Dresden ehrt Wolfgang Hänsch

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) soll einen geeigneten Vorschlag für eine dauerhafte städtische Ehrung des Architekten Wolfgang Hänsch (1929 – 2013) vorlegen. Das hat der Dresdener Stadtrat jetzt einstimmig auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beschlossen. Dabei soll die Stiftung Sächsischer Architekten, die den Hänsch-Nachlass verwaltet, in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Der war einer der wichtigsten Planer der Nachkriegsmoderne in Dresden, begründete Grünen-Fraktionsvorsitzender Thomas Löser den Antrag.

Der in Königsbrück nahe Dresden geborene Architekt entwarf unter anderem das Haus der Presse, das mittlerweile abgerissene Einkaufszentrum Webergasse und hatte maßgeblichen Anteil an der Ausführungsplanung des Kulturpalastes – dem zur Einweihung 1969 eine stylishe Briefmarke gewidmet wurde. Als Chefarchitekt war Wolfgang Hänsch zudem für den Wiederaufbau der Semperoper verantwortlich. Bei der Diskussion um den Umbau des Kulturpalastes hatte schon die damalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) vorgeschlagen, den erst ab 1991 freischaffenden Architekten angemessen zu ehren. Dieses Versprechen sei von der Stadt bislang nicht eingelöst worden, so der Fraktionsvorsitzende. (db, 12.12.17)

Der Dresdener Kulturpalast zu seiner Einweihung 1969 auf einer Briefmarke

Alles Gute, Leopold Wiel!

Alles Gute, Leopold Wiel!

Bis 2017 soll der Umbau des Dresdner Kulturpalastes abgeschlossen sein (Bild: Florian S.)
Der Dresdner Kulturpalastes ist eng mit dem Namen Leopold Wiel verbunden (Bild: Florian S., CC-BY-SA 3.0)

In Dresden stand dieser Tage ein runder Geburtstag an: Der Architekt Leopold Wiel feierte am 14. Mai seinen 100. Geburtstag. Als Professor an der TH Dresden bildete er 1951 bis 1981 Generationen von Architekten aus, sein Lehrbuch „Baukonstruktionen des Wohnungsbaus“ erfuhr 11. Neuauflagen und gilt bis heute als Standardwerk. Wiel verfolgt das Baugeschehen in Dresden auch im Ruhestand sehr genau. Auf die Pläne zum Umbau des Dresdner Kulturpalastes reagierte er 2012 mit einem offenen Brief an die Oberbürgermeisterin, in dem er sich gegen den Ausbau des Mehrzwecksaals wandte.

Der Kulturpalast stellt ein zentrales Werk in Wiels Laufbahn als Architekt dar. Die SED träumte 1959 von einem Turmhaus, das die Stadt überragen und von der Überlegenheit der sozialistischen Kultur künden sollte.  Wiel entwarf dagegen einen modernen, viergeschossigen Bau mit gläserner Fassade – und fing sich harsche Kritik der Partei ein. Nach der Intervention der Moskauer Architektenschaft revidierte sie jedoch ihre Meinung und schickte den 1. Sekretär der SED-Stadtleitung zu Wiel nach Hause, um sich bei ihm zu entschuldigen und um Unterstützung beim Bau des zentralen Kulturhauses zu bitten. Der Turm war vom Tisch, stattdessen beauftragte man Wolfgang Hänsch mit dem Bau des Kulturpalastes, der sich an den Planungen Wiels orientierte. (jr, 16.5.16)