Schlagwort: Wiederaufbau

Anzeiger-Hochhaus, Hannover (Bild: ChristianSchd, CC by SA 3.0)

Hannover im Film

Sie sind immer noch auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk für die anspruchsvollen Modernisten in ihrem Freundeskreis? Dann könnten wir etwas für Sie haben! Das Filminstitut Hannover überträgt sukzessive die historischen Filmansichten der Niedersachsen-Metropole auf DVD. Jüngst erschien die 20. Ausgabe der Reihe, zu sehen ist unter anderem den Bau des Anzeiger-Hochhauses. Der markante Backsteinbau von Fritz Höger aus den Jahren 1926/27 war das erste Hochhaus der Stadt und eines der ersten im Deutschen Reich.

Die DVD-Edition geht auf das 2004 begonnene Projekt „Sicherung, Nutzbarmachung und Präsentation der Hannover Filme“ der Gesellschaft für Filmstudien zurück. Ziel war es, die 16 mm-Kopie, die in zahlreichen Archiven der Stadt lagerten und dem Verfall entgegendämmerten, zu erfassen, zu restaurieren und schließlich in das digitale Zeitalter zu überführen. Bisher sind unter anderem die Filme „Ein Sommertag im Zoo“ (1971), „Alle machen mit. Der Wiederaufbau von Hannover“ (1960) und „Sinnvolle Freizeit“ (1962) erschienen. (jr, 4.12.18)

Anzeiger-Hochhaus, Hannover (Bild: ChristianSchd, CC BY SA 3.0)

Frankfurt, Taunusanlage 1954 (Bild: Ursula Edelmann)

Frankfurt-Fotos von Ursula Edelmann

Geboren wurde sie 1926 in Berlin, ihre Fotografen-Ausbildung machte sie in Potsdam, bekannt wurde sie durch ihre Wahlheimat Frankfurt: Ursula Edelmann kam 1949 in die Main-Metropole und hielt mit der Kamera die Nachkriegsgeschichte der Stadt fest. Ihr exakter Blick, die ruhige Stimmung, stilistisch näher an der Neuen Sachlichkeit als am hektischen Wiederaufbau, prägten ihre Bilder: Ab 1955 dokumentierte sie für das Hochbauamt die Bauprojekte der Stadt Frankfurt/Main, auch teils kriegszerstörte historische Bauten lichtete sie mit ihrer Linhof Technika ab. Ab den 1960ern fotografierte sie die Kunstwerke der Frankfurter Museen, sodass Edelmanns ikonische Bilder in Kunstbänden weltweite Verbreitung fanden.

Das Museum Bensheim zeigt bis zum 21. Oktober unter dem Titel „Ursula Edelmann – Frankfurt Fotografien“ eine Auswahl ihrer Werke. Vorgenommen hat diese Ursula Edelmann höchstselbst, von Ruhestand ist bei der 92-Jährigen wenig zu merken. Sie fotografiert noch immer Frankfurter Neubauten, allerdings fährt sie nicht mehr mit ihrem NSU Prinz zu den Motiven: Der ist längst Geschichte, ebenso wie vieles, was die Künstlerin einst als gerade fertiggestellten Neubau festhielt. Das geht von der Esso-Tankstelle, an deren Stelle heute das Museum für Moderne Kunst steht, bis zur Berliner Handelsgesellschaft an der Taunusanlage (Sep Ruf/Friedel Steinmeyer, 1954), die 2016 der Spitzhacke zum Opfer fiel. (db, 26.8.18)

Frankfurt, Berliner Handelsgesellschaft 1954 (Bild: Ursula Edelmann)

Kassel, untere Königsstraße im April 1945 (Bild: PD)

Kassel: 75 Jahre Wiederaufbau

Der 75. Gedenktag der Bombardierung Kassels ist für den dortigen Fachbereich Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung der Anlass, um auf die seitdem geführten Diskussionen über den Wiederaufbau zurückzublicken. Gefragt wird nach dem heutigen Stand und der künftigen Entwicklungsfähigkeit wiederaufgebauter Städte wie Kassel. Ziel ist es, auf „das Weiterbauen der Stadt des Wiederaufbaus“ zu schauen. In den Blick kommen vor allem Veränderungen, die städtebauliche Strukturen der Nachkriegszeit in den vergangenen Jahren erfahren haben.

