Wesseling zeigt Zähne

Seit 1992 liegen die Backsteingebäude der „Deutschen Norton“ in Wesseling brach. Der französische Konzern Sait Gobain hatte die 1909 gegründete deutsche Tochter des US-Schleifmittelherstellers übernommen und abgewickelt. Längst hat sich hier einer überregional bekannter Lost Place entwickelt – samt zügellosem Vandalismus: Die bis in die 1970er Jahre stets erweiterten Bauten sind Ruinen. Vor einigen Jahren gab es einen Vorstoß des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), Teile unter Denkmalschutz zu stellen. Man hat nichts mehr davon gehört – ebenso wenig wie von den wechselnden Besitzern des neun Hektar großen Spekulationsobjekts.

Nun baut die Stadt Wesseling Druck auf: Gerade hat der Stadtrat eine Vorkaufsrechtssatzung für das Gelände auf den Weg gebracht, um der jahrzehntelangen Fehlentwicklung Herr zu werden und die Flächen gewerblich nutzbar zu machen. Bürgermeister Erwin Esser: „Eine Abkehr vom Nichtstun ist seitens der Eigentümerin des Geländes ohne stärkeren Druck nicht zu erwarten“. Auch die Vermittlung durch Flächenpool NRW habe seit 2014 zu keiner Einigung geführt. Nach anwaltlicher Beratung kam die nun beschlossene Satzung zur Vorlage. Gemäß Baugesetzbuch kann eine Gemeinde zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung Flächen in Gebieten, in denen sie Baumaßnahmen in Betracht zieht, definieren, an denen ihr ein Vorkaufsrecht zusteht. Vielleicht hilft´s… (db, 13.7.20)

Wesseling, Deutsche Norton (Bild: First-Neutron, CC BY-SA 3.0)