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Wien, Otto-Wagner-Villa mit weiblicher Figur von Ernst Fuchs (Bild: Haferl, CC BY SA 3.0, 2014)

Der NEUE Otto Wagner

Eigentlich sind die Bauten von Otto Wagner (1841-1918) ja etwas zu alt für moderneREGIONAL. Doch der Österreicher gehört nicht nur zu zu den bedeutendsten Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Er zählt auch zu den Wegbereitern jener Moderne, mit der wir uns bei mR bevorzugt beschäftigen. Als einer der Ersten trat Wagner für eine neue Baukunst ein, die konsequent auf Funktion, Konstruktion und Material setzte. Viele seiner Projekte blieben zu Lebzeiten unverstanden und unausgeführt, so etwa der Entwurf für ein Stadtmuseum am Karlsplatz. Die imposante Wiener Postsparkasse (1904-12) hingegen zählt heute zu den Ikonen des auf die Moderne verweisenden Jugendstils.

Der 100. Todestag Otto Wagners gibt es Wien nicht nur (noch bis zum 30. September) die Ausstellung „Post Otto Wagner“ zu bestaunen. Jenseits der großen Ausstellungen und Publikationen fragt am 20. September 2018 in Wien (Museum Karlsplatz) eine Tagung: Wo könnten die Schwerpunkte einer künftigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung liegen? Die Konferenz „Otto Wagner. Neue Perspektiven“ widmet sich Wagner-Themen wie: „Die Großstadt: architektonischer Realismus, Kapitalismus und die Zukunft der Stadt“, „István Medgyaszay und die ‚künstlerische Lösung des Eisenbetonbaues'“ und „Blicke auf Krieg, Serialität und minimales Wohnen“. Die Anmeldung ist online möglich. (kb, 12.9.18)

Wien, Otto-Wagner-Villa mit weiblicher Figur von Ernst Fuchs (Bild: Haferl, CC BY SA 3.0, 2014)

Wien, Kongressbad (Bild: Gugerell, CC0 1.0)

Fundamente der Demokratie

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Die politische Landkarte Europas veränderte sich in der Folge erheblich, neue Nationalstaaten und Staatsformen lösten die alten, oft monarchischen Strukturen ab. Das 100. Jubiläum dieser Transformationsprozesse bildet derzeit die Grundlage für zahlreiche Ausstellungen auf dem ganzen Kontinent. In Wien widmet sich die Schau „Fundamente der Demokratie. Architektur in Österreich – neu gesehen“ der Architektur der ersten österreichischen Republik, die 1918 ausgerufen wurde.

Im Fokus stehen dabei jedoch nicht nur Bauten, die nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie errichtet wurden. Die Ausstellung beleuchtet stattdessen Gebäude, die seit dem Jahr 1900 als Künder gesellschaftlichen Wandels und politischer Reformen auftraten – die Fundamente der Demokratie eben. Betrachtet werden unter anderem das Arbeiterheim Favoriten,  die Wiener Urania, das Vorwärts-Gebäude oder das Kongressbad. Die Ausstellung ist bis zum 14. September im Wiener Ringturm zu sehen. Sie markiert auch das zwanzigjährige Jubiläum der Ausstellungsreihe „Architektur im Ringturm“, die 1998 begründet wurde. (jr, 30.7.18)

Wien, Kongressbad (Bild: Gugerell, CC0 1.0)

Wien, Deutsche Botschaft (Bild: Nérostrateur, CC-BY-SA 3.0)

Schlechte Botschaft aus Wien

Oder, wie der Wiener Standard es schon im vergangenen Jahr formuliert hat: Das Ende der frohen Botschaft! In der österreichischen Hauptstadt verschwindet gerade ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte. Das Botschaftsgebäude der Bundesrepublik Deutschland, 1959 bis 1964 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod errichtet, wird derzeit abgerissen. Das Bundesbauministerium hatte zwar ursprünglich die Sanierung geplant, sich 2015 dann aber doch für Beseitigung und Neubau entschieden. Die Gründe waren die üblichen: zu klein, energetisch veraltet und feuerschutztechnisch überholungsbedürftig – ein Neubau also billiger.