Gesucht werden Beiträge zur für den 22. bis 23. Oktober 2018 geplanten Tagung „75 Jahre Auf- und Weiterbauen in Kassel: Wie entwicklungsfähig ist die wiederaufgebaute Stadt?“. Die Themen sollen entweder direkt die Stadt Kassel oder Räume bzw. Probleme behandeln, die für Kassel fruchtbar gemacht werden können. Die Einsendungen sind willkommen aus der Stadt- und Freiraumplanung, Architektur, Verkehrsplanung, Denkmalpflege, Stadtkultur und Stadtidentität – solange sie gesellschaftliche, kulturelle oder politische Fragen anhand ihrer Spuren im Stadtraum entfalten. Bis zum 30. Mai können an hennecke@uni-kassel gesendet werden: Abstract (max. 2 Seiten, 12pt, 1,5 Zeilenabstand), kurzer Lebenslauf als Fließtext (ca. 10 Zeilen), vollständige Mail- und Postadresse. (kb, 7.5.18)

Kassel, untere Königsstraße im April 1945 (Bild: PD)

"Würzburg. Architektur seit 1918" (Bild: Schnell und Steiner)

100 Jahre Würzburg

Würzburg verbindet man im Allgemeinen nicht mit klassischer Moderne oder Nachkriegsarchitektur. Kein Wunder: Im Schatten der barocken Residenz der Stadt, seit 1981 UNESCO-Welterbe, konnten sich Architektur und Planung des 20. Jahrhunderts kaum behaupten. Eine jüngst erschienene Monographie ändert dies und beleuchtet die Würzburger Architektur der letzten 100 Jahre erstmals umfassend. Sie stellt die baulichen Entwicklungslinien seit 1918 heraus, ordnet sie in Architektur. und Stadtgeschichte ein und nimmt herausragende Einzelbauten in den Blick.

Das Buch charakterisiert Würzburg dabei als repräsentatives Beispiel für Architektur und Planung des 20. Jahrhunderts in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Besonders nach 1945 sah sich die Architektenschaft der unterfränkischen Stadt großen Herausforderungen gegenüber. Würzburg war noch in den letzten Kriegstagen bombardiert worden, die Innenstadt zu 90 % zerstört. Neben dem Wiederaufbau historischer Gebäude wie dem Dom oder der Residenz steht die Würzburger Nachkriegsarchitektur auch für so moderne Bauten wie die Kirche St. Alfons, die 1953/54 nach Entwürfen Hans Schädels errichtet wurde. (jr, 7.7.17)

Sander, Johannes, Würzburg. Architektur seit 1918, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2017, ISBN 978-3-7954-32324.

Reichsministerium für Wiederaufbau (Bild: Lang Verlag)

Weimars Wiederaufbauministerium

Der Erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich zwar mit einer Niederlage, nicht aber mit einer Zerstörung, die mit der des Jahres 1945 vergleichbar wäre. Die meisten Fronten waren außerhalb des Reichsgebietes verlaufen und Luftangriffe die Ausnahme gewesen. Dennoch sah sich die Weimarer Republik nach 1918 mit verschiedensten Herausforderungen des Wiederaufbaus konfrontiert, die der junge Staat mit der Gründung eines eigenen Ministeriums beantwortete. Eine jüngst erschienene Studie widmet sich der Geschichte dieser Behörde.

Das Reichsministerium für Wiederaufbau befasste sich mit der „Abwicklung des Ersten Weltkriegs“, so der nüchterne Untertitel des Buchs. Tatsächlich vereinte die Behörde dabei verschiedene politische Aufgabenfelder. Zu ihren Aufgaben zählten die Leistung der Reparationen entsprechend dem Versailler Vertrag, die Entschädigung von Geflüchteten und nach dem Krieg Vertriebenen sowie der Wiederaufbau einer Handelsflotte. Sie bestand von 1919 bis 1924 und wurde zeitweise vom späteren Außenminister Walther Rathenau geführt, einer der politischen Schlüsselfiguren der frühen Weimarer Republik. Die Untersuchung nähert sich der Historie des Ministeriums mit den Methoden der Verwaltungsgeschichte an und wertet erstmals den umfangreichen Aktenbestand der Behörde aus, der sich im Bundesarchiv erhalten hat. (jr, 31.5.17)

Hainbuch, Dirk, Das Reichsministerium für Wiederaufbau 1919 bis 1924. Die Abwicklung des Ersten Weltkrieges: Reparationen, Kriegsschäden-Beseitigung, Opferentschädigung und der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte, Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2016, ISBN:9783631698495.

