„Bei mir kann geparkt werden“

Im Rahmen der 7. Triennale der Photographie „Breaking Point. Searching for Change“ zeigt das Altonaer Museum die Ausstellung „[RETURN] Fotografie in der Weimarer Republik“. Die Schau gehört zugleich zu den Veranstaltungen der Stadt Hamburg zum „Gedenkjahr 1918/19: Aufbruch in die Demokratie“. Denn gerade die Fotografie begleitet die junge Republik in allen ihren Wandlungen und erfand sich zugleich selbst neu.

Im Altonaer Museum markiert die Ausstellung vier Themenkreise: „Revolution und Republik“, „Vom Slowfox zum Grotesktanz“, „Die Mode der Goldenen Zwanziger“ und „Von der Neuen Sachlichkeit zum Neuen Sehen“. Dabei versteht sich die Bildauswahl als Vorschau auf die Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik 1918-1933“, die 2019 im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein wird. In Altona werden daher ortsgeschichtliche Schwerpunkte gesetzt, indem man mit Fotografien aus dem eigenen Archiv arbeitet.  Ausewählt wurden z. B. Aufnahmen zum „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932. Dieser diente als Vorwand für die Absetzung der preußischen Regierung und die Einschränkung der Grundrechte – und bahnte damit auch dem NS-Staat den Weg. (kb, 9.6.18)

Titelmotiv: Franz Roh, Bei mir kann geparkt werden, um 1925 (Foto: Dr. Richard Hampe)

Bayern: 100 Jahre Wohnungsbau

In Bayern beruft man sich gerne auf jahrhundertealte Traditionen. Der Freistaat selbst feiert jedoch erst in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag: 1918 wurde er im Rahmen der Novemberrevolution ausgerufen. Eine Sonderausstellung des Architekturmuseums der TU München nimmt das Jubiläum zum Anlass, um einen Blick auf 100 Jahre bayerischen Wohnungsbau zu werfen – vom staatlich geförderten Eigenheim bis zur Großwohnsiedlung.

Mit der Gründung der Weimarer Republik erfuhr der soziale Wohnungsbau nicht nur in Bayern eine enorme Bedeutungsaufwertung. So schrieb die Verfassung von 1919 als Staatsziel fest, jedem Bürger eine angemessene Wohnung zu sichern. Davon ausgehend beleuchtet die Ausstellung mit dem einprägsamen Titel „Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen!“ 40 ausgewählte Bau- und Siedlungsprojekte des Freistaates bis ins Jahr 2018. Gesetzesänderungen und politische Kurswechsel, Kriegszerstörungen und Wohnungsnöte finden dabei ebenso Beachtung wie gesellschaftliche Entwicklungen mit direkten Auswirkungen auf den Wohnungsbau. Die Schau stützt sich dabei neben Fotografien und Plänen auf zahlreiche Modelle und historisches Filmmaterial. Sie ist noch bis zum 13. Mai 2018 in München zu sehen. (jr, 15.4.18)

München, Bogenhausen (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Wenzel Habliks Utopien

Architektur, Grafik, Kunsthandwerk – Wenzel Hablik (1881-1934) betätigte sich in jedem dieser Metiers, ohne sich auf eines festzulegen. Der Universalkünstler hatte sich dem Gesamtkunstwerk verschrieben und entwarf in seinen Werken utopisch anmutende Raum- und Bildwelten, die heute als Inkunabeln des deutschen Expressionismus gelten. Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet Wenzel Hablik ab dem 1. September eine eigene Sonderausstellung. Sie ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen.

Konstitutiv für Habliks Arbeiten war seine umfangreiche Kristall- und Naturaliensammlung: Auf der Kristallform fußen zahlreiche seiner utopischen Architekturentwürfe. Nach einem Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag wurde er 1919 von Walter Gropius zur Teilnahme an der „Ausstellung für unbekannte Architekten“ in Berlin ermutigt und stand in den folgenden Jahren mit zahlreichen bedeutenden Künstlern und Architekten der Weimarer Republik im Austausch. Als Lebensmittelpunkt wählte Hablik jedoch nicht das pulsierende Berlin der 1920er, sondern das norddeutsche Itzehoe. In seiner Villa setzte er hier seine holistischen Raumvisionen prototypisch um. Die farbige Gestaltung des Esszimmers von 1923 hat sich unter der später aufgeklebten Tapete erhalten und wurde vor einigen Jahren freigelegt. Eine Rekonstruktion ist als Prunkstück in der Ausstellung zu sehen. (jr, 26.8.17)

Wenzel Hablik: Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis (Bild: © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe)