24 aus 2.548

Nach Verhandlungen mit dem Druckereibesitzer Ernst Litfaß erlaubte der Berliner Polizeipräsident – auch als Zeichen gegen die um sich greifende Wildplakatierung – 1854 1854 das Aufstellen von „Annoncier-Säulen“ – die Litfaßsäule war geboren. Im frühen 20. Jahrhundert wurden sie noch vereinzelt aus Blech gefertigt, vor dem Zweiten Weltkrieg kam bereits verstärkt Beton zum Einsatz. In den letzten Monaten hat sich der Bestand an diesen pittoresken Werbeträgern gelichtet. Das für die Pflege zuständige Unternehmen hat eine Ausschreibung des Senats verloren. Mit dem Ergebnis, dass rund 2500 Exemplare fallen müssen.

Vor diesem Hintergrund hat das Landesdenkmalamt Berlin, wie die Stadt via Pressemeldung bekanntgibt, die amtlich gezählten 2.548 Litfaßsäulen auf ihren Denkmalwert hin überprüft. 24 davon „genießen Denkmalschutz und bleiben als Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte“ erhalten, teilt Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut mit. Die Kulturdenkmäler finden sich in Charlottenburg-Wilmersdorf (6), Kreuzberg-Friedrichshain (5), Mitte (4), Pankow (3), Reinickendorf (3), Steglitz-Zehlendorf (2) und Treptow-Köpenick (1) – manchmal gehören sie zu denkmalgeschützten Siedlungen, Wohnprojekten oder Gartendenkmalen, manchmal handelt es sich um ehemalige Transformatorensäulen. Die vermutlich älteste der werbetragenden Denkmäler, eine Blechsäule aus der Zeit um 1900, steht am Hackeschen Markt. Die jüngste, ein historisierender Nachbau von 1987, gehört zum Nikolaiviertels in Berlin-Mitte. (kb, 11.7.19)

Berlin, U-Bahnhof „Altstadt Spandau“ (Bild: Ingolf, CC BY 2.0, 2013)

Es folgt: Die Werbung

Es folgt: Die Werbung

Continental-werbung (Bild Railweh 10, cc-by-sa-3.0)
Das ideale Accessoire zur autogerechten Stadt (Bild: Railweh 10, cc-by-sa-3.0)

Nur echt mit 52 Zähnen – diesen Slogan eines Hannoveraner Plätzchenbäckers kennt wohl jeder. Und dies ist nicht die einzige Werbung aus der niedersächsischen Hauptstadt, die im Kopf der Vor- und Nachkriegsgenerationen geblieben ist. Auch Firmen wie Continental, Pelikan oder Sprengel machten mit breit angelegten Kampagnen auf ihre Produkte aufmerksam.

Die Ausstellung „Reklamekunst aus Hannover“ lässt Klassiker der Werbung aus den Jahren 1900 bis 1970 Revue passieren, die Produkte aus der Stadt an der Leine anpriesen. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete sich in Deutschland mit der Werbung ein neues Berufsfeld für Gafiker und Designer. Dabei war keineswegs ausgemacht, dass Reklame nur eine Banalität des Alltags sei. Viele sahen in ihr vielmehr eine potentiell anspruchsvolle Form der angewandten Kunst. Die Ausstellung versammelt Werbung nach Entwürfen von Künstlern aus Hannover, aber auch von renommierten Ge­brauchsgrafikern aus ganz Deutschland, unter anderem Änne Koken, Ferdy Horrmeyer und Paul Rademacher und Martel Schwichtenberg. Sie ist bis zum 29. Januar 2017 im Museum August Kestner zu sehen. (jr, 3.10.16)

Der Gummineger muss gehn

Der Gummineger muss gehn

Graz, Gummi-Neger (Bild: D. Bartetzko)
Ein Grazer Traditionsgeschäft: der Gummineger (Bild: D. Bartetzko)

Bitte mailen Sie uns nicht! Der Gummineger ist keine politisch bedenkliche Sprachschöpfung der Redaktion, sondern ein Laden in Graz. Vor gut hundert Jahren wurde er für Kautschukprodukte („Gummi“) aus Afrika („Neger“) in der Grazer Herrengasse gegründet und 1926 kam ein Laden in der Annenstraße hinzu. Zeitweise umfasste die Produktpalette allerlei Nützliches vom Parfüm bis zur Puppe. In den letzten Jahren hatte sich der Familienbetrieb auf maßgeschneiderte Schaumstoffprodukte spezialisiert.

In Mainz muss die Dachdeckerfirma Ernst Neger mit Kritik kämpfen, weil das Firmenlogo des Familienbetriebs einen hammerschwingenden „Eingeborenen“ (hier sind die Anführungszeichen wirklich mal angebracht) zeigt. In Graz erklärt der Gummi-Neger-Geschäftsführer Heinz Siegl den – für unsere politisch korrekten Ohren anstößigen – Ladennamen historisch: Man grenzte sich vom Konkurrenzladen ab, der seinen Kautschuk aus Amerika bezog und sich Gummi-Indianer nannte. Siegl sieht das Ganze pragmatisch: „Früher war Gummi Neger noch ein geschützter Name!“, zitiert ihn das Onlineportal Annenpost. „Aber ich zahle nichts mehr ein, denn wer würde sich heute noch freiwillig so nennen?“ Dass das Traditionsgeschäft nun seinen eigenen Ausverkauf organisiert, hat aber keine politischen Gründe. Altersbedingt will der 72-jährige Siegl sein Metier künftig nur noch als Hobby für Stammkunden betreiben. (db/kb, 8.1.16)