Offene Moderne

Es geht um nicht weniger als sein “Hauptwerk der Wiener Moderne”, so die Veranstalter des Symposions “Offene Moderne. Zur Zukunft der Villa Beer”. Anlass ist die bevorstehende Renovierung der Villa Beer, entworfen von Josef Frank und Oskar Wlach. Frank wird zu den herausragenden Architekten der Generation nach Adolf Loos gezählt, auch wenn ihm selbst diese Schublade nicht immer behagte. Sein 1929/30 in Wien-Hietzing erstelltes Werk gilt als sein wichtigstes Wohnhaus, zugleich als Manifest seiner Auffassung modernen Wohnens, die er im Schlüsseltext „Das Haus als Weg und Platz“ nach Fertigstellung des Hauses darlegt.

Die Tagung, eine Veranstaltung in Kooperation von DOCOMOMO Austria und ÖGFA, findet vom 25. bis zum 26. Februar in den Räumen des ÖIAV (Eschenbachgasse 9, 1010 Wien) oder via Zoom (https://us02web.zoom.us/j/85997239085, Meeting-ID: 859 9723 9085) statt. Hier wollen sich die Expert:innen der Frage stellen, was genau der interessierten Öffentlichkeit künftig in der Villa Beer vermittelt werden soll. Angedacht ist ein „umgekehrter Entwurfsprozess“: von der Analyse zur Erhaltung und Sichtbarmachung des Vorhandenen. Aber wie verträgt sich ein solch fachlicher Ansatz mit den ebenso berechtigten Ansprüchen von Bautechnik und Nutzer:innen? bautechnischen Herausforderungen und aktuellen Nutzungsansprüchen? Geplant sind im Verlauf der Tagung Sektionen mit je zwei Vorträgen, einer folgenden Respondenz und Diskussion. Vom eröffnenden Abendvortrag über zwei Konferenztage hinweg sollen Einzelthemen zur Villa Beer ebenso behandelt werden wie der darüber hinaus weisende, internationale Kontext. In einem abschließenden Einheit widmet sich das Symposion einem Ausblick auf das kommende „Hausmuseums der Wiener Moderne“. (kb, 22.2.22)

Wien, Haus Beer, Josef Frank (Bild: Wolfgang Thaler, 2017)

Wien, Haus Beer, Josef Frank (Bilder: Wolfgang Thaler, 2017)

Wohnen 60 70 80

In den kommenden Tagen und Wochen stellt die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) virtuell auf ihrem Instagram-Kanal eine neue Ausstellung vor: Nicht weniger will man bieten als “erstmals einen Überblick über die in Deutschland als Denkmäler erfassten Wohngebäude und Siedlungen dieser Zeit”. Unter dem Titel “Wohnen 60 70 80” soll – vom Einfamilienhaus über Siedlung und Hochhaus bis zum Experimentalbau – die ganze Breite des nachkriegsmodernen Bauens ausgelotet werden.

Damit rückt das Projekt eine Epoche in den Mittelpunkt, die mit “jungen Denkmalen” noch um die allgemeine Anerkennung werben muss. An gut dokumentierten Beispielen soll die Geschichte des Bauens und Wohnens in der jungen BRD und DDR lebendig gemacht werden. Es geht den Verantwortlichen nicht darum, prominente Vertreter der Architekturgeschichte erneut zu präsentieren. Stattdessen will man konkrete Foschungsergebnisse aus der Arbeit der staatlichen Denkmalpflege vorstellen – zusammengetragen von der VdL-Arbeitsgruppe Inventarisation. Eine analoge Wanderausstellung mit Film, Publikation und Zeitung soll folgen, sobald Corona es zulässt. (kb, 8.11.20)

Begleitend wird auf der VdL-Homepgage eine “Messezeitung” zum Thema als Download angeboten. Dort kann man auch das nicht minder lesenswerte Workbook von Denkmal Europa bestellen oder downloaden.

Bilder: Visualisierung der (virtuellen) Ausstellung “Wohnen 60 70 80” der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) (Bild: VdL, via instagram)

(K)ein Idyll

Der Traum von den eigenen vier Wänden. Aus dem kleinen Häuschen in der Arbeitersiedlung wird in den Nachkriegsjahrzehnten der fast obligatorische Bausparvertrag für die grüne Wiese. Was die Bau- und Immobilienwirtschaft seinerzeit freute, befindet sich heute oft im Generationsumbruch. Die Erben oder neuen Eigentümer stehen vor der Herausforderung, das alte Konzept an ihre neuen Bedürfnisse anzupassen. Vor diesem Hintergrund will der Journalist Stefan Hartmann mit seiner Publikation “(K)ein Idyll”, frisch erschienen im Triest-Verlag, mehr bieten als eine Geschichte des Einfamilienhauses. Vielmehr legt er den Finger in die wohnpolitische Wunde und sucht nach neuen Wegen für ein angestammtes Siedlungskonzept.

Ein Kernproblem sieht Hartmann in der aufgelockerten Bauweise, welche die leeren Kassen der Gemeinden ebenso belaste wie das knappe Zeitbudget der Bewohner. Als Ausweg stellt er mögliche Szenarien vor, um bestehende Einfamilienhausgebiete neu betrachten und weiterentwickeln zu können. Zu seinen Nutzungsstrategien zählen neben der Erhaltung auch die Sanierung und maßvolle Verdichtung. Das Buch “(K)ein Idyll” wird bereichert durch ein Fotoessay von Retro Schlatter.

Hartmann, Stefan, (K)ein Idyll – das Einfamilienhaus. Eine Wohnform in der Sackgasse, Zürich 2020, Triest-Verlag, 176 Seiten, 20 x 27 cm, Klappenbroschur, ISBN: 978-3038630265.

Titelmotiv: Buchcover, Detail