Bedrohte Moderne in Wilmersdorf

Bedrohte Moderne in Wilmersdorf

Berlin-Wilmersdorf, Willy Hoffmann, Postvermittlungsstelle (Bild: Ulrich Borgert)
Die Treppenhäuser von Willy Hoffmanns Postvermittlungsstelle in Berlin-Wilmersdorf weisen bereits Spuren des Abrisses auf (Bild: Ulrich Borgert)

In Berlin-Wilmersdorf droht ein Stück klassische Moderne sang- und klanglos zu verschwinden. Am Hochmeisterplatz rollten kurz vor Jahresende 2015 unvermittelt Bagger an und rückten der ehemaligen Postvermittlungsstelle zu Leibe. Sie soll einer großangelegten Wohnbebauung weichen. Offenbar scheint der Investor mit dem Abriss Fakten schaffen zu wollen: Nach Informationen der Berliner Woche lagen zum Zeitpunkt des Abrissbeginns weder Bauantrag noch -genehmigung für die Nachfolgebauten an.

Die Postvermittlungsstelle ist zwar ein bedeutendes Beispiel neu-sachlicher Architektur in Berlin, steht aber bislang nicht unter Denkmalschutz. Sie wurde 1931-33 nach Plänen Willy Hoffmanns unter Mitarbeit des Statikers Gerhard Mensch errichtet. Mit seinem Stahlskelett, das Flexibilität bei der Aufteilung der einzelnen Geschosse garantierte und einer Fassade im Stile der Neuen Sachlichkeit war die Postvermittlungsstelle zur Eröffnung hochmodern. Das Bauwerk korrespondiert mit dem benachbarten, ebenfalls Anfang der 1930er Jahre erbauten WOGA-Komplex von Erich Mendelsohn. Doch es ist fraglich, ob es nach den ersten Abbrucharbeiten noch Chancen auf einen Erhalt gibt. (jr, 4.2.16)

Das moderne Charlottenburg

Gedächtniskirche, Kongresszentrum, Corbusierhaus – die Liste berühmter Bauten der Nachkriegszeit in Berlin-Charlottenburg ist lang. Bis zum 31. August 2014 zeigt das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf daher in der Villa Oppenheim mit der Ausstellung „Nachkriegsmoderne“ Fotografien der noch erhaltenen und bereits verlorenen Baukunstwerke im zentralen Stadtteil. Nach 1945 präsentierte sich West-Berlin fortschrittlich – und moderne Architektur wurde zum Zeichen des von den Alliierten geförderten Wiederaufbaus.

Bedeutende Kulturbauten wie die Deutsche Oper oder der Konzertsaal der Universität der Künste werden in der Ausstellung ebenso thematisiert, wie Büro-Geschäftshäuser vom Breitscheidplatz bis zum 1953 umbenannten Ernst-Reuter-Platz. Kaum ein Bau verkörperte dabei das Neue Wohnen so aussagekräftig wie das Corbusierhaus von 1957/58. Heute, 25 Jahre nach Mauerfall, sind einige dieser Baukunstwerke bereits getilgt oder ersetzt, darunter das Schimmelpfeng-Haus der Architekten Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller von 1960. Begleitend zur Ausstellung werden Stadtrundgänge und ein umfassender Architekturführer zur Nachkriegsmoderne angeboten. Am Tag des offenen Denkmals, dem 14. September 2014, kann man – nach telefonischer Vornameldung (030/902924106) – um 11 Uhr an einer Führung durch die Kuratorin Mila Hacke teilnehmen. (kb, 11.5./8.9.14)

Jewish Architecture (Bild: TU Braunschweig)