Justizvollzugsschule: Erst sanieren, dann abreißen

Auf der Wuppertaler Hardt überschlagen sich die Ereignisse: Noch ist der Verkauf vom Land an die Stadt nicht vollzogen, schon beginnen die Sanierungsarbeiten am Josef-Neuberger-Haus, um dieses direkt danach abzureißen. Die Räume wurden 1958 für die Pädagogische Akademie Wuppertal errichtet. 1977 übernahm die Justizvollzugsschule Nordrhein-Westfalen die – 1983 nach dem ehemaligen Justizminister Josef Neuberger benannten – Häuser, um 2014 ebenfalls auszuziehen. Zuletzt diente der Standort als Ausweichquartier für Wuppertaler Schulen. Noch 2019 engagierte sich eine Initiative für den Erhalt der Bauten samt der umgebenden Grünflächen, doch schon 2013 hatten sich das Land gegen eine Unterschutzstellung entschieden.

Aktuell werden vor Ort Fakten geschaffen: Die Asbestsanierung läuft bereits, damit im Januar 2021 der Abriss starten kann. Für beide Schritte werden (ohne Neubau) 4,6 Millionen Euro eingeplant. Das Gelände will man 2021 als Ausweichquartier für weitere Wuppertaler Schulen herrichten, die in der Zwischenzeit saniert werden. Das bestehende Josef-Neuberger-Haus von 1958 sei dazu nicht geeignet. Zwar schade der baugebundene Asbest nicht während einer schulischen Nutzung, aber – so das städtische Gebäudemanagement gegenüber der Presse – der enge Zeitplan und die Kosten-Nutzen-Abwägung ließen den Abriss als alternativlos erscheinen. Die Opposition hingegen befürchtet, dass an diesem Standort mittelfristig exklusive Wohnbauten entstehen könnte – und damit ein beliebtes Naherholungsgebiet verloren ginge. (kb, 1.11.20)

Wuppertal, Josef-Neuberger-Haus (Bild: Atamari, CC BY SA 3.0, 2009)

Wuppertal-Barmen: Vorwerk auf dem Rückmarsch?

Im Wirtschaftswunderland wurde von hier aus so mancher Haushaltstraum erfüllt: Die Firma Vorwerk in Wuppertal sorgte in dieser Zeit mit qualitativ hochwertiger Weißware für Aufmerksamkeit. Staubsauger, Mixer und andere Geräte erleichterten die mühsame Arbeit der Hausfrauen und -männer. Ein solch fortschrittliches Unternehmen brauchte selbstverständlich eine moderne Firmenzentrale, die den eigenen Anspruch nach außen repräsentieren sollte. So entstand von 1954 bis 1965 die Hauptverwaltung nach den Plänen eines der großen Namen der Epoche: Bernhard Hermkes – feinste Nachkriegsmoderne in zartem Rotbraun.

Rund 60 Jahre später hält die Firmenleitung den Vorzeigebau von einst für altbacken. Er entspreche schlichtweg nicht mehr den heutigen Anforderungen. Das ist kein gutes Omen, zumal kein Denkmalschutz für das Objekt besteht. Im letzten Jahr wurde schon ein Wettbewerb für den Neubau ausgelobt, ein Abriss sehr warscheinlich. Besser sieht es mit dem kleinen Bruder der Zentrale aus. Das Appartementhaus Vorwerk, ursprünglich als Hauptsitz geplant und ebenfalls von Hermkes’ Reißbrett, steht bereits seit 2002 unter Schutz. (jm, 28.8.19)

Wuppertal-Barmen, Vorwerk-Hauptverwaltung (Bild: Cesare Lazaros Borgia, 2019)

Schwerelos durch die Stadt

Wuppertal ohne die Schwebebahn, das wäre wie Paris ohne den Eiffelturm. Nicht ohne Grund sind die Bewohner stolz auf den stählernen Zeugen des ungebremsten Fortschrittswillens der vorletzten Jahrhundertwende. 1901 wurde das ungewöhnliche öffentliche Verkehrsmittel in der damaligen Boomregion eröffnet. Es gab der losen Agglomeration von Industriestädten, die erst später zu Wuppertal werden sollte, eine verkehrstechnische Struktur. In fast 120 Betriebsjahren kam es allerdings auch immer wieder zu Unfällen. Der letzte ereignete sich am 18. November vergangenen Jahres, als sich eine durchhängende Stromschiene von der Strecke löste. Bis letzte Woche mussten die Wuppertaler daher den öffentlichen Nahverkehr mit Bodenhaftung bewältigen. 

Zur feierlichen Wiederaufnahme des Betriebes gab es für die frühen Schwebebahn-Enthusiasten sogar Frühstück von der Betreibergesellschaft. Von einem anderen gewohnten Anblick müssen sich die Fans allerdings dieses Jahr verabschieden. Die charakteristischen poppig orange-blauen Wagen der „Baureihe 1972“ fuhren im Mai zum letzten Mal in einen Bahnhof ein, bevor sie davonschwebten. Glücklicherweise nicht in die Schrottpresse. Die Wuppertaler Stadtwerke waren sich des ikonischen Wertes bewusst und boten die ausrangierten Waggons zum Verkauf an Liebhaber an. Einer wanderte zu einer metallverarbeitenden Firma ins Sauerland, wo er an einem Gerüst aufgehängt als Showroom für deren Produkte fungieren soll. Umnutzung mal anders! (jm, 10.8.19)

Wuppertal, Schwebebahn (Bild: Hermann Luyken, CCO 1.0)