Abgetankt

Abgetankt

Die Tankstellen der 50er Jahre präsentieren sich heute oft zweckentfremdet (Bild: Joachim Gies)
Die Tankstellen der 50er Jahre präsentieren sich heute oft zweckentfremdet (Bild: Joachim Gies)

Tankstellen sind heute in der Regel kleine Supermärkte. Wer am Sonntag nochmal schnell zur Tanke will, hat nicht unbedingt ein Auto. Vielleicht füllt er seinen Lottoschein aus, besorgt Brötchen für den Frühstückstisch oder kauft die beim Großeinkauf vergessene Butter. Die Zeiten, in der Tankstellen ausschließlich dem Erwerb von Kraftstoff dienten und dem Statussymbol Auto mit baulicher Eleganz beikamen, scheinen jedenfalls vorbei zu sein.

Die Ausstellung „Abgetankt“ zeigt vom 4. März bis zum 24. April 2015 im Düsseldorfer Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf), was aus den Tankstellen der Zeit des „Wirtschaftswunders“ wurde. Die präsentierten Arbeiten sind das Ergebnis einer Spurensuche, auf die sich Joachim Gies im Rahmen der Abschlussarbeit seines Fotografiestudiums begab. Dazu klapperte er über 250 ehemalige Tankstellen in Nordrhein-Westfalen ab. Der Schwung der 50er ist bei vielen der Bauten noch spürbar, allerdings beherbergen sie heute Schnellimbisse, Wohnungen oder Autowerkstätten. Einige sind auch dem Verfall Preis gegeben. Wer es nicht zu Ausstellung nach Düsseldorf schafft, findet eine Auswahl der Fotografien in einem Bildband, der über den Autor zu bestellen ist. (jr, 2.3.15)

Bremens moderne Baugeschichte

Bremens moderne Baugeschichte

Bremen und seine Bauten 1950 - 1979 (Bild: bz.b)
Bremen und seine Bauten 1950 – 1979 (Bild: bz.b)

Der Wiederaufbau kriesgzerstörter deutscher Städte sorgte nach 1945 für heftige Kontroversen unter Fachleuten und Laien. Wie sollte sich die Nachkriegsmoderne konkret gestalten? Welche Traditionen sollte man wieder aufgreifen, mit welchen radikal brechen?  Die jüngst vorgestellte Monographie „Bremen und seine Bauten 1950-1979“ zeichnet diese  Debatten und Entwicklungen am Beispiel der Hansestadt nach. Am Tag der Buchvorstellung wurde unter dem Titel „Architektur auf der Spur“ außerdem eine studentische Ausstellung zum Thema eröffnet, die noch bis zum 24. Oktober im Haus der Bürgerschaft (Am Markt 20, 28195 Bremen) zu sehen ist.

Das Buch beleuchtet die Geschichte der Bremer Nachkriegsmoderne in zwei Abschnitten. Der erste nimmt den Zeitraum 1950 bis 1964 in den Blick. Im Mittelpunkt stehen hier der von Wohnungsnot und hastiger Planung geprägte Aufbau, aber auch die Suche nach einem zeitgemäßen architektonischen Ausdruck. Im zweiten Abschnitt, der die Jahre 1965 bis 1979 fokussiert, stehen die Euphorie der Zeit des „Wirtschaftswunders“ und ihr allmähliches Versiegen im Vordergrund.  Jedem Abschnitt ist ein umfangreicher Katalogteil zugeordnet, der herausragende oder typische Bremer Bauten des beschriebenen Zeitabschnitts porträtiert. Der Autor, Prof. Dr. Eberhard Syring, lehrt an der School of Architecture der Hochschule Bremen und leitet das Bremer Zentrum für Baukultur. (jr, 10.10.14)

Syring, Eberhard, Bremen und seine Bauten 1950-1979, Schünemannverlag, Bremen 2014, 496 Seiten, ISBN 978-3-944552-30-9.