Kunst im Vorbeigehen

Wer heute durch die Große Scharrnstraße in Frankfurt (Oder) spaziert, kann ein eindrückliches Zusammenspiel von Kunst, Architektur und Städtebau aus DDR-Zeiten entdecken. Ende der 1980er Jahre wurde die Straße zur ersten Fußgängerzone der Stadt nachverdichtet. Unter der Leitung des Stadtarchitekten Dr. Manfred Vogler sollte ein belebtes Zentrum entstehen. Dabei wurde zahlreichen Künstler:innen die Möglichkeit gegeben, dem Prestigeprojekt individuelle Kunstwerke beizusteuern. Wenngleich die Flaniermeile in der Nachwendezeit von Leerstand geprägt war, blieben die Kunstwerke bis heute bestehen. Die Wohnungsbaugenossenschaft Frankfurt (Oder) eG möchte der Straße nun neues Leben einhauchen, eine Sanierung ist im Gange.

Die Ausstellung “Um Kunst eine Platte machen” ist Teil dieser Wiederbelebung der Großen Scharrnstraße. Studierende der Europa-Universität Viadrina am Lehrstuhl für Denkmalkunde beleuchten die Bedeutung der Kunstwerke für den öffentlichen Raum. Anhand von Interviews mit Zeitzeugen werden die individuellen Biografien der Künstler:innen mit der Umbruchzeit der letzten DDR Jahre in Relation gebracht. Begleitet wird die Ausstellung von der Internetseite “Kunst im Vorbeigehen”, die ein eindrückliches und umfassendes Bild vom Wandel der Großen Scharrnstraße sowie von den Künstler:innen und ihren Werken malt. Die Ausstellung kann noch bis zum 18. Dezember in der Großen Scharrnstraße besucht werden. (re, 24.9.21)

„Kino International“ ist erschienen

Ort von guter Architektur und viel DDR-Geschichte: das Kino International in Berlin (Bild: Reimer-Mann-Verlag)
Ort von guter Architektur und viel DDR-Geschichte: das Kino International in Berlin (Bild: Reimer-Mann-Verlag)

Im letzten Sommer hielten wir wir es wie im Kino und brachten eine Vorschau. Nun ist es wirklich erschienen: Im Reimer-Mann-Verlag kann ein Buch mit den ganz großen Themen aufwarten: zeichenhafte Architektur, glamouröse Filmpremieren und prägende Momente der DDR-Geschichte. Für das Berliner Kino International wählte der Architekt Josef Kaiser (1910 -91) im Jahr 1964 die große Geste, einen vorkragenden Kubus mit Glasfront. Seit nunmehr 50 – also inzwischen 51 – Jahren steht der Filmpalast den Berliner Cineasten an zentraler Stelle offen – damals an der Stalin-, heute an der Karl-Marx-Allee.

Der Berliner Architekt Dietrich Worbs will in seiner Publikation die Details des Bauwerks ebenso vermitteln wie die geschichtlichen Hintergründe. Neben dem Architekten soll auch die Person des Bildhauers Waldemar Grzimek (1918-84) beleuchtet werden, der das Fassadenrelief gestaltete. Nicht zuletzt wird ein Stück DDR-Filmgeschichte lebendig, feierten im International doch so mutige Werke ihre Premiere wie Frank Beyers „Spur der Steine“. Also, jetzt endlich rein in den Buchladen Ihres Vertrauens und nach-lesen! (kb, 27.1.15)

Dietrich Worbs, Das Kino International in Berlin, Reimer-Mann-Verlag, 2015, ca. 160 Seiten, broschiert, 40 Abbildungen, 17 x 24 cm, ISBN 978-3-7861-2711-6.