Das Leipziger Büro Schulz+Schulz hat mit seinen Plänen den ersten Platz im Wettbewerb gemacht und darf bauen, sobald der Gutbrod weg ist. Neben aller Frage von Baukultur, Qualität und/oder angebrachtem Kulturpessimismus: Was mit dem Altbau auf jeden Fall verschwindet, ist ein einzigartiges historisches Zeugnis. Nämlich darüber, wie sich die blutjunge Bundesrepublik in der noch jüngeren Zweiten Republik Österreich nach den gemeinsam durchlebten Schrecken der Nazizeit präsentiert hat. Als „Läuterung vom Albert-Speer-Gigantismus“ und „Meisterwerk der Vermeidung des Monumentalen“ hat der Standard das Bauwerk bezeichnet. Oder eben als „frohe Botschaft“. Aber die ist jetzt zu Ende. (rl, 28.6.18)

Wien, Deutsche Botschaft (Bild: Nérostrateur, CC BY SA 3.0)

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier)

Post Otto Wagner

Vor 100 Jahren verstarb der „Vater der Moderne“, der österreichische Architekt Otto Wagner. Zu seinen Hauptwerken zählt – neben den Projekten für die Wiener Stadtbahn oder der Kirche St. Leopold am Steinhof – die Wiener Postsparkasse, die zum Jubiläum ihres Erbauers eine eigene Ausstellung erhält. Vom 30. Mai bis zum 30. September ist in Wien in der MAK-Ausstellungshalle „Post Otto Wagner. Von der Postsparkasse zur Postmoderne“  zu sehen.

Die Präsentation schlägt einen weiten Bogen, will Wagners Impulse für die Vorreiter der Moderne zu seiner Zeit, aber auch für folgende Generationen von Architekten und Designern aufzeigen. So wird die Abkehr Wagners von der Schmuckfreude des Historismus dargelegt, aber ebenso der Stilpluralismus der Wagner-Schule nach 1900, der eine große Nähe zur Postmoderne aufweist. Ein großes Plus für alle Besucher: Mit ihrer MAK-Eintrittskarte können sie kostenfrei auch die Postsparkasse mit einer eigenen kleinen Präsentation genießen. Begleitend zur Wagner-Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation im Birkhäuser Verlag. (kb, 13.5.18)

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier).

Budapest, Neue Häuser im Bau, alte vor Abbruch, 1970 (Bild: Fortepan 47356, Orig. Óbudai Múzeum)

Wien | Budapest

Budapest und Wien gelten als „Schwesterstädte“, die zu Zeiten der Donaumonarchie auch architektonisch gemeinsame Wege beschritten. Aber wie verlief die städtebauliche Entwicklung nach 1918, mit dem Aufkommen der Moderne?  Eine Antwort unternimmt die Ausstellung „Metropolen: Wien | Budapest“ in der Reihe „Architektur im Ringturm“, die sich die Zeit zwischen 1918 und 1970 vorgenommen hat. Ausgewählte Stadtbildpaare in direkter Gegenüberstellung geben Auskunft über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Architektur und Kultur. Dabei darf auch ein Exkurs über die Donau, die die beiden Städte miteinander verbindet, und die Urbanisierung ihrer Flusslandschaften nicht fehlen.

Die aktuelle Schau versteht sich als Fortsetzung der im Frühjahr 2015 gezeigten Ausstellung über das architektonische Erbe der beiden Donaumetropolen Wien und Budapest aus der k. u. k. Gründerzeit. Die Ausstellung „Metropolen: Wien | Budapest“ ist im Ausstellungszentrum im Ringturm (Schottenring 30, 1010 Wien) noch bis 8. Juni 2018 zum zu sehen. (kb, 24.3.18)

Budapest, Neue Häuser im Bau, alte vor Abbruch, 1970 (Bild: Fortepan 47356, Orig. Óbudai Múzeum)