Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Theresia Enzensberger, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)

Weimars Wiederaufbauministerium

Der Erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich zwar mit einer Niederlage, nicht aber mit einer Zerstörung, die mit der des Jahres 1945 vergleichbar wäre. Die meisten Fronten waren außerhalb des Reichsgebietes verlaufen und Luftangriffe die Ausnahme gewesen. Dennoch sah sich die Weimarer Republik nach 1918 mit verschiedensten Herausforderungen des Wiederaufbaus konfrontiert, die der junge Staat mit der Gründung eines eigenen Ministeriums beantwortete. Eine jüngst erschienene Studie widmet sich der Geschichte dieser Behörde.

Das Reichsministerium für Wiederaufbau befasste sich mit der „Abwicklung des Ersten Weltkriegs“, so der nüchterne Untertitel des Buchs. Tatsächlich vereinte die Behörde dabei verschiedene politische Aufgabenfelder. Zu ihren Aufgaben zählten die Leistung der Reparationen entsprechend dem Versailler Vertrag, die Entschädigung von Geflüchteten und nach dem Krieg Vertriebenen sowie der Wiederaufbau einer Handelsflotte. Sie bestand von 1919 bis 1924 und wurde zeitweise vom späteren Außenminister Walther Rathenau geführt, einer der politischen Schlüsselfiguren der frühen Weimarer Republik. Die Untersuchung nähert sich der Historie des Ministeriums mit den Methoden der Verwaltungsgeschichte an und wertet erstmals den umfangreichen Aktenbestand der Behörde aus, der sich im Bundesarchiv erhalten hat. (jr, 31.5.17)

Hainbuch, Dirk, Das Reichsministerium für Wiederaufbau 1919 bis 1924. Die Abwicklung des Ersten Weltkrieges: Reparationen, Kriegsschäden-Beseitigung, Opferentschädigung und der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte, Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2016, ISBN:9783631698495.

Foto: Detail des Buchcovers (Peter Lang Verlag)

Fritz Nathan: Biografie erschienen

Fritz Nathan: Biografie erschienen

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Fritz Nathan – Architekt (Bild: Birkhaeuser-Verlag)

Fritz Nathan avancierte Ende der 1920er Jahren zu einem renommierten Architekten der Weimarer Republik. Er machte besonders mit dem Bau des Neuen Jüdischen Friedhofs in Frankfurt am Main von sich reden. Von den Nazis ins Exil gezwungen gelang dem jüdischen Architekten in den Vereinigten Staaten der erneute Durchbruch zum etablierten Baumeister. In der Forschungsliteratur hat sich Nathans Bedeutung bisher kaum niedergeschlagen. Jüngst erschien aber eine erste monografische Biografie, die das Werk des Architekten ausführlich würdigt.

Nach einer Ausbildung bei Theodor Fischer in München und Friedrich Pützer und Georg Wickop in Darmstadt gelang Nathan 1927 mit dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt der überregionale Durchbruch. Seine Entwürfe, die zwischen Tradition und Neuem Bauen changierten, überzeugten auch Bauherren außerhalb der Mainmetropole, wo Nathan 1923 ein Büro gegründet hatte. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ konnte der Architekt seinen Beruf jedoch nur noch schwer ausüben, 1940 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Trotz der Schwierigkeiten der Emigration konnte er an seine beruflichen Erfolge anknüpfen und leistete wichtige Beiträge zur modernen Synagogenarchitektur der Vereinigten Staaten. (jr, 18.11.16)

Schenk, Andreas, Fritz Nathan – Architekt. Sein Leben und Werk in Deutschland und im amerikanischen Exil, Birkhäuser Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-03821-087-0.