Europa Nostra fürs Haus Am Horn

Das Haus Am Horn in Weimar wird mit dem Europäischen Kulturerbepreis/ Europa Nostra Award 2021 ausgezeichnet. Der Preis wurde 2002 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, seitdem von Europa Nostra organisiert und vom Programm „Kreatives Europa“ der EU gefördert. Wie die Europäische Kommission und Europa Nostra am 25. Mai bekanntgaben, erhält das einstige Musterhaus des Bauhauses den Preis in der Kategorie Erhaltung. Insgesamt werden 24 beispielhafte Leistungen im Bereich des kulturellen Erbes aus 18 Ländern in Europa ausgezeichnet. Die Gewinner wurden im Rahmen einer Online-Veranstaltung mit Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für (Luft holen…) Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, und Hermann Parzinger, Geschäftsführender Präsident von Europa Nostra, bekannt gegeben.

Das Haus Am Horn, das zur Bauhausausstellung 1923 errichtet wurde, ist das erste auf die Bauhaus-Schule zurückgehende realisierte Gebäude überhaupt. Heute ist es Teil des UNESCO-Welterbes „Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. Entworfen wurde es vom erst 27-jährigen Georg Muche, Bauhaus-Direktor Walter Gropius und den Studierenden, gebaut in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Unternehmen. Bereits 1924 wurde es in Privathand verkauft und war mit wechselhafter Geschichte bis in die 1990er Wohnhaus. Seit 1973 steht es unter Denkmalschutz, eine erste Restaurierung fand 1998/99 statt. 2017 ging das seither für Ausstellungen genutzte Gebäude wieder an die Stadt Weimar über, die es der Klassik Stiftung Weimar übertrug. Eine Erneute Restaurierung wurde 2019 abgeschlossen. „Das ikonische Gebäude repräsentiert die Wohnhausentwicklung im 20. Jahrhundert. Zudem ist die Aufmerksamkeit, die der Freifläche und dem landschaftlichen Kontext gewidmet wurde, relevant, da der wiederhergestellte Gemüsegarten Aufschluss über die neue, experimentelle Lebensweise liefert, die vom frühen Bauhaus vorgeschlagen wurde“, so die Aussage der Preisjury. Zu den Projektpartnern der Klassik Stiftung Weimar gehörten die Stadt Weimar als ehemalige Eigentümerin des Grundstücks, der Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar als vorheriger Verwalter, die Denkmalbehörden Weimar und Thüringen sowie der Bund und das Land Thüringen als Förderer im Rahmen des Invest Ost-Programms. (db, 26.5.21)

Weimar, Haus am Horn 2019 (Bild: Steffen Schmitz, CC BY-SA 4.0)

Durchbasteln bis Weimar

Sie haben genug vom großen Bauhaus-Jubeljahr? Dann gehen Sie die Sache doch klein an: mit einem Bastelbogen. Damit können Sie sich ein Stück Weimar nach Hause holen. Das dortige Haus am Horn wurde vom Maler Georg Muche 1923 zur ersten großen Bauhaus-Ausstellung errichtet. Für die Inneneinrichtung sorgten auch Weimarer Studierende. Auf einer Grundfläche von 12,7 x 12,7 Metern gruppierte man rund um den überhöhten Wohnraum alle übrigen Funktionen: Küche, Speiseraum, Kinderzimmer, Schlaf-, Arbeits- und Gästeräume. Mit neuesten Baukonstruktionen und Baumaterialien wie dreischaligen Wänden aus großformatigen Leichtbetonsteinen mit dazwischenliegender Torfdämmschicht wurde experimentiert, um Bauaufwand und Heizenergie einzusparen.

Im Miniatur-Pappmodell (für die Fenster werden Transparentfolien beigelegt) sind die Dachflächen abnehmbar, so dass sich die Raumaufteilung nachvollziehen lässt. Wer dann endgültig das Kind in sich entdeckt hat, kann mit dem „Bauhaus Spiel- und Bastelbuch“ nachlegen. Neben verständlich aufbereiteten Informationen zur Kunstschule werden Anregungen zum Malen, Basteln und Spielen bereitgestellt. Für Kinder ab (!) 8 Jahren. (kb, 2.12.19)

Modell „Haus am Horn“ (Bild: aws-Verlag)

Moderne hoch drei

Berlin, Dessau und Weimar verbünden sich seit 2013 alle drei Jahre zu einem großangelegten Programm rund um die Architektur des 20. Jahrhunderts. Diese „Triennale der Moderne“ fällt 2019 mit dem Bauhausjahr zusammen und steht unter der Schirmherrschaft des Israelischen Botschafters in Deutsch­land. Die Veranstaltungsreihe von Ausstellungen über Konzerte bis zu Themenführungen versteht sich als Auftakt für ein breiter angelegtes Netzwerk, um „längerfristig noch weitere UNESCO­Welterbestätten des 20. Jahrhunderts für eine Mitwirkung zu gewinnen“.

An diesem Wochenende (4. bis 6. Oktober 2019) steht das Programm in Dessau unter dem Motto „Material und Architektur“: Im Bauhausgebäude wird eine neue Ausstellung des Bauforschungsarchivs präsentiert, in dem Materialien und Objekte zur Architektur der Moderne gesammelt und bewahrt werden. Ein weiteres Highlight ist die Ausstel­lung „Transferumbau“ des Partners The White City Center rund um das Neue Bauen in Tel Aviv. In Berlin folgen vom 11. bis zum 13. Oktober Veranstaltungen rund um das Thema „Welterbe der Moderne“: Das kulturelle Erbe der Moderne geht hier weit über die Anlagen berühmter Bauhaus-Architekten hinaus. So wirft man in der Hauptstadt an diesem Wochenende einen Blick auf die vorlaufenden Reformbewegungen und den Re-Import der Ideen des Neuen Bauens nach 1945. (4.10.19)

Weimar, Van-de-Velde-Bau (Bild: © Bauhaus-Universität Weimar; Foto: Jonas Tegtmeyer)