die Raumaufteilung nachvollziehen lässt. Wer dann endgültig das Kind in sich entdeckt hat, kann mit dem „Bauhaus Spiel- und Bastelbuch“ nachlegen. Neben verständlich aufbereiteten Informationen zur Kunstschule werden Anregungen zum Malen, Basteln und Spielen bereitgestellt. Für Kinder ab (!) 8 Jahren. (kb, 2.12.19)

Modell „Haus am Horn“ (Bild: aws-Verlag)

Moderne hoch drei

Berlin, Dessau und Weimar verbünden sich seit 2013 alle drei Jahre zu einem großangelegten Programm rund um die Architektur des 20. Jahrhunderts. Diese „Triennale der Moderne“ fällt 2019 mit dem Bauhausjahr zusammen und steht unter der Schirmherrschaft des Israelischen Botschafters in Deutsch­land. Die Veranstaltungsreihe von Ausstellungen über Konzerte bis zu Themenführungen versteht sich als Auftakt für ein breiter angelegtes Netzwerk, um „längerfristig noch weitere UNESCO­Welterbestätten des 20. Jahrhunderts für eine Mitwirkung zu gewinnen“.

An diesem Wochenende (4. bis 6. Oktober 2019) steht das Programm in Dessau unter dem Motto „Material und Architektur“: Im Bauhausgebäude wird eine neue Ausstellung des Bauforschungsarchivs präsentiert, in dem Materialien und Objekte zur Architektur der Moderne gesammelt und bewahrt werden. Ein weiteres Highlight ist die Ausstel­lung „Transferumbau“ des Partners The White City Center rund um das Neue Bauen in Tel Aviv. In Berlin folgen vom 11. bis zum 13. Oktober Veranstaltungen rund um das Thema „Welterbe der Moderne“: Das kulturelle Erbe der Moderne geht hier weit über die Anlagen berühmter Bauhaus-Architekten hinaus. So wirft man in der Hauptstadt an diesem Wochenende einen Blick auf die vorlaufenden Reformbewegungen und den Re-Import der Ideen des Neuen Bauens nach 1945. (4.10.19)

Weimar, Van-de-Velde-Bau (Bild: © Bauhaus-Universität Weimar; Foto: Jonas Tegtmeyer)

Designer Wolfgang Dyroff ist tot

Gestern meldete die „Freie Presse“ (und FG Ostmodern fischte die Nachricht aus dem Netz), dass der Fotograf und Designer Wolfgang Dyroff bereits am 4. Oktober in Lilienthal bei Bremen verstorben ist. Geboren wurde Dyroff am 13. April 1923 in Berga in Thüringen. Vor 1945 als ausgebildeter Fotograf tätig, wirkte er nach Kriegsende mit dem Formgestalter Horst Michel am Wiederaufbau der Hochschule in Weimar (heute: Bauhaus-Universität), wo er zugleich seinen Abschluss machte. Gemeinsam mit Michel gestaltete er in dieser Zeit u. a. Spielzeug, darunter eine Holzeisenbahn und einen Bauernhof-Baukasten. In der Folge arbeitete er, weiter in Weimar, am Institut für Innengestaltung.

1959 wechselte Dyroff ans Institut für angewandte Kunst beziehungsweise am Zentralinstitut für Gestaltung, später ans Amt für industrielle Formgestaltung in Berlin, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1989 wirkte. Dyroff war beispielsweise beteiligt am Aussehen des Wartburg 353 und des Trabant P 50, am Handstaubsauber der Marke Omega (vormals VEB Elektrowärme Altenburg), an der Bohrmaschine HGM 250 Multimax, an der Lampe Modell P 605, an Schaltern und Steckdosen des ab den 1960er Jahren äußerst erfolgreichen „Systems 80“. (kb, 13.10.18)

Lichtschalter, System 80 (Bild: PD)