Die Zukunft des 20. Jahrhunderts

Warum noch über die Architektur einzelner Räume streiten, wenn der Weltraum näher rückt? Es war die Zeit, als man einfach groß denken musste. In den Bildern und Diskussionen des inzwischen vergangenen Jahrhunderts ging es um nichts Geringes als die Zukunft. Ein Thema, das heute Gegenstand der historischen Forschung geworden ist: Die Geschichtswissenschaft wendet sich seit einigen Jahren „den Fragen der Zeitlichkeit“ zu. So auch der Historiker Lucian Hölscher, Professor für Neuere Geschichte und Theorie der Geschichte in Bochum.

Insbesondere Zukunftsentwürfe erfahren demnach heute große Aufmerksamkeit: Sie stellen für Historiker eine Möglichkeit dar, sich historischen Systembrüchen aus ganz neuen Perspektiven zu nähern. Denn die klassische Geschichtsschreibung tendiert dazu, die Vergangenheit als Vorlauf der Gegenwart zu betrachten. Verworfenen oder nicht umgesetzten Ideen und Projekten schenkt sie dagegen nur wenig Beachtung. Die Untersuchung von vergangenen Zukunftskonzepten führt also nicht in geschlossene Geschichtsbilder, sondern löst diese vielmehr auf in eine „Pluralität von Geschichtserzählungen“. Auf diesen Weg nimmt Hölscher den Leser mit in seinem neuesten Sammelband „Die Zukunft des 20. Jahrhunderts“, erschienen im Frankfurter Campus Verlag, folgen (kb, 13.9.17)

Das Sommerheft ist da: Spacedesign

Das Sommerheft ist da: Spacedesign

Balaton, Orion-Bar (Bild: Ády, CC BY SA 3.0, 1971-72, OTRS 2010030810038519)
Soll an das Unbekannte Flugobjekt der Kultserie „Raumpatrouille“ erinnern, die vor 50 Jahren erstmals ausgestrahlt wurde: die ehemalige Orion-Bar (1971) am Ufer des Balaton-Sees (Bild: Ády, CC BY SA 3.0, 1971-72, OTRS 2010030810038519)

Wenn erwachsene Männer sich freiwillig in grellbunte Fantasieuniformen kleiden, wenn Bauten wie Ufos aus dem Fernsehen aussehen (und auch genauso aussehen wollen), dann sind wir unbestreitbar auf dem Höhepunkt der Weltraumbegeisterung. Im Sommerheft von moderneREGIONAL „Spacedesign“ (Redaktion: Karin Berkemann) geht es um den Einfluss der Sternenfahrer auf Baukunst und Design der Moderne.

In seinem Leitartikel fragt Till Raether nach Herkunft und Folgen der nachkriegsmodernen Weltraumbegeisterung. Pamela Voigt führt durch die flauschige Seite des Kalten Kriegs, als der Kunst- zum Baustoff wurde. Matthias Ludwig ergründet die Leichtigkeit der ostdeutschen Hyparschale. Karin Berkemann schaut hinter die Kulissen der klassischen Science-Fiction-Serien. Katharina Sebold testet das Umfeld der Kosmonauten auf Nostalgiehaltigkeit. Sunna Gailhofer träumt mit Archigram von der Zukunft. Im Interview erzählen Erstbewohner und Spätnutzer von Planung und Wirklichkeit im „Planetenviertel“ Garbsen. Für das Porträt hat Daniel Bartetzko im Werk des Autofantasten Flaminio Bertoni gestöbert. Und mit einer kleinen Fotostrecke gratuliert Caspar Reinsberg einem berühmten Planetarium zum 90. Geburtstag. (db/kb/jr 1.8.16)

Weltraumzeiten

Weltraumzeiten

Russische Briefmarke zu Ehren des Starts des Satelliten "Sputnik" im Jahr 1957
Russische Briefmarke zu Ehren des Starts des Satelliten „Sputnik“ im Jahr 1957

In diesem Herbst drehen sich gleich mehrere Veranstaltung um die Weltraumeuphorie der Nachkriegsjahrzehnte. Neben der Frankfurter Ausstellung zum russischen Weltraum-Design richtet das Münchener Zentralinstitut für Kunstgeschichte am 23. September 2015 den Workshop „Geregelte Verhältnisse? Architektur und Planung zwischen Sputnik und Ölkrise“ aus. Demnach schwankten die 1960er Jahre zwischen Planungseuphorie auf der einen und Zukunftsnöten auf der anderen Seite. Der Workshop nimmt fächerübergreifend den Zeitraum 1945-75 in beiden konkurrierenden Systemblöcken des Kalten Krieges in den Blick – und diskutiert die Wechselwirkungen von Wissenschaft und Kunst. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung und weitere Informationen gibt es unter: o.sukrow@zikg.eu.

Im Heidelberger ZEGK-Institut für Europäische Kunstgeschichte findet vom 22. bis zum 25. Oktober 2015 die Konferenz „We are all astronauts. The Image of the Space Traveller in Arts and Media“ statt. Das Tagungsmotto entnahmen die Veranstalter dem Buch “Operating Manual For Spaceship Earth“, in dem der amerikanische Architekt Richard Buckminster Fuller 1968 die Erde mit einem Raumschiff verglich. Sein Zitat entfaltete ein kulturelles Eigenleben und wurde zum Bild des menschlichen Strebens schlechthin. Die internationale und interdisziplinäre Tagung will die Wandlungen untersuchen, die das Bild des „Weltraumeroberers“ in Kunst und Medien genommen hat. Anmeldungen sind bis zum 18. Oktober möglich. (kb, 23.7.15)