Foto: Detail des Buchcovers (Peter Lang Verlag)

Jüdisches Bauen nach 1945

Juedisches Bauen (Bild: Neofelis Verlag)
Jüdisches Bauen (Bild: Neofelis Verlag)

Der Wiederaufbau kriegszerstörter deutscher Städte ist in den letzten Jahren von der Forschung ebenso ausführlich in den Blick genommen worden wie die spezifischen Bauaufgaben der Nachkriegsmoderne und ihre prominenten Vertreter. Eine Ausnahme bildet das jüdische Bauen. Wie konnte jüdisches Lebens in Deutschland nach der Shoah baulich repräsentiert werden? Welche Architekten widmeten sich diesem Aufgabenfeld und wie groß war ihr planerischer Spielraum? Alexandra Klei geht diesen Fragen in ihrer jüngst erschienenen Untersuchung am Beispiel des Architekten Hermann Zvi Guttmann nach.

Guttmann wurde 1917 in Bielitz (heute Bielsko-Biala, Polen) geboren und war ein entscheidender Akteur bei der Etablierung jüdischen Lebens in Nachkriegsdeutschland. Nach seinem Studium in München lebte er ab Anfang der 1950er Jahre in Frankfurt am Main. Sein Werk umfasst unter anderem Synagogen, Gemeindezentren, Altenheime und Jugendräume, zum Beispiel in Düsseldorf, Offenbach am Main, Osnabrück oder Hannover. Die Studie bettet das jüdische Bauen in den Kontext des deutschen Wiederaufbaus ein und liefert damit Einblicke in ein bislang kaum erforschtes Gebiet der Nachkriegsmoderne. (jr, 8.3.17)

Klei, Alexandra, Jüdisches Bauen in Nachkriegsdeutschland. Der Architekt Hermann Zvi Guttmann, Neofelis Verlag, Berlin 2017, ISBN: 978-3-95808-116-1.

Große Pläne für Kassel

Große Pläne für Kassel (Bild: Schüren-Verlag)
Folckert Lüken-Isberner, der Autor von „Große Pläne für Kassel“, berichtete für mR schon über die Treppenstraße (Bild: Schüren-Verlag)

Die Stadtplanung Kassels verbindet man meist mit den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem ambitionierten Wiederaufbau. Doch bereits lange vor den Bombardements existierten Pläne zur grundlegenden Umgestaltung der nordhessischen Großstadt. Der jüngst erschienene Band „Große Pläne für Kassel“ versammelt städtebauliche Utopien und Projekte für Kassel von der Zwischenkriegszeit bis zur Gründung der Bundesrepublik. Auf Grundlage wissenschaftlich bislang noch nicht ausgewerteter Quellen rekonstruiert er am Beispiel Kassel unterschiedliche Spielarten moderner Stadtplanung.

In den 1920er Jahren orientierte sich die Stadt an den Metropolenplanungen Europas. Die Städtebauer träumten von einem überregional bedeutsamen „Groß-Kassel“.  Während der NS-Herrschaft sollte Kassel dagegen zur mustergültigen Gauhauptstadt transformiert werden. Nach den ersten Bombardements entstanden bis 1949 verschiedene Konzepte für den Wiederaufbau. Fast allen Entwürfen gemein ist die Absicht des radikalen Neuaufbaus. Die historische Bebauung und der tradierte Stadtgrundriss fanden darin kaum Berücksichtigung. Die Begründungen für die Radikalität der Planungen variierten mit den politischen Rahmenbedingungen und reichten von der paneuropäischen, über die luftschutzgerechte bis zur modernen Stadt im technisch-funktionalen Sinne. (jr, 18.12.16)

Lüken-Isberner, Folckert, Große Pläne für Kassel. 1919 bis 1949. Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau, Schüren Verlag, Marburg 2016, 272 Seiten, 240 x 290 mm, ISBN 978-3-89472-297-5.

