Verrückt – der Comic zum Berliner Schloss

„Na das schönste Erlebnis für einen Zeichner ist natürlich, wenn dein Baby zu Welt kommt, oder besser: wenn du deinen Comic gedruckt in den Händen hälst.“ So beschreibt Sebastian Strombach in einem Interview den freudigen Moment, wie er ihn in diesem Winter wieder erleben konnte, als er die Proofs für sein neuestes Werk „Verrückt“ aus der Knallfolie wickelte. Über die Rekonstruktion des Berliner Schlosses wurde fast doppelt so lange diskutiert, wie die Wiederaufbauarbeiten dauerten. Jetzt setzt nach und nach die Versöhnung, zumindest die Gewöhnung ein – auch künstlerisch. Strombach näherte sich dem strittigen Thema mit dem gespitzten Stift.

Auf doppelseitigen Panoramen wandert er durch die Baugeschichte des Schlosses vom Mittelalter bis in die Moderne. Aus der Sicht eines Flaneurs beleuchtet er aus den unterschiedlichsten Perspektiven die Bauherren und ihre Intentionen – ob Großer Kurfürst oder Walter Ulbricht. Erschienen ist der Band mit den kraftvollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen im urbanophil-Verlag, gestaltet vom Bureau Punktgrau. (kb, 11.12.20)

Strombach, Sebastian, Verrückt. Der Comic zum Berliner Schloss, urbanophil-Verlag, Berlin 2020, 136 Seiten, ISBN 978-3982-0586-2-7.

Jürgen Patzschke ist gestorben

Am 10. September verstarb Jürgen Patzschke im Alter von 81 Jahren. Bekannt wurde er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Rüdiger in den 1990er Jahren als einer der beiden „Adlonarchitekten“. Ihre Pläne für den Wiederaufbau des Grandhotels lösten in den 1990er Jahren eine große Debatte aus – über die Rekonstruktion an sich und im wiedervereinigten Berlin im Besonderen. Die Patzschke-Brüder handelten unter dem tiefen Eindruck der Zerstörung – schon im Kindesalter sollen sie mit Schaudern beobachtet haben, wie man den Stuck von den Gründerzeithäusern schlug.

Studiert hatten beide in Berlin. Auf die Tabula-rasa-Mentalität der Moderne antworteten sie schon früh mit dem Rückgriff auf historische Bau- und Siedlungsformen, die sie nicht postmodern neu arrangierten, sondern möglichst originalgetreu wiederaufleben ließen. Zunächst stieß ihr Ansatz auf wenig Gegenliebe. Doch im Berlin der Wendezeit, unter der Bauverwaltung von Hans Stimmann, rannten sie mit dieser Haltung schließlich offenen Türen ein. Der Erfolg gab ihnen zuletzt Recht, dem Adlon folgten zahlreiche weitere Aufträge – das 1968 begründete Büro wird inzwischen erfolgreich in der nächsten Generation fortgeführt. (jm, 21.9.20)

Berlin, Hotel Adlon (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, via wikimedia commons, 2004)

Im Gespräch: Der Mainzer Ernst-Ludwig-Platz

Lange Zeit wurde der Ernst-Ludwig-Platz vernachlässigt, nun wird er zum Stadtgespräch: Am Donnerstag, den 16. Januar 2020 um 18 Uhr findet im Landesmuseum Mainz eine Gesprächsrunde mit dem Thema „Der Ernst-Ludwig-Platz in Mainz. Ein Freiraum der Nachkriegsmoderne im Spannungsfeld zwischen denkmalpflegerischer Würdigung, städtebaulicher Verdichtung und historisierender Neuschöpfung“ statt. Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz wird mit einem Einführungsvortrag über die Hintergründe des Mainzer Wiederaufbaus informieren und die Entwürfe der beteiligten Planer Egon Hartmann und Ernst May vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Den Rahmen für Vortrag und Gesprächsrunde bildet die aktuelle Ausstellung des Landesmuseums über den Architekten Egon Hartmann. Eine sehenswerte Ausstellung, da Hartmann sowohl in der DDR als auch in der BRD wichtige Positionen bekleidete und für die Nachkriegsarchitektur von der Stalinallee in Berlin bis zum Münchener Stadtteil Neuperlach wesentliche Impulse gab. Der breiten Öffentlichkeit blieb er jedoch bisher weitgehend unbekannt. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen. (mk, 15.01.20)