WOGA-Gate

Seit Monaten erhitzt der WOGA-Komplex in Berlin die Gemüter. Das 1925 bis 1931 von Erich Mendelsohn erbaute Wohnviertel soll nach den Plänen eines Investors verdichtet werden. Die denkmalgeschützten Tennisplätze und Grünanlagen müssten dabei einem Wohnhaus weichen. Nun meldet die Berliner Morgenpost, dass die Bezirksverordnetenversammlung in Charlottenburg-Wilmersdorf einen Untersuchungsausschuss zur Sache einrichtet. Möglicherweise suggerierte das Berliner Stadtentwicklungsamt dem Investor wider besseres Wissen, dass eine Verdichtung des Areals unproblematisch und durchführbar sei. Die Bezirksverordnetenversammlung hatte sich dagegen für den Erhalt des Ensembles ausgesprochen, befürchtet jedoch nun für den Fall weiteren Widerstands eine millionenschwere Klage des Investors.

Mendelsohn errichtete mit dem WOGA-Komplex Ende der 1920er Jahre eine Wohnsiedlung, die ihren Bewohnern mit den Grünflächen und Tennisplätzen ein eigenes Naherholungsgebiet bot. Unter anderem schwangen hier Erich Kästner, Vladimir Nabokov und Willy Brandt die Schläger. Derzeit liegen die Sportstätten brach. Die geplante Bebauung der Fläche mit einem Appartementhaus würde den Charakter des Bauensembles jedoch nachhaltig verändern. (jr, 23.5.17)

Berlin, die überwucherten Tennisplätze im WOGA-Komplex (Bild: Uli Borgert)

WOGA-Komplex: Wie geht’s weiter?

WOGA-Komplex: Wie geht’s weiter?

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Der von Erich Mendelsohn entworfene WOGA-Komplex in Berlin: Nur die Markierungen lassen die bedrohten Tennisplätze noch erahnen (Bild: UIi Borgert)

Dem WOGA-Komplex, der zwischen 1925 und 1931 nach Plänen Erich Mendelsohns in Berlin errichtet wurde, droht nach wie vor eine ungewisse Zukunft. So ist das städtebauliche Ensemble zwar denkmalgeschützt, ein Investor plant jedoch eine umstrittene “Verdichtung” des Quartiers. Während Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller Ende Juli diesen Jahres die Maßnahme noch befürwortete, nahm die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf noch kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus einen Antrag zum Erhalt einstimmig an.

Von der Verdichtung werden konkret die Tennisplätze des Komplexes bedroht. Mendelsohn konzipierte das Gebäudeensemble als Stadt in der Stadt, die den Bewohnern  auch die Möglichkeit zu Erholung und sportlicher Betätigung bot. Und die Planung ging auf: Bis in die 2000er sausten im begrünten Innenhof der Anlage regelmäßig gelbe Bälle durch die Luft, unter anderem vergnügten sich Erich Kästner, Vladimir Nabokov und Willy Brandt auf den Tennisplätzen. Die Befürworter neuer Bauprojekte im Komplex argumentieren dagegen, dass bereits in Mendelsohns Planung eine Verdichtungsoption angelegt war, und der Denkmalschutz die Tennisplätze nicht einschließe. Es wird spannend, wie sich die neue Berliner Regierungskoalition in dieser Frage positioniert. (jr, 1.10.16)

Was wird aus dem WOGA-Komplex?

Was wird aus dem WOGA-Komplex?

Tennisplätze WOGA-Komplex (Bild: Lorenz Gebhard)
Die Tennisplätze des WOGA-Komplex’ (Bild: Lorenz Gebhard)

In Berlin sieht sich Erich Mendelsohns WOGA-Komplex durch eine nachträgliche bauliche Verdichtung bedroht. Im Inneren des Bauensembles befinden sich großzügige Freiflächen und Tennisplätze, die Mendelsohn zur Erholung und sportlichen Betätigung der Anwohner anlegte. Seit 2007 liegen die Sportfelder brach, Initiativen zur Wiederbelebung scheiterten bislang. Mittlerweile wurden sie an Investoren verkauft, welche die Sportanlagen  mit Wohnhäusern überbauen möchten. Jüngst wurde ein entsprechender Bauantrag gestellt. Voraussetzung wäre eine Aufhebung des Denkmalschutzes, der für die Gesamtanlage gilt.

Der WOGA-Komplex wurde zwischen 1925 und 1931 fertiggestellt und gilt als Mendelsohns städtebauliches Hauptwerk. Der Architekt realisierte hier mitten in Berlin eine Stadt in der Stadt mit Wohnhäusern, Kulturstätten, Einkaufsmöglichkeiten und Freiflächen. 1930-1932 plante Mendelsohns Büro selbst eine Nachverdichtung durch drei Wohnhäuser, die nun von Befürwortern einer Bebauung ins Feld geführt wird. Dieses Projekt ist nach übereinstimmender Aussage der Mendelsohnexpertinnen Prof. Dr. Regina Stephan und Prof. Dr. Kathleen James-Chakraborty aber eher als Zugeständnis an die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1903er Jahre zu verstehen. Der Architekt selbst äußerte sich nicht zu dieser Planung und publizierte sie im Gegensatz zu seinen anderen Arbeiten nie. (jr, 2.5.16)