Schinkel vs. Kaiser

Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)
Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)

Es gehört manchmal zum Schicksal der Sport- und Architekturberichterstattung, über bereits vollzogene Niederlagen schreiben zu müssen – so auch in diesem Fall. Das ehemalige Außenministerium der DDR war in Berlin 1967 auf historischem Boden entstanden. Am heute sog. Schinkelplatz war bis 1962 noch die Kriegsruine der Bauakademie zu sehen, die kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel  1836 gestaltet hatte. Eine Backstein-Ikone des Klassizismus mit einem Hang zur konzentrierten Form, wie ihn später die Moderne aufgreifen sollte.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, man erwog einen Wiederaufbau, man erwog einen Neubau, der Neubau gewann. Der Architekt Josef Kaiser (mit Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza) schuf einen 144 Meter langen und zehn Geschosse hohen Riegel mit weißer Kunststoff-Verkleidung (nicht, wie zur Bauzeit angepriesen, emaillierte Platten). Nach dem Ende der DDR fiel der Bau 1995/96 zugunsten einer Rekonstruktion des Schinkelplatzes, auch die Bauakademie sollte wiedererstehen – ein Gerüst mit Plane gibt schon einen Vorgeschmack darauf. Nun entschied der Haushaltsausschuss des Bundestags, die Mittel für die Rekonstruktion für 2017 einzustellen. Ob es Schinkel goutiert hätte, derart über seinen Berufskollegen Kaiser zu „siegen“, sei einmal dahingestellt … (kb, 17.11.16)

Münsters modernes Theater

Muenster Stadtheater (Bild: Rüdiger Wölk, CC-BY-SA 3.0)
Münsters Stadtheater war der erste Theaterneubau der Bundesrepublik (Bild: Rüdiger Wölk, CC BY SA 3.0)

In Münster feiert derzeit der erste Theaterneubau der Bundesrepublik seinen 60. Geburtstag. 1954 begannen die Bauarbeiten in der Voßgasse, die ein modernes Bauwerk nach Plänen eines jungen Architektenteams vorsahen. Nachdem sich der Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt in den ersten Nachkriegsjahren auf die Rekonstruktion historischer Bauten konzentriert hatte, entschied man sich mit dem Neubau für einen modernen Konterpunkt. Im Februar 1956 wurde das Haus mit Mozarts Zauberflöte eröffnet.

Das moderne Theater wurde auf den Trümmern eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbaus errichtet. Es entstand als Gemeinschaftsprojekt der Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau. Bei den Münsteranern sorgte der elegante Bau für Aufsehen. Das auskragende Foyer verlieh dem Zentrum der Stadt eine ungewohnte Mondänität, der Innenraum ist mit seiner Vielzahl an von der Decke hängenden Leuchten bis heute einmalig. In den 1970er Jahren wurde das Theater um einen Sichtbeton-Annexbau erweitert. (jr, 5.3.16)

Bauformen des Gewissens

Die Architekten des Volksfürsorgehauses in Saarbrücken fanden, dass braune Fliesen dem Stadtbild gut täten (Bild: Yannis Popannis, CC_BY_SA 4.0)
Die Architekten des Volksfürsorgehauses in Saarbrücken fanden, dass braune Fliesen dem Stadtbild gut täten (Bild: Yannis Popannis, CC_BY_SA 4.0)

Ende der 1940er Jahre erlebte die Kachel einen beispiellosen Boom, der bis in die 1960er Jahre hinein anhielt. War sie bis dato weitgehend zu einem Nischendasein im feuchten Badezimmer oder der sterilen Arztpraxis verdammt gewesen, beförderten sie die Architekten des Wiederaufbaus zur omnipräsenten Fassadendekoration.

Viele Metropolen Westdeutschlands wetteiferten nach 1945 geradezu darin, ihre Innenstädte in überdimensionale Schwimmbäder zu verwandeln – gerne auch in den modischen Farben hellblau oder lindgrün. Markus Krajewski hat dieser kuriosen Spielart der Fassadengestaltung nun eine eigene Monographie gewidmet. Das Buch fragt abseits von Kostenersparnissen nach den Gründen der Popularität einer Bauform, „die man heute eigenartig bis verstörend einzustufen geneigt ist“. Ist die Hinwendung zur abwaschbaren und streng gerasterten Kachelfassade eine architektonische Überkompensation gesellschaftlicher Prozesse? Wie ist die plötzliche Omnipräsenz einer Bauform zu werten, die vormals sinnbildlich für Hygiene stand und nur in entsprechenden Räumlichkeiten situiert war? Das passende Bildmaterial liefert Fotograf Christian Werner, der mit Köln eine Stadt porträtiert, die der Fliesenästhetik nach 1945 intensiv huldigte. Am 29. Januar wird das Buch um 20:30 Uhr in Berlin (Pro qm, Almstadtstraße 48-50, 10119 Berlin) vorgestellt. (jr, 21.1.16)

Krajewski, Markus: Bauformen des Gewissens. Über Fassaden deutscher Nachkriegsarchitektur. Mit Fotografien von Christian Werner, Kroener Verlag, Stuttgart 2015, 220 Seiten, 80 Farbfotografien, Französische Broschur, ISBN 978-3-520-90801-8.

Aus für Nürnberger Hauptpost

Der Kopfbau der Nürnberger Hauptpost wird wohl bald fallen (Bild: Dalibri, CC_BY_SA 3.0)
Der Kopfbau der Nürnberger Hauptpost wird wohl bald fallen (Bild: Dalibri, CC_BY_SA 3.0)

In Nürnberg wurden jüngst die Siegerenwürfe eines Wettbewerbs zur Neubebauung des Areals der Hauptpost gekürt. Der direkt am Hauptbahnhof gelegene Komplex steht seit 20 Jahren leer und war 2014 an einen Münchner Investor verkauft worden. Eins scheint nach dem Ende des Wettbewerbs klar: Ein Erhalt des gesamten Ensembles ist vom Tisch. Lediglich der denkmalgeschützte Rundbau wird integriert. Die „Stadtbild-Initiative Nürnberg“ hatte den Abriss noch mittels Online-Petition verhindern wollen, jedoch zu wenige Unterstützer gefunden.

Die direkt am Nürnberger Hauptbahnhof gelegene Hauptpost besitzt schon wegen ihrer langen und bewegten Baugeschichte historischen Wert. Der „Rundbau“, der seinen Namen wegen der charakteristischen Form der Straßenfassade erhielt, wurde 1914 begonnen, wegen des Kriegs aber erst 1924 fertig gestellt. Als Erweiterung wurde 1931 der „Kopfbau“ – nun vom Abriss bedroht – im Stil der Neuen Sachlichkeit geplant. Nach der Machtergreifung stoppten die Nationalsozialisten die Arbeiten. Unter Einbeziehung des bereits fertigen Stahlskeletts errichteten sie eine abgewandelte Version mit spitzem Walmdach und Rundbogenarkaden im Erdgeschoss. Im Krieg wurde die Hauptpost massiv beschädigt, beim Wiederaufbau griff man teilweise auf die ursprünglichen Pläne von 1931 zurück. Mit dem Kopfbau verliert Nürnberg ein Bauwerk, das fast ein halbes Jahrhundert Architekturgeschichte in sich vereint. (jr, 31.7.15)

Modernisierung und Wiederaufbau

"Berliner helfen beim Aufbau" (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 183-S93492, Foto: Rudolph, 1948)
„Berliner helfen beim Aufbau“ (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 183-S93492, Foto: Rudolph, 1950)

Wiederaufbau – ein Begriff, der für den Städtebau der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht greift. Vielmehr ging es um „einen langfristigen Prozeß der Modernisierung von Stätten“, so zumindest die These des Experten-Workshops „Zweifache Transformation: Städtebau zwischen Modernisierung und Wiederaufbau (1880–1960)“ vom 21. bis zum 22. November 2014. Veranstalter ist die Universität Paderborn (Warburger Str. 100, 33098 Paderborn, Raum: B3.231), hier die Fakultät für Kulturwissenschaften, dem Historischen Institut.

Der Blick geht von der „Entdeckung der Altstadt“ um 1900 über die Konzepte des Neuen Bauens in den 1920er Jahren bis zu den ideologischen Umgestaltungen der 1930er Jahre. Nach 1945 knüpften viele Akteure an die alten Planungen an – ein bislang häufig wenig beachteter Tatbestand. Daher geht es der Konferenz weniger um die Brüche, als vielmehr um die Kontinuitäten in dieser Entwicklung. In den Vorträgen werden, neben Überblicksthemen, die Städte Braunschweig, Warschau, Frankfurt/Main und Stuttgart behandelt (kb, 12.11.14)