Ruhnau-Haus wird abgerissen

Der Baukünstler Werner Ruhnau ist 2015 gestorben. Sein letztes Wohnhaus, eine 1905 errichte Villa in Essen-Kettwig, wurde von den Erben an einen Investor verkauft – der nichts beseres zu tun hatte, als den Abriss des Jugendstilbaus zugunsten einer Wohnanlage anzukündigen (mR berichtete). In Bevölkerung und Nachbarschaft kam Widerstand auf, der LVR sagte eine Prüfung des Denkmalwerts zu. Aufgrund erfolgter Umbauten fiel diese negativ aus. Die endgültige Ablehnung des Denkmalschutzes erfolgte im Mai 2020. Jetzt könnte es um das ortsbildprägende Haus geschehen sein: Den Mietern wurde gekündigt, der geplante Abriss bei der Stadt angezeigt.

Die Arbeiten könnten Ende Oktober starten, heißt es seitens der Stadt. Die Essener Ratsfraktion der „Tierschutzpartei“ findet hierfür scharfe Worte: „Für die Bevölkerung stellt sich der Denkmalschutz in Essen inzwischen als Totalausfall dar,“ so Ratsherr Marco Trauten gegenüber lokalkompass.de, „Offenbar haben Denkmalbehörde und Stadt aus den Ereignissen rund um den Abriss des Jugendstilhauses am Kaiser-Friedrich-Platz in Werden nichts gelernt.“ Hier wurde 2017 ein repräsentatives Wohnhaus abgerissen und entgegen der Ankündigung die Fassade nicht erhalten. Bis heute klafft an der Stelle des Baus eine Lücke … Die Ruhrmetropole wird immer schöner: Der Abrisswut fällt in Essen gerade neben den letzten erhaltenen Gründerzeitbauten auch das RWE-Hochhaus (1980) zum Opfer. (db, 7.10.20)

Essen, Villa Ruhnau (Bild: Heinz Albers)

60 Jahre MiR

In Gelsenkirchen steht ein Jubiläum der schönen Sorte vor der Tür: Am 15. Dezember 1959 wurde dort das „Neue Theater“ eröffnet. Nach den Plänen des Architekten Werner Ruhnau entstand damals ein Bau, der sich gläsern und damit programmatisch demokratisch zur Stadt hin öffnet. Eine große Bühne für mehr als 1.000 Zuschauer – „eine verwandelbare Black Box, großräumige Seiten- und Hinterbühne, modernste Technik und ein geräumiger, lichtdurchfluteter Zuschauerbereich“, wie die Betreiber des „Musiktheater im Revier“ (MiR) heute schwärmen.

Mit verschiedenen Veranstaltungen rund um den 15. Dezember 2019 feiert das MiR das Jubiläum. Zum runden Geburtstag wird – in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Gelsenkirchen und dem Institut für Stadtgeschichte – u. a. ein eigenes Podiumsgespräch ausgerichtet: Unter dem Titel „Spielräume der Demokratie“ diskutieren am 3. Dezember 2019 um 19.30 Uhr Dr. Frank Schmitz (Hamburg), Dr. Alexandra Apfelbaum (Dortmund), Dr. Daniel Schmidt (Gelsenkirchen) und Clemens Arens (Gelsenkirchen) im Musiktheater Gelsenkirchen. (kb, 24.11.19)

Gelsenkirchen, Theater (Bild: musiktheater-im-revier.de)

Ruhnau-Haus droht Abriss

Zugegeben, dieses Gebäude passt mit Baujahr 1905 nicht direkt in unser Portfolio. Der letzte Eigentümer hingegen umso mehr: Wir sprechen vom ehemaligen Büro und Wohnhaus des Architekten Werner Ruhnau, der – als bewusster Grenzgänger zwischen Bau- und Bildener Kunst – unter anderem das Stadttheater Münster (1955) und das Musiktheater im Revier (1959) mitplante. Seit Anfang der 1980er war Ruhnau Mieter der Stadt Essen-Kettwig, 1995 erwarb er schließlich den Bau mit der wechselvollen Geschichte: Unter der Adresse Bögelsknappen 1 residierten im Lauf der Jahrzehnte unter anderem eine Gaststätte, eine Arztpraxis, ein Kinderkrankenhaus, eine Schwesternschule und eine Musikschule.

Werner Ruhnau ist 2015 verstorben, als Erinnerung an die gemeinsam mit Yves Klein geschaffene blaue Farbkomponente im Gelsenkirchener Musiktheater steht derzeit noch eine Stele im „Gelsenkirchener Blau“ vorm Haus. Noch – denn die Ruhnau-Erben haben die Immobilie nun an einen Investor verkauft. Warum auch immer steht das Gründerzeitensemble nicht unter Denkmalschutz, auch eine erneute Überprüfung brachte kein positives Ergebnis. Somit droht der Abrissbagger: Der neue Besitzer hat auch das Nachbargrundstück erworben und plant drei neue Wohnhäuser. Essen ist nicht gerade als Perle der deutschen Architekturlandschaft bekannt. Umso erstaunlicher ist die Abrissfreudigkeit, mit der man dort den wenigen bemerkenswerten Zeugen des frühen 20. Jahrhunderts begegnet … (db, 6.2.19)

Essen-Kettwig, Wohnhaus Werner Ruhnau (Bild: Heinz Albers)