Neue Heime

Das Hamburger Wohnbauunternehmen „Neue Heimat“ wurde 1926 aus der Taufe gehoben, 1933 von der Deutschen Arbeitsfront übernommen und 1950 wiederbegründet. In den folgenden Jahrzehnten avancierte das Unternehmen zur größten Wohnungsbaugesellschaft der nicht-kommunistischen Welt. Über ein halbes Jahrhundert lang setzte der gewerkschaftseigene Konzern im deutschen Wohnungs- und Städtebau Maßstäbe. Doch in den späten Jahren verheddert sich die Neue Heimat zunehmend in Expansionen, Tochtergesellschaften und Auslandsbeteiligungen. 1982 beschleunigte dann ein Korruptionsskandal das Ende der Neuen Heimat, die ab 1986 vollständig abgewickelt wurde.

Für viele schien damals mit der Neuen Heimat auch das Wohlfahrtsversprechen der Nachkriegsmoderne zu Grabe getragen. Rückblickend wird diese Phase des bundesdeutschen Städte- und Wohnungsbaus gerade wiederentdeckt. Vor diesem Hintergrund untersucht die aktuell bei DOM Publishers erschienene Publikation „Neue Heime als Grundzellen eines gesundes Staates“ erstmals die Konzernzeitschrift „Neue Heimat Monatshefte“ der 1950er bis 1970er Jahre. Für das Frühjahr 2019 ist in der Pinakothek der Moderne (Architekturmuseum der TU München) die Ausstellung „Die Neue Heimat (1950-1986). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten“ geplant. (kb, 28.10.18)

Mönninger, Michael, „Neue Heime als Grundzellen eines gesunden Staates“. Städte- und Wohnungsbau der Nachkriegsmoderne. Die Konzernzeitschrift Neue Heimat Monatshefte 1954-1981, Berlin 2018, Dom Publishers, 21 × 23  cm, 480 Seiten, 300 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-504-3.

Stuttgart-Rot, Neue-Heimat-Siedlung (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2017)

Stuttgart: 130 Jahre Häuslebau

Schaffe, schaffe, Häusle baue – dass dieses schwäbische Motto kein reines Klischee ist und durchaus mit guter Architektur vwerbunden werden kann, zeigt die jüngst erschienene Monografie „WohnOrte²“. Das Buch versammelt 90 Projekte aus 130 Jahren Wohnbaugeschichte in Stuttgart. Es knüpft damit an den 2002 / 2004 erschienenen Vorgänger „WohnOrte“ an. Anlass für die Fortsetzung sind  das 90-jährige Jubiläum der Weißenhofsiedlung im Jahr 2017, die Aufnahme von Le Corbusiers Beitrag in die Welterbe-Liste der UNESCO 2016 sowie die Überlegungen zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadt-Region Stuttgart, die für das Jahr 2027 geplant ist.

Prominentester Vertreter des Stuttgarter Wohnungsbaus ist natürlich die legendäre Weißenhofsiedlung, die auch das Cover des Buches ziert. 1927 realisierten hier Architekten aus aller Welt Prototypen für den Wohnungsbau der Zukunft realisierten. Doch auch andere Projekte zeugen von der Vielseitigkeit der Stuttgarter Wohnarchitektur, so zum Beispiel das Eisenbahnerdörfle, die Wohntürme Romeo und Julia von Hans Scharoun oder die Fasanenhofsiedlung. (jr, 27.8.18)

Simon-Philipp, Christina (Hg.), WohnOrte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890 bis 2017. Entwicklungen und Perspektiven, Karl Krämer Verlag Stuttgart 2017, ISBN 978-3-7828-1325-9.

Scharoun, Hochhäuser Romeo und Julia, Stuttgart (Bild: pjt, CC BY SA 3.0)

Berlin und der NS-Wohnungsbau

Seit 2008 sind die Siedlungen der Berliner Moderne offiziell als UNESCO-Welterbe anerkannt. Die modernen Wohnhöfe und Zeilenbauten aus den Jahren 1913 bis 1934 sind in der ganzen Stadt verteilt und inzwischen als Symbole des Neuen Bauens weltberühmt – allen voran Bruno Tauts Hufeisensiedlung. Weniger bekannt ist der Wohnungsbau der Jahre der nationalsozialistischen Diktatur 1933 bis 1945. Die jüngst publizierte Dissertation von Michael Haben schließt diese Forschungslücke.

Ein eigenständiges, konsistentes Berliner Wohnungsbaukonzept legten die neuen Machthaber nur in Form propagandistischer Phrasen vor. Wenngleich die Nationalsozialisten auch führende Architekten des Neuen Bauens wie Bruno Taut oder Martin Wagner ins Exil trieben, zeigten sich im Berliner Wohnungsbau doch erstaunliche personelle Kontinuitäten. Quantitativ konnte der Wohnungsbau Nazideutschlands den der Weimarer Republik aller Propaganda zum Trotz nicht erreichen. Die Untersuchung belegt dies einer umfangreichen Bestandsaufnahme des NS-Wohnungsbaus in der Hauptstadt, die sie auf Jahre hinaus zum Standardwerk machen wird. (jr, 17.5.18)

Haben, Michael, Berliner Wohnungsbau 1933-1945. Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Siedlungsvorhaben, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-7861-2786-